Birthler, Schwan und Kurras

Geschrieben von messitschbyburns am 25. Mai 2009 | Birthler/Gauck, Kurras/Ohnesorg


Über Marianne Birthler, die mit der Zuverlässigkeit einer Atomuhr vor jeder Wahl eine Überraschung findet (siehe hier, hier und hier), muß man sich nicht mehr wundern. Wirklich überraschend sind die Funde längst nicht mehr, weil man aus Gauck’scher Tradition weiß, daß die Funde konsequent die Linke belasten und niemals die Rechte, Gaucks und Birthlers politische Heimat.

Die Story, daß zwei Historiker die Kurras-Akte rein zufällig vor der Wahl des Bundespräsidenten fanden und Birthler von deren Veröffentlichung — gerade noch rechtzeitig vor Horst Köhlers Wiederwahl — vollkommen überrascht wurde, ist hübsch. Ein bißchen dick aufgetragen, aber wenigstens um Witzigkeit bemüht.

Tatsächlich fiel die Veröffentlichung auf das Herrlichste mit Birthlers Kampf gegen Gesine Schwan zusammen, die als Kandidatin der SPD auch von den Grünen gewählt werden wollte:

“Vor einer Woche hatte Schwan in einem Tagesspiegel-Interview Zweifel aufkommen lassen, ob sie die DDR als Unrechtsstaat betrachtet oder nicht. Das hat bei der Partei, die amtlich immer noch die alte DDR-Bürgerrechtsbewegung Bündnis 90 im Namen führt, zu allerlei Irritationen geführt. ‘Du musst das klarstellen’, signalisierte die Fraktionsspitze der Kandidatin. […]

Fast 50 Minuten lang musste sich Schwan verteidigen. Vor allem Marianne Birthler, Chef-Stasi-Aufarbeiterin und Wahlfrau der Grünen, habe wütend, laut und emotional mit Schwan über das Wesen der DDR gestritten. Als die Tonlage anhaltend hoch blieb, als gar Worte wie ‘Unterstellung’ flogen, brach Fraktionschef Fritz Kuhn die Debatte ab.”

Birthler mußte Gesine Schwan verhindern, um der SPD, deren Kandidatin alle Stimmen der Grünen brauchte, um vielleicht doch noch zur Präsidentin gewählt zu werden, die Flausen einer Rot-Rot-Grünen Koalition auszutreiben. Denn Gesine Schwan als Bundespräsidentin hätte das Eis zwischen der Linken auf der einen und der SPD und den Grünen auf der anderen Seite gewaltig schmelzen lassen. Für 2009 sicher zu wenig, aber bis 2013 ausreichend, um an eine Bundesregierung der SPD und Grünen mit Beteiligung der Linken zu denken.

Ein Horror für Birthler und deren Strippenzieher. Glücklich, wer zur rechten Zeit eine Akte findet.

Die plötzliche Einordnung des Todesschützen Kurras als Linken, der auf Linke schoß, dürfte wankende Wahlmänner und -frauen auf die Seite Köhlers getrieben haben. Wer mit Gesine Schwan und deren Offenheit für Linke sympathisierte, aber für Birthlers Stasi-Instrumentalisierung empfänglich war, für den wird nach dem Kurras-Kracher klar gewesen sein: Mit diesen linken Mördern nicht. Dann lieber Köhler.

Bis zur Europawahl und der parlamentarischen Sommerpause ist das Thema Stasi gesichert. Vor der Bundestagswahl wird Birthler wohl die nächste Überraschung präsentieren, um der Linken saftig eins überzubraten. Ihr Archiv ist groß, und falsche Vorwürfe kann sie nach der Wahl dementieren.

3 Kommentare ↓

#1 Andreas am 26.05.09 um 21:41

Das ist doch mal ein interessanter Hintergrund zur “überraschenden” Wiederwahl Horst Köhlers. Hab ich so in den letzten Tagen irgendwo mitbekommen.

Na, ich lese ja auch keinen “Tagesspiegel”….

Immerhin dürfte Bithler damit ihren Job endgültig gesichert und sich zugleich als politisch zuverlässig etabliert haben.

#2 admin am 26.05.09 um 22:16

Die Finanzierung für weitere zwanzig Jahre hat Merkel schon zugesichert. Und wenn Birthler eines Tages doch gehen muß, wird für die Institution ein neuer pflegeleichter Chef gefunden. Vera Lengsfeld wäre sicher nicht abgeneigt.

#3 Tim am 29.05.09 um 02:17

übrigens:
http://www.welt.de/politik/article3011541/Schaeuble-wollte-Stasi-Akten-vernichten-lassen.html

Was hat der Mann nur zu verbergen? Sowas vielleicht: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30390/1.html

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