Computerspieler sind Totschläger [2. update]

Geschrieben von messitschbyburns am 20. Mai 2009 | Killerspiele


Vor fast genau einem Jahr warf ein Unbekannter einen Holzklotz von einer Brücke auf die A29 bei Oldenburg und erschlug Olga K., die im gleichen Moment die Autobahn befuhr.

Bevor der Täter ermittelt wurde, rülpste Wolfgang Bergmann, der bis heute von sich behauptet, Kinder- und Jugendpsychologe zu sein, in der Wochenzeitung Die Zeit einen Zusammenhang zwischen dem Holzklotzwerfer und Computerspielern.

Im Mai 2008 wurde der verdächtige Nikolai H. verhaftet. Er war kein Computerspieler.

Heute verkündete das Landgericht Oldenburg das Urteil: Lebenslange Haft wegen Mordes und mehrfachen Mordversuchs.

Nikolai H. ist immer noch kein Computerspieler.

Hier ist ein Foto des psychologisierenden Scharlatans:

wolfgang_bergmann_s.jpg

Damit nicht vergessen wird, welche Figuren in Deutschland Menschen therapieren dürfen.

2 Kommentare ↓

#1 wolfgang bergmann am 17.06.09 um 13:42

hallo, ist ja nur ein Zufall, lese gerade diesen Kommentar - für alle anderen, die dies auch lesen: ich habe nie einen Zusammenhang zwischen Computerspiel und Holzklotz-Werfen oder Amoklauf behauptet, sondern in relativ vielen Interviews vor diesem voreiligen Kurzschluss gewarnt.
Dem übereifrigen Schreiber der Zeilen oben muss ich leider sagen: immer erst informieren, dann drauf los pfeffern - aber in besserem deutsch, soweit möglich

#2 admin am 17.06.09 um 17:02

Für den Fall, daß Sie den Überblick über Ihre relativ vielen Interviews verloren haben:

Unser ursprünglicher Beitrag, auf den wir im Text verlinken, basierte auf diesem Interview von Ihnen:

“Warum werfen Jugendliche einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke? Ein Interview mit dem Kinder- und Jugendpsychologen Wolfgang Bergmann.”

Das Interview erschien am 3. April 2008 auf ZEIT online, nur 11 Tage nach dem Holzklotzwurf, lange bevor die Polizei den später Verurteilten in Untersuchungshaft nahm.

Sie waren sich nicht nur sicher, daß die Täter jugendlich sein mußten, sondern begründeten die Tat u.a. mit “Allmachtsfantasien des Einzelnen”, die auch auf Computerspieler zuträfen:

“Zum Beispiel wechseln die Computerspieler oft die Freunde. Sozial ungebildetere Gruppen suchen durch ihre aggressive Haltung nach außen den Zusammenhalt. Die Dynamik, die dabei entsteht: Alles, was anders ist als wir, ist feindlich. Es handelt sich um sehr unruhige, seelisch wenig integrierte Jugendliche, die ihre Umwelt nicht verstehen, nicht in sich aufgenommen haben und vermuten, jeden Moment könnte ihnen Feindseligkeit entgegenschlagen.”

Zum Schluß stellte Ihnen der Interviewer die Frage:

“Was vermuten Sie? Wie fühlen sich die jugendlichen Täter jetzt?”

Sie antworteten:

“Ich bin mir sicher, dass sie in einem Zustand wilder Panik sind. Sie haben nicht an die Folgen gedacht. Aber jetzt haben sie begriffen, was sie getan haben. Der eine oder andere (am wahrscheinlichsten das Mädchen) wird sich einem Erwachsenen anvertraut haben. Der jetzt in dem Konflikt steht, die eigene Tochter oder den eigenen Sohn anzuzeigen.”

Es gab aber kein Mädchen. Es gab auch keine jugendlichen Täter. Der Verurteilte ist ein 30 Jahre alter Einzeltäter.

Daß Sie nach diesem Interview-Eklat weiterhin an Menschen herumtherapieren, ist Ihre Entscheidung. Wir werden aber die Erinnerung an Ihre entsetzliche Fehleinschätzung wachhalten.

Mein Kommentar: