Von Nazis und Piraten

Geschrieben von messitschbyburns am 20. Juli 2009 | Piratenpartei, taz


Die taz schießt sich immer heftiger auf die Piratenpartei ein. Über die Gründe zerbrechen wir uns nicht den Kopf. Wir amüsieren uns über die Resultate.

Wenn Sie, liebe Leser, überlegen, welches Spitzenargument in der bundesdeutschen Medienöffentlichkeit noch gefehlt hat, um die Piratenpartei abzuwatschen — was fällt Ihnen dann ein?

Die Nazikeule!

Der taz ist es tatsächlich gelungen, die Piraten mit den Nazis zu verquicken. Nicht wegen Bodo Thiesen, mit dem sich der Vorstand der Partei beschäftigt, sondern mit den echten Nazis des 20. Jahrhunderts.

Dafür hat die taz den vermutlich intelligentesten Autor angebaggert, den die Berliner Presse zu bieten hat: Jörg Sundermeier, den Jörgi-Troll.

Who the fuck is Sundermeier?“, werden Sie fragen. Und Sie haben Recht. Sundermeier ist ein Niemand, ein Scharlatan, der mit FDP-Streberbrille, Kurt-Beck-Rasur und Vierfachkinn Jahr um Jahr durch die Berliner Redaktionen torkelt, um Schreibaufträge zu erschnorren, und vor dessen Fusselbartgesicht fast alle Türen zugeschlagen werden — bis auf die der Berliner Zeitung, Jungle World, taz oder von De:bug, den vier Pappkrönchen des deutschen Journalismus. Ursprünglich plante Sundermeier, von den Einnahmen seines Verbrecher Verlags zu leben, doch das Leben hatte andere Pläne.

Sundermeier bekämpft seit langem Filesharer und steht ganz vorn, wenn es gilt, das Nonsens-Wort “Raubkopierer” mit ähnlich preiswerten Mietmäulern im Chor zu singen. Im letzten Jahr machte sich Sundermeier vollständig zum Idioten, als er, der wortschatzreduzierte Pausenclown, dem Erwin Strittmatter so vertraut ist wie der Orion-Katalog dem Papst, sich ausgerechnet an diesem sprachgewaltigen Solitär verhob und Strittmatter eine Mitwisserschaft an Kriegsverbrechen des SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiments 18 andichten wollte (”Der sozialistische Vorzeigeschriftsteller […] hätte nicht nur reden sollen, er hätte reden müssen“).1

Nun randaliert das putzige Mauseohr in der taz über die Piratenpartei:

“Dass sie ihre Partei als solche bierernst nehmen, ist schon bedenklich genug; der Schritt zum Kleingärtnerverein wird vollzogen, nur ist der Kleingarten virtuell.”

Sundermeier hätte die Piraten lieber als Spaßverein webaffiner Hedonisten, die einmal im Jahr nackt durch Berlin marschieren und sich mit Tomaten bewerfen. Auf keinen Fall wünscht Sundermeier, daß die Piraten ihre Partei ernst nehmen.

Dann kommt er zur Sache:

“Die Piraten sagen, sie seien nicht links und nicht rechts. Dass auch Mussolini sich so präsentierte, wissen sie nicht und wundern sich nun, warum Faschisten ihre Partei interessant finden. Das lässt sich beheben; doch beweist der Vorgang, dass diese einäugigen Piraten das, was man nicht via Mausklick ansteuern kann, nicht kennen und sie sich auch im Internet mit nichts anderem als dem Internet beschäftigen.”

Applaus, Applaus.

Mit Bodo Thiesen gibt es einen problematischen Fall in der Partei (und in Schweden einen weiteren). Thiesen ist eines von 4.282 Mitgliedern. Daraus bastelt Sundermeier, daß Faschisten diese Partei interessant finden. Faschisten, also Plural. Wie viele sind es denn genau?

Die CDU wird regelmäßig von politischen Affären wildgewordener Alt- und Neunazis erschüttert. Das löst die Partei entweder durch Ausschluß oder Aussitzen. Noch nie kam aber jemand auf die Idee, daß Faschisten die CDU interessant fänden (zumindest im Jahr 2009 nicht; nach 1945 mag das anders gewesen sein).

Weiter mit Sundermeier:

“Sie hassen Politik im eigentlichen Sinne. Sie wollen machen, nicht analysieren. Sie halten das Internet selbst für seinen Inhalt, verwechseln Medium und Message. Sie kämpfen für Bürgerrechte, interessieren sich aber nicht dafür, was der Bürger ist, ideologisch gesehen. Sie wollen Datenschutz und kritisieren den Staat, loben aber Google, da sie ignorieren, dass Privatwirtschaft und Staat kooperieren. Auch sehen sie nicht, dass Teile dessen, was sie via Medium im Netz betrachten können, Privatbesitz ist.”

In diesem Absatz ist alles falsch. Nicht nur falsch: Sundermeier lügt.

Die Mitglieder der Piratenpartei hassen keine Politik. Wenn dem so wäre, würden sie keine Partei gründen, sondern einen Kegelverein. Lüge Nr. 1.

Die Mitglieder der Piratenpartei analysierten schon die problematischen Verwerfungen des Urheberrechts, bevor sie sich zur Partei formierten. Erst dieses durch Wissen geschärfte Bewußtsein hat die Gründung der Partei ermöglicht. Lüge Nr. 2.

Die Mitglieder der Piratenpartei halten das Internet nicht für seinen Inhalt. Wir vermuten, daß es nicht einen einzigen Menschen gibt, der so blöde ist, beides zu verwechseln. Außer Sundermeier, der ist noch blöder. Lüge Nr. 3.

Die Mitglieder der Piratenpartei sind erstens selbst Bürger und kämpfen zweitens nicht isoliert für imaginäre Bürgerrechte, die an den Interessen der anderen, nicht in die Partei eingebundenen Bürger vorbeigehen. Lüge Nr. 4.

Die Mitglieder der Piratenpartei loben Google nicht. Lüge Nr. 5.

Die Mitglieder der Piratenpartei übersehen keineswegs, daß es urheberrechtliche Ansprüche (und nicht etwa Privatbesitz, hier verwechselt der Troll die Begriffe) auch im Internet gibt. Denn entgegen den mantra-artigen Behauptungen der Sundermeiers dieser Welt fordert die Piratenpartei keinen kostenlosen Download für alle und alles. Lüge Nr. 6.

Mit der letzten Lüge lupft Sundermeier aus Versehen das Häkeldeckchen, das er über seine Haßattacke legen wollte. Im Grunde geht es ihm nicht um Bodo Thiesen, Mussolini oder die Bürgerrechte. Er hat Schiß um seinen Bauchladen. Zwar hält sich die Nachfrage nach Sundermeiers verlegerischen Werk sowohl bei Amazon (man achte auf die Verkaufsränge) als auch in Torrent-Netzwerken arg in Grenzen. Doch es könnte ja sein, daß einer seiner am Publikum vorbei schreibenden Autoren versehentlich ein goldenes Korn findet, blinden Hühnern gleich. Dann möchte Sundermeier am Geldsegen partizipieren, aber sowas von! Und wehe, ein Filesharer kommt ihm in die Quere!

Weiter mit Sundermeier:

“Sie bekämpfen Urheber, Firmen wie Pirate Bay aber finden sie okay, solange diese ‘Free Content’ anbieten. Wird die Firmenpolitik geändert, sind die Piraten empört. Das beweist zweierlei. Erstens haben diese Piraten den Kapitalismus nicht verstanden, auch da haben sie was mit Mussolini gemein. Zweitens sind sie käuflich - man muss ihnen nur was schenken, schon sind sie ganz blöd. So billig wie diese Partei war selten eine zu haben.”

Die Mitglieder der Piratenpartei bekämpfen keine Urheber.
Lüge Nr. 7.

Die Mitglieder der Piratenpartei fanden Pirate Bay okay, weil Pirate Bay eine Plattform zum Filesharing bot. Daß Filesharing in erster Linie Free Content beinhaltet, liegt in der Natur des Filesharings. Die Möglichkeit des Datenaustauschs per Creative Commons und General Public License unterschlägt Sundermeier. Und wäre Sundermeier weniger belämmert, als er ist, hätte er zur Kenntnis genommen, daß es Urheber gab wie die Schriftstellerin (!) Unni Drougge, die sich bewußt des kostenlosen Filesharings auf Pirate Bay bediente und dabei auch noch Geld verdiente. Lüge Nr. 8.

Die Mitglieder der Piratenpartei empören sich nicht, weil Pirate Bay verkauft wurde. Die Hintergründe für diesen Deal sind bekannt und plausibel. Pirate Bay war nur noch ein Klotz am Bein der Piraten. Es gibt längst interessantere Plattformen und Projekte. Lüge Nr. 9.

Die Mitglieder der Piratenpartei sind nicht käuflich. Lüge Nr. 10.

Fast müßte man Mitleid mit Sundermeier haben, diesem armen Irren, der sich mit einem grottigen Verlagsprogramm preiswerter Notautoren durchs Leben schlagen muß.

Witzfiguren wie Sundermeier sind tatsächlich ein Grund, über eine Mitgliedschaft bei den Piraten nachzudenken. Dann würden wir dem herzigen Trolli zurufen: “Sei nicht blöd, du kleiner Bazi, komm zu uns und werde Nazi!

Doch ein kulturphober Mensch wie Sundermeier würde das Zitat glatt mißverstehen.

  1. Sundermeiers Verhältnis zur Literatur ist ähnlich dem eines meteorologisch unbeleckten Bürgers zum Wetter: Er blickt zu den Wolken und sagt: “Wolken“. Sundermeier kann lesen, trotz des Handicaps der Geburt in Gottes Afterritze Gütersloh. Doch Buchstabieren begründet noch lange keinen Zugang zur Literatur. Sundermeiers Betrachtungen über Bücher werden dann und wann unter Kritikern herumgereicht. Man lächelt heiter und freundlich, bevor man sich wieder den wichtigen Dingen widmet. []

7 Kommentare ↓

#1 Patrick Schulz am 20.07.09 um 02:51

Ein Punkt Godwin an Sundermeier…

#2 Tim am 20.07.09 um 04:52

Joa, die Piratenpartei ist natürlich allgemein momentan der beliebteste Prügelknabe, weil die Kleinste (und Neuste) unter den bekannten Parteien. Immer alle auf die Kleinen, kennen wir doch noch vom Schulhof. Da bildet sich noch der letzte Trottel ein: “Hier kann ich nix falsch machen. Einfach mal draufhauen” Je armseliger man selbst ist, desto dringender braucht man “den Neuen”, den man dann erstmal schön runterputzen kann (solange es vermeintlich noch geht), um den anderen zu demonstrieren wie cool man ist. ;-)

#3 veronika am 20.07.09 um 10:39

@tim
nun denn.. Sundermeier mag ja im Unrecht sein (konnte mir ein hämisches Grinsen kaum verhalten als ich den Blog-Artikel hier las) aber wie stehst Du dann zu den jüngsten Aussagen Thiesens..??! …

#4 admin am 20.07.09 um 11:35

@veronika:

Ich will nicht für tim antworten, nur als Info:

“Piratenpartei enthebt Bodo Thiesen seiner Ämter und startet Parteiausschlussverfahren.”

http://www.piratenpartei.de/node/818/20242

Das hatte ich vergessen, im Artikel nachzutragen.

#5 Tim am 21.07.09 um 03:53

@ Veronika
Idioten gibt’s überall. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. EIN Trottel macht noch keine Nazi-Partei. Und wenn es jetzt auch noch ein Parteiausschlussverfahren gibt, ist doch eigentlich alles in Butter.

#6 links for 2009-07-21 « Moppelkotze::Blog am 21.07.09 um 17:09

[…] Von Nazis und Piraten — Messitsch by Burns Die TAZ und die Piraten…. […]

#7 Piraten und Nazis : Burks' Blog am 14.10.09 um 15:54

[…] und findet etwas “ideologisch problematisch”. Einige Blogger haben dazu hübsch gekontert: “Von Nazis und Piraten”. Beim Thema Bodo Thiesen haben die Piraten nicht lange […]

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