SPON besitzt ein erstaunliches Talent, die eigene Gülle immer wieder zu unterbieten. Glaubte man bisher, Patalongs Anbiederei an die Musikindustrie markierte den endgültigen Tiefpunkt, gräbt sich SPON-Praktikant Torben Waleczek locker ein paar Meter tiefer.
Waleczek prügelt auf die Piratenpartei ein, rechtzeitig vor der Europawahl. Das heißt, er prügelt nicht nur, er rührt ein paar grottenschlechte Propagandastückchen zusammen:
“Warum die Raubkopierer nach Brüssel wollen. Schwedische Computer-Freaks machen mobil gegen das Urheberrecht auf Musik und Filme.”
“Wenn alles klappt, wie es soll, dann vertritt Christian Engström bald die Interessen von Raubkopierern im Europäischen Parlament. Musik und Filme umsonst und für alle.“
Das ist Unsinn, Blödsinn oder einfach schlecht gelogen. Was die Piratenpartei wirklich fordert, schreibt Waleczek ein paar Zeilen später:
“Die Piraten fordern das Recht auf die legale Privatkopie von Musikstücken, Filmen und Texten.”
Eine legale Privatkopie ist etwas anderes als Waleczeks steile These “Musik und Filme umsonst und für alle”. Dieser Widerspruch fällt ihm nicht auf, im Gegenteil: Der Artikel endet mit einer Behauptung am Rande der äußersten Merkbefreiung:
“Für die Europawahl ruhen zunächst noch alle Hoffnungen auf dem Mutterland Schweden. Spitzenkandidat Engström trommelt in Interviews für seinen Einzug ins Parlament: ‘Die Schlacht um unser Privatleben wird in Brüssel geschlagen.’
Vielleicht klappt es dann auch mit der legalen Privatkopie.”
Bitte rezitieren Sie den letzten Satz laut und deutlich, liebe Leser. Er ist so absurd, daß man ihn auf allen Straßen singen müßte, damit jeder Bürger, der SPON nicht kennt oder liest, erfahren möge, welch kluge Köpfe diese Redaktion versammelt. Singen Sie ihn als Kanon, im Wechsel mit folgendem Auszug aus dem UrhG:
Urheberrechtsgesetz, § 53: Vervielfältigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch
“(1) Zulässig sind einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird.”
Das nennt man Recht auf legale Privatkopie.
Torben Waleczek stellt sich auch auf XING vor, dem Kontakthof für Menschen, die beruflichen Anschluß suchen. Unter “Persönliches — Ich biete” flunkert er: Gute Schreibe, saubere Recherche, Gespür für Themen.
Nichts davon ist wahr, aber gerade deshalb wüßten wir einen Arbeitgeber, in dessen Verband Waleczeks Schmierenjournalismus als Einstellungskriterium und höhere Weihe gilt: Dieter Gorny.
2 Kommentare ↓
Finde ich gut, dass das mal jemand zum Ausdruck bringt. Mir ist der Artikel heute auch schon sehr negativ aufgefallen.
Vielleicht bereiten SPON und der Spiegel Verlag die offene Unterstützung des Heidelberger Appells vor. Bisher haben sie mit ihm eher dezent sympathisiert und es vermieden, ihn so aggressiv zu befeuern wie FAZ und WELT.
http://de.wikipedia.org/wiki/Heidelberger_Appell
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