Electric Wizard: Witchcult Today

Geschrieben von messitschbyburns am 22. Februar 2008 | Hörsturz


Electric Wizard
“Witchcult Today”
(p) 2007, Rise Aboce Records

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Electric Wizard gehen ihren Weg mit erstaunlicher Konsequenz. Die Liebhaber bewußtseinserweiternder Stimulanzien, satanischer Kulte und jungfräulich knospender B-Movies verwandeln sich allmählich in ein 70er-Jahre-Fossil. Getreu der Devise von St. Vitus: Living backwards.

Das heißt: Kein digitales Equipment, sondern analoge Röhrenverstärker. Kein gediegenes, stabiles Digipack, sondern ein aufklappbares Digisleeve aus schluffiger Pappe — im stillen Gedenken an die Hüllen früherer Doppel-LPs. Kein mehrseitiges Booklet, sondern ein dürres Faltblatt mit Fotos aus okkulten Sexfilmen: Nackte junge Messdienerinnen knien vor nackten jungen Priesterinnen.

In den Linernotes dankt die Band nicht nur H.P. Lovecraft, sondern auch

Jean Rollin

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Jacula

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Renzo Barbieri

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Jose Larraz

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Guido Crepax

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Jess Franco

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und natürlich Brigitte Bardot. Auch dem guten Mind Bending Skunk Weed wird gedankt.

Damit ist der künstlerische, kulturhistorische und lebensbejahende Background von Electric Wizard präzise beschrieben: Doom.

Nach sechs CDs in 13 Jahren beherrschen Electric Wizard die goldene Regel des Doom im Schlaf: Wenn du ein Riff hast, halte es fest und verändere es nicht. Spiel es wieder und wieder … und wieder. Wie vom Großmeister Tony Iommi gelehrt und von seinen Adepten bis heute streng befolgt.

Doch nur wenige Doom-Bands sind derart radikal wie Electric Wizard, die ihre Songs für Witchcult Today ausschließlich mit Instrumenten und Technik aus der Zeit der frühen Black-Sabbath-Alben aufnahmen. Und tatsächlich klingt Witchcult Today so rumpelrauschend wie Black Sabbath zwischen Black Sabbath und Sabbath Bloody Sabbath. Das muß man wissen, bevor man hektisch an der Dolby-Surround-Anlage schraubt, um die fehlende Klangbrillianz einzupegeln: Es ist nicht die Anlage; es ist die Musik.

Vielleicht war dieser Schritt nach der phänomenalen CD We Live (2004) notwendig. Mit We Live stemmten Electric Wizard ein fast perfektes Album. Die bange Frage, wie das zu toppen wäre, hat die Band mit ihrem Back To The Roots elegant umschifft.

Gemessen an We live spielt die Band hier mit angezogener Handbremse. Aber wie gewohnt ruhen Electric Wizard buddhagleich in sich. Ein Riff, viel Baß und alle Zeit der Welt. Justin Oborns Stimme hallt hinter einem dichten Vorhang aus tiefen und tiefsten Frequenzen. Nach dem Wizard-typischen Vertändeln der ersten Stücke, das der Band offenbar nicht auszutreiben ist, zieht Witchcult Today mit Song Nr. 5 an. Bei einem Konzert würde man sagen: Ab The Chosen Few haben sie sich warm gespielt.

Das folgende Torquemada ‘71 läßt einen zum ersten Mal die Ohren aufstellen. Die Gitarren treffen sich zu einem Feedback-Ausflug ins Hawkwind-Land; eine Session deutet sich an und verklingt nach knapp sieben Minuten — abgelöst vom elfminütigen Instrumental Black Magic Rituals & Perversions, der Vorbereitung auf den Höhepunkt des Albums.

In Black Magic Rituals & Perversions hat die Band unterschwellige Gesprächsfetzen und rückwärtslaufenden Stimmen eingebaut. Wer nach satanischen Botschaften sucht, kann den Song zur Dechiffrierung durch ein Soundprogramm jagen. Ist aber nicht notwendig. Black Magic Rituals & Perversions entfaltet auch ohne luziferischen Firlefanz eine enorme Wirkung.

Eingebettet in einen tiefschwarzen Sound, verschleppt die Band das Tempo immer mehr. Zu Trommelklängen eines Tambours, der seine Armee der Untoten in die Schlacht führt, wispern die unheimlichen Stimmen und schieben den Song träge vor sich her. Man weiß nicht, was gewispert wird, und man möchte es auch nicht erfahren. Nach elf Minuten ist abrupt Schluß — Saturnine beginnt, und damit das Finale; ebenfalls elf Minuten lang.

Saturnine ist Electric Wizard at it’s best. Ein mammutöser Trumm, mächtig wie der Doppelschlag The Sun Has Turned To Black/Saturn’s Children auf We Live. Ein stolzes Riff wird mit der Gelassenheit des großen Kiffers, der mit sich und der Welt im Reinen ist, bis zum Ende durchgezogen. Da gibt es kein Wackeln und kein Wanken. Um das Riff zwitschern andere Gitarren und der Hawkwind’sche Synthesizer. Die Feedbacks, Loops und Improvisationen sind das Fleisch auf dem Knochen des Riffs. Sie lassen Saturnine zur düsteren Pflanze im Garten des teuflischen Hohepriesters gedeihen. Wer anfällig für Depressionen oder Fenstersprünge ist, dem sei Saturnine nicht empfohlen. Wie überhaupt Electric Wizard oder jede andere Doom-Band.

Nach 11 Minuten und 3 Sekunden ist plötzlich Schluß. Für Doom-Verhältnisse mitten im Song. Saturnine bricht so plötzlich ab, als wäre in dieser Sekunde das Geld für die Studiomiete aufgebraucht. Im Kopf dröhnt noch das ewige Riff, doch die CD schweigt.

Zum Glück kann man seinen Player auf Repeat programmieren. Es lohnt sich.

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Shaun Rutter (dr), Justin Oborn (g, voc), Rob Al-Issa (b), und dazwischen Liz Buckingham, die schönste Gitarristin wo gibt.

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