Die unheimliche Macht der DDR

Geschrieben von messitschbyburns am 08. Juni 2009 | BILD


Seit ihrer Gründung besaß die BRD eine Regierung, zweifellos. Gelenkt wurde sie aber aus der DDR. Das ist das Fazit des Springer-Chefs Mathias Döpfner, der in der FAZ mit gut gespielter Empörung eine völlig neue Interpretation der bundesdeutschen Geschichte fordert — u.a. wegen Kurras’ Stasiakte:

“Die sozialistische Propagandamaschine war unglaublich effizient, sie hat das Geschichtsbild der Bundesrepublik bis heute in einem Maß geprägt, das wir uns überhaupt nicht vorstellen können […] Vor allem muss der Einfluss der SED und der Stasi auf die Bundesrepublik insgesamt erforscht werden […]

Wie sehr die manipulative Kraft der ostdeutschen Geheimdiensttätigkeit unser Geschichtsbild geprägt hat, das ist für mich das übergeordnete Thema. Womöglich stellt sich heraus, dass wir seit 45, 50 Jahren mit einem Geschichtsbild leben, das im Wesentlichen von einem nichtdemokratischen System geprägt ist.”

Ein toller Ritterschlag für die Geheimdienste der DDR. Da lacht der Mielke im Höllentopf.

Döpfner stellt auch die Legitimation der 68er in Frage:

“Ein Gründungsmythos der 68er gerät hier ins Wackeln […] Die 68-Bewegung hat sich […], wissentlich und unwissentlich, zum Handlanger der SED machen lassen, um den Axel-Springer-Verlag als Feindbild und Fratze der freien Presse zu positionieren.”

Nun sollte man Springer ehren und danken, meint Döpfner:

“Ich finde, es wäre an der Zeit, dass sich die uneinsichtigen Protagonisten der 68er-Bewegung mal bei unserem Haus entschuldigen. Ich glaube, dem Axel-Springer-Verlag ist Unrecht widerfahren in dieser Auseinandersetzung, die bis heute negativ auf unser Haus wirkt […]

Ich meine die Dinge, die im Sinne einer erfolgreichen Diffamierungskampagne dem Haus unterstellt werden und die bis heute dazu führen, dass der Verlag bei den ewig Gestrigen als Hort des Reaktionären, als zentral gelenktes Meinungsmonstrum wahrgenommen wird. Dieses Klischee wird Springer bis heute nicht los. Und es ist ungerecht.

Denn Springer sind die Guten:

“Das Haus [wurde] systematisch zum Klassenfeind aufgebaut: indem der Begriff ‘Enteignet Springer’ von einem Mitarbeiter der Stasi, Walter Barthel, erfunden und verbreitet wurde; indem Desinformationsdossiers erstellt und unters Volk gebracht wurden, indem die 68er-Bewegung als Multiplikator der Kampagne finanziell unterstützt wurde, zum Teil sogar unter engagierter Mithilfe westdeutscher Wettbewerber […]

Wenn immer wieder dieselben drei oder fünf Zeilen wiederholt werden, dann entsteht der Eindruck, das Haus war eine zentral gelenkte Meinungsmaschine, die nur das eine Ziel hatte, die Freiheitsbewegung der Studenten zu verhindern. Dem war nicht so.

Womöglich war Springer mit dem Herzen bei den Studenten. Man hat sich nur ein wenig ungeschickt ausgedrückt.

Wenn aber die DDR beim größten deutschen Sudeltopf so erfolgreich war und nebenbei das bundesdeutsche Geschichtsbild über mehrere Generationen manipulieren konnte, dann fragt man sich: Warum hat das bis zum Tag, an dem die Akte Kurras veröffentlicht wurde, keiner gemerkt? Kein Wissenschaftler, kein Medienforscher, kein Geheimdienstler, kein investigativer Journalist?

Döpfner weiß, warum:

“Die meisten haben das natürlich in dieser Form genauso wenig gewusst oder geahnt. Und ein großer Teil hat in seinem Idealismus des Kampfes für die vermeintlich gute Sache vielleicht auch nicht so viel gefragt.”

Ein irrer Paranoiker an der Spitze eines großen deutschen Meinungskonzerns. Wie beruhigend.

2 Kommentare ↓

#1 Tim am 10.06.09 um 04:48

Das nimmt ja Züge an… Muss man das noch ernst nehmen? Ich denke, ein knappes “NEIN” reicht als Antwort völlig aus.

#2 admin am 10.06.09 um 12:05

Hier ist ein sehr schöner Artikel von Hans Leyendecker, der Döpfner mit ein paar Fakten zerpflückt:

http://www.sueddeutsche.de/L5E38J/2924851/Dienern-und-wienern.html

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