Was, liebe Leser, regt viele Menschen wirklich auf?
- Die Rettungsschirme der Bundesregierung
- Der S-Bahn-Kollaps in Berlin
- Das Pannen-AKW in Krümmel
- Eine Tofu-Kritik in der taz
Wir wollen Sie nicht lange rätseln lassen: Es ist der Tofu.
In der taz dachte Till Ehrlich kritisch über die Leibspeise der Vegetarier, Veganer und sonstigen Freunde des besonderen Geschmacks nach:
“Können die Probleme, die unsere Ernährung schafft, durch Verzicht und Vegetarismus gelöst werden? Bekanntlich zerstört der Sojaanbau etwa in Südamerika die Umwelt und forciert die Armut. Und gibt es das überhaupt, das schuldfreie Essen? Kann eine Tofu-Bulette wirklich das Gewissen erleichtern? Oder ist es eine Illusion im Gewand des Luxus, für den sich der westliche Nahrungsüberfluss einen Markt geschaffen hat? Zudem hat die Sache ein soziales Geschmäckle: Reiche leisten sich genfreien Biotofu, Arme gentechnisch veränderten Sojafraß.”
Dann fügt er eine kleine unschuldige Frage an:
“Weshalb greifen [Vegetarier] wirklich zu Tofu mit Wurstaroma, obwohl sie Fleisch strikt ablehnen?”
Auf diesen kurzen Artikel reagierte die taz-Leserschaft mit einer Wut, als würde ein Grüner Außenminister einen illegalen Angriffskrieg total geil finden (was völlig ausgeschlossen ist, gottlob).
386 Leser fegten wie ein Tornado durchs Forum: Unsern Tofu nimmt uns keiner! Sie tobten und zürnten wie von Sinnen, und ganz Aufgeregte drohten mit der Kündigung des Abos.
Dreihundertsechsundachtzig Leser! Wegen einer Tofu-Kritik! Als hätte sich der Tofu im Gehirn abgelagert.
Wenigstens tun ihre Fäkalien nicht mehr so viel stinken. Wir, als fassungslose Beobachter der veganischen Toleranz, grillen trotzdem unsere Steaks und essen sie mit großem Appetit. Auf die Fäkalien ist geschissen.
5 Kommentare ↓
“Wir, als fassungslose Beobachter der veganischen Toleranz, grillen trotzdem unsere Steaks und essen sie mit großem Appetit.”
Erst heute wieder. Guten Appetit!
Hallo,
vielleicht paßt es nicht GANZ so zum Thema (aber eigentlich schon):
Dieser Text hier:
http://images.zeit.de/text/2007/46/D18-PrenzlauerBerg-46
vermittelt eine große Freude, daß man dort nicht wohnen muß …
Hat was von einem selbstgeschaffenen Ghetto, finde ich.
Sind bestimmt taz-Leser, wenn sie nicht gleich die Stuttgarter Nachrichten abonniert haben. Auf den Gedanken, den Bayern-Kurier zu lesen, denn ein satirisches Blatt muß im Hause sein, kommen sie bestimmt nicht.
GvH
Vorsicht vor Henning Sußebach (oder Sussebach, er schreibt sich mal so, mal so). Der Ärmste ist in Berlin kläglich gescheitert und zog neulich frustriert nach Hamburg, trat aber zuvor seinen Frust über Berlin im Tagesspiegel breit:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Stadtleben-Lichtenberg-Prenzlauer-Berg-Mitte-Christo;art125,2821779
Der Zeit-Artikel von 2007 ist auch nicht mehr aktuell. In den letzten zwei Jahren hat sich viel geändert. Und Sätze wie “Es gibt hier kaum Telecafés”, “keine Infrastruktur für die lärmenden Kinder der Unterschicht” und “die Kastanienallee, eigentlich nur noch ‘Castingallee’ genannt” sind Kokolores. Es gibt jede Menge Telecafés, Kindergärten und sogar ein paar Spielplätze, und außer Sußebach sagt hier kein Mensch “Castingalle” oder “Pornobrillenträger”.
Definitiv falsch ist das hier: “(Yunus Uygur) sollte auf Öko umsteigen. Alles andere tut auf Dauer nicht gut.” Die Zahl der Ökoläden stagniert, die Zahl der kleinen türkischen Händler wächst.
Eher erheiternd: “Prenzlauer Berg, dieses kleine Altbaudreieck” — im kleinen Altbaudreieck Prenzlauer Berg wohnen 145.000 Einwohner, etwa so viel wie in Paderborn, Heidelberg oder Potsdam.
Erfreulich zu hören, daß da eine gewisse Normalisierung eintritt. War schon lange nicht mehr in Berlin, fällt mir bei näherem Nachdenken auf. Damals hab ich Schreiner-/Ecke Samariter-Straße gewohnt - wahrscheinlich sind die überkandidelten Öko-Yoga-Schwaben jetzt in F-Hain.
Nojo.
GvH
Die Toleranz der ach so lockeren taz-Leser wurde wieder mal auf die Probe gestellt:
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/nackt-oder-bewusstlos/
Die Kommentare sind ganz große Klasse:
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/kommentarseite/1/nackt-oder-bewusstlos/kommentare/1/1/
Redakteur, merke auf - immer schön SATIRE dranschreiben, egal, bei welcher Zeitung Du bist!
GvH
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