Dieter Hallervorden eröffnet in Berlin ein eigenes Theater. Sein zweites nach den Wühlmäusen, sein erstes als wirkliches Theater. Kein Kabarett, sondern Hochkultur. Das Schlosspark-Theater in Steglitz wurde 1993 vom Senat aufgegeben und danach erfolglos privat betrieben. Seit 2006 steht es leer.
Hallervorden steckt eine Million Euro aus seinem Vermögen in die Renovierung des Schlosspark-Theaters, muß dafür keine Miete zahlen und soll einen Teil der Kosten vom Senat erstattet bekommen, sofern der Berliner Buschfunk sich nicht irrt.
Trotzdem ist die Neueröffnung ein gewaltiges Risiko. Hallervorden steht gegen eine Front subventionierter Theater, deren Zuschauer mühsam überzeugt werden müssen, nach Steglitz zu fahren und nicht ins Stadtzentrum, zu den etablierten Sprechtheatern.
Man wünscht Dieter Hallervorden alles Gute und viel Erfolg. Gerade in einer Stadt, in der Theater in den letzten zwei Jahrzehnten öfter geschlossen als eröffnet wurden.
Auch die Berliner Zeitung drückt ihm die Daumen. In einem langen, sachlichen und sehr freundlichen Artikel schreibt Daniela Pogade ausführlich über Dieter Hallervorden, dessen Karriere und Erfolge. Hallervorden ist ausgebildeter Schauspieler und studierter Romanist. Der bis heute in der ARD und auf arte gezeigte Film Das Millionenspiel, in dem Hallervorden den Chef der Köhler-Bande spielte, die Freiwillige in einer TV-Show um den Preis von einer Million Mark jagte, war 1970 eine Sensation. 1987 drehte Paul Glaser einen ähnlichen Film: Running Man, mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle.
Hallervordens Figur des grimmassenschneidenden Trottels Didi gibt es seit 1990 nicht mehr. Daß er von manchen Leuten bis heute auf diese Rolle reduziert wird, trägt er mit Ironie. Er kann aber energisch werden, wenn ihm Journalisten die Frage stellen, ob er im Schlosspark-Theater den Didi geben werde.
Es gäbe also wirklich keinen Grund, das private Theaterengagement des 74jährigen Dieter Hallervorden mit dem vor 19 Jahren gestorbenen Knautschgesicht Didi zu verquirlen. Folgerichtig trennt Daniela Pogade in ihrem Artikel beides. Sie respektiert Hallervordens Theaterpläne und verzichtet auf Didi-Nervereien.
Und was macht der Titelknecht? Er schlagzeilt:

Mit drei Worten wird Hallervorden in der Überschrift zum Clown gestempelt, der Theater macht, der nervt, den man nicht ernst nehmen muß. Vielleicht war es Daniela Pogade selbst, die die Überschrift wählte, wir wissen es nicht (üblicherweise haben die Autoren keinen Einfluß auf die Titel ihrer Beiträge).
Wer auch immer hier die Sensibilität eines Mario Barth besaß: Herzlichen Glückwunsch.
2 Kommentare ↓
Es tut mir ja sehr leid, aber Dieter Hallervorden muss sehr dankbar sein, wenn er auf den Diddi reduziert wird. Tatsächlich ist das ein Lob des Titelknechtes.
In einer von nicht laufenden Theatern überquellenden Stadt ist Hallervordens Engagement für das Schlosspark-Theater eine nette Personality Show in der am Ende der Steuerzahler bluten muss, während sich Diddi grinsend vom Acker schleicht.
Das wäre natürlich weniger witzig, wenn Hallervorden hier die nächste Kulturruine produziert. Hoffen wir mal, daß er es schafft.
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