Von der Leyens nächste Show

Geschrieben von messitschbyburns am 25. Juni 2009 | KiPo, von der Leyen


Die ZEIT veröffentlichte ein Doppelinterview mit der Initiatorin der Onlinepetition gegen Netzsperren, Franziska Heine, und Ursula von der Leyen. Das Interview ist aus mehreren Gründen lesenswert.

Zum einen, weil von der Leyens Hochmut, ihre Faktenresistenz und ihre in Jahrzehnten antrainierte Aalglattheit selten so ins Auge sprang wie hier, auch nicht im Gespräch auf SPON.

Zum zweiten, weil eintrat, was wir neulich befürchteten.

Franziska Heine ist eine äußerst respektable, in ihrem Engagement gegen die Internet-Zensur in höchsten Tönen zu lobende Frau. Doch guter Wille allein genügt nicht, will man von der Leyen demaskieren. Gegen eiskalt lügende Politprofis wie die Ministerin geht Franziska Heine hoffnungslos unter. Das ist kein Vorwurf an sie; das schreiben wir mit dem Ausdruck größten Bedauerns.

Von der Leyen (und Schäuble, Wiefelspütz etc. pp.) kann nur mit ihren eigenen Mitteln geschlagen werden. Die Professionalisierung der Zensurgegner ist sicher lästig, aber notwendig. Dem steht noch die Zersplitterung in Grüppchen, Arbeitskreise, tausende Blogs und zehntausende Twitterer entgegen, jeder für sich und zur Not gegen andere, doch mit der Piratenpartei könnte sich das ändern: in dem Moment, in dem ein redegewandter, eloquenter und fachlich versierter Mensch für die Piraten kandidiert, um den sich die Talkshows reißen, bei dem die Interviewer Schlange stehen. Jemand wie einst Gregor Gysi, der die PDS nicht nur, aber auch mit seiner Person gerettet hat.

Denn machen wir uns nichts vor: Ohne Coaching, Stimm- und Rhetoriktraining, psychologische Tricks und einen Kopf voller Namen, Zahlen und Daten, mit denen von der Leyens Nebelschwaden weggeblasen werden, hat es keinen Sinn, sich mit ihr messen zu wollen. Sie wird immer triumphieren, mühelos und mit kaltem Lächeln, wie jeder blank polierte Worthülsenstanzer im Bundestag. Als Amateur hat man hier leider keine Chance.

2 Kommentare ↓

#1 Daniel am 29.06.09 um 11:56

Du schreibst: “ein redegewandter, eloquenter und fachlich versierter Mensch für die Piraten kandidiert”…
Sicher hast Du Recht: Die Zukunft der Piratenpartei hängt vor allem auch davon ab, wen sie als Zugpferd gewinnen.

Der Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss, der aus Protest gegen Internet-Sperren aus der SPD aus- und in die Piratenpartei eingetreten ist - kann er diese Lücke füllen oder ist er zu sehr beschädigt durch die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft?

Schöne Grüße
Daniel

#2 admin am 29.06.09 um 13:09

Ich glaube, daß Jörg Tauss dauerhaft beschädigt ist. Gestern brachte das ZDF einen Bericht über die Piratenpartei und zeigte auch Jörg Tauss, im Bundestag sitzend, und dazu eine Stimme aus dem Off, daß gegen ihn ermittelt wird.

Das ist ja korrekt, weil die Ermittlungen noch laufen, aber ich fürchte, daß ab dem Tag, an dem die Ermittlungen möglicherweise eingestellt werden, bei Jörg Tauss immer der Zusatz kommen wird: “… gegen den 2009 ermittelt wurde.”

Tauss wird im Hintergrund eine große Hilfe sein, weil er als altes SPD-Schlachtroß seine Erfahrungen mit der parlamentarischen Arbeit in die Piratenpartei einbringen kann.

Ich dachte eher an Fachleute wie Alvar Freude, der so tief in der Materie steckt wie kaum ein anderer. Ich weiß allerdings nicht, ob er auch ein Mann des Wortes ist. Letzteres könnte man sicher trainieren. Fachlich dürfte aber kaum jemand so sattelfest sein wie er.

Ebenfalls schöne Grüße!
Jürgen

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