Hellsongs
“Hymns In The Key Of 666″
(p) 2008, Lovely Records

Wirklich nett, da kann man nicht meckern. Drei junge Hüpfer inszenieren sich als Spät-Hippies und nennen ihre CD anspielungsreich Hymns In The Key Of 666. Stoff für lange Rotweingespräche: Was meinen sie wohl? Stevie Wonder, okay, 666 als Höllenzeichen, auch okay, 70er-Jahre-Grafik, Blumenkinder, alles okay, aber Hymns?
Die Schweden Harriet Ohlsson (voc), Johan Bringhed (p, keyb, voc) und Kalle Karlsson (g, voc) haben eine bestechend einfache Idee: Sie transformieren legendäre Metalsongs in einen beschwingten, nach Love, Peace und Gunjah duftenden Blütenteppich. Dabei erfanden sie den Lounge Metal. Was es nicht alles gibt.
Wer die Originale nur flüchtig kennt, dürfte enorme Schwierigkeiten haben, sie wiederzuerkennen. Hellsongs interpretieren sie so gründlich um, daß man von neuen Songs sprechen kann. Alles sehr liebevoll und rührend arrangiert, mit Klanghölzern, Tambourine, Triangel, Cello, Orgel und zuckersüßen Geigen am rosaroten Schäfchenwolkenhimmel.
Die Liste der gecoverten Songs liest sich respektabel:
- Iron Maiden: The Trooper
- Megadeth: Symphony Of Destruction
- Europe: Rock The Night
- Slayer: Seasons In The Abyss
- Twisted Sister: We’re Not Gonna Take It
- Metallica: Blackened
- AC/DC: Thunderstruck
- Iron Maiden: Run To The Hills
- Black Sabbath: Paranoid
- Saxon: Princess Of The Night
Wer jetzt erschrickt und denkt: Oh Gott! Iron Maiden! Weiche von mir, Satan!, den können wir beruhigen. Hellsongs verzichten auf Brusthaar-Toupet und Spandex-Lumpen und stecken sich Blumen ins Haar. Aus den falsettierten Hodenquetschern formen sie kuschelweiche Schmuselieder.
Und wissen Sie was? Es klingt famos und fabelhaft. Hellsongs holen die überwiegend scheintoten Originale wieder ins Leben zurück. Mit sanftem Piano, glockenheller Stimme, weichem Satzgesang und Gitarren, die so sauber und unschuldig klingen wie in Jimmy Pages Tangerine-Phase. So könnten diese Songs im Proberaum von Iron Maiden oder Megadeth geklungen haben, als zarte, flüchtige Gespinste, als reine Melodien, die erst im technisierten Studio zu Anabolika-Monstern für Cockring-Träger mit Prinz-Albert-Piercings gepimpt wurden.
Vergleichen Sie selbst: Stellen Sie Ihre eigene Compilation mit den originalen Songs zusammen. Hören Sie sich zuerst die ursprünglichen Stücke und dann die Versionen von Hellsongs an. Sie werden sich vor Lachen nicht mehr einkriegen — bei den Originalen. Manche dieser Songs kann man heute nur noch mit einem leichten Schamgefühl und einem halben Liter Schnaps ertragen.
Unsere Hellsongs-Favoriten sind The Trooper, Thunderstruck, Seasons In The Abyss, Run To The Hills und Paranoid. Würden Hellsongs nicht die Zeile Can you help me occupy my brain? singen, kein Mensch käme auf den Gedanken, daß Black Sabbath gemeint ist. Großartig. Und bei Thunderstruck bitte unbedingt zuerst AC/DC hören, damit Sie das dampfende Intro mit dem brünstig geröhrten Thunder im Ohr haben, als Kontrast zu Hellsongs jungfräulich gehauchten Vokalismen.
Manchmal maniriert sich Harriet Ohlsson zu sehr in Richtung Dolores O’Riordan, der gottlob vergessenen Sängerin der gottlob vergessenen Quietschcombo Cranberries. Am Ende von We’re Not Gonna Take It hebt Ohlsson fast ab und kann sich nur knapp vor dem Schluchzen retten. Dafür entschädigt ihr schwedischer Akzent, der so entzückend klingt wie bei ihren großen Landesschwestern von ABBA.
Wenn Sie diese CD kaufen — was wir Ihnen wirklich empfehlen, sofern sich der Preis normalisiert hat und die irreale Mondphase von 21,95 Euro abgeklungen ist –, dann dürfen Sie ihr Exemplar als Sammlerstück betrachten. Harriet Ohlsson flog Ende 2008, nach der Produktion einer weiteren EP, aus der Band und wurde von Siri Bergnéhr ersetzt, die bis dahin im Background sang.
Das wird aber keine unangenehmen Folgen haben. Viel interessanter ist die Frage, wie lange das Konzept Lounge Metal trägt. Für zwei oder drei CDs könnte es reichen. Vielleicht schaffen sie es auch, sich so zu etablieren wie Apocalyptica. Wir drücken die Daumen.

Kalle Karlsson, Johan Bringhed, Harriet Ohlsson
1 Kommentar ↓
Hellsongs wieder auf Tour.
Termine:
05.05.10 HAMBURG KNUST
06.05.10 BREMEN Tower Musikclub
07.05.10 LEIPZIG Moritzbastei s
08.05.10 MARBURG Kulturladen KFZ
09.05.10 STUTTGART UNIVERSUM Stuttgart
10.05.10 NÜRNBERG HIRSCH
11.05.10 MÜNCHEN Ampere / Muffatwerk
12.05.10 FRANKFURT / MAIN Nachtleben
13.05.10 KÖLN Die Werkstatt
14.05.10 MÜNSTER Sputnikhalle 31
15.05.10 BERLIN FRANNZ Club
21.05.10 FLENSBURG Volksbad
22.05.10 HANNOVER Cafe Glocksee
23.05.10 DORTMUND FZW / Freizeitzentrum West
Quelle:
http://www.ticket-news.de/hellsongs-axis-of-acoustic-tour-2010/
Mein Kommentar: