Deutsche Politiker handeln vorhersehbar. Oder sie lesen unser Blog.
Am 25. Mai 2009 schrieben wir über eine Rede von Justizministerin Zypries. In dieser Rede machte sich die Ministerin Gedanken über mehr Regulierung des Netzes und die Einschränkung der Anonymität des Internets.
Auch wir dachten nach. Wir überlegten, wohin Zypries Gedanken führen könnten:
“Parallel dazu dürfte die Vergabe einer lebenslang gültigen, festen IP-Nummer vorbereitet werden, mit der man sich einzuloggen hat.”
Es ist soweit.
Gestern ließ Zypries in einem Interview mit der taz wie nebenbei diesen Brocken fallen:
“Die technische Entwicklung geht mit Rasanz voran, wer weiß, ob wir nicht in fünf Jahren eine neue Generation des Internets haben. Vielleicht hat dann jeder Mensch eine individuelle IP-Adresse, die so unverwechselbar ist wie seine Telefonnummer?”
taz: “Was heißt das?”
“Nun, wenn sich das Internet so entwickelte, hätten wir zum Beispiel viele Probleme bei der Verfolgung von Straftaten im Internet nicht mehr, weil die IP-Adresse wie ein Fingerabdruck zum Aufspüren von Kriminellen genutzt werden könnte. Wahrscheinlich gefällt das den Piraten [gemeint ist die Piratenpartei] nicht. Aber man muss sich doch trotzdem der Diskussion und den Problemen stellen und dabei Konzepte für die Zukunft entwickeln.”
Würden Sie uns auslachen, liebe Leser, wenn wir jetzt prophezeiten, daß noch vor Ablauf der nächsten Wahlperiode jedem Säugling ein RFID-Chip implantiert wird? Zuerst auf freiwilliger Basis (der Eltern, denn der bedauernswerte Säugling kann sich nicht dagegen wehren).
Später, wenn ein nennenswerter Prozentsatz Heranwachsender mit der Sonde durch die Gegend läuft, macht man sie zur Pflicht.
Der Großtest läuft bereits: Tiere werden heute schon getaggt.
1 Kommentar ↓
Man sollte übrigens immer im Hinterkopf behalten, daß diese Frau schon als künftige Bundesverfassungsrichterin gehandelt wird. Ich habe da ein sehr ungutes Gefühl.
Schließlich war es auch Frau Zypries, die die von ihr organisierte Vorratsdatenspeicherung in einer Pressekonferenz mit Briefen verglich. Konkret lese man ja nicht die Briefe mit, sondern nur, was auf dem Umschlag stehe. Also wer, wann an wen schreibt.
Das sollte übrigens beschwichtigend wirken! Als ob das Scannen aller mit der Post beförderten Briefe und das Bevorraten der so gewonnenen Daten längst Usus wäre! Aber nein, dagegen gibt es sogar ein verfassungsmäßiges Recht, daß das nicht geschehen darf: Das Postgeheimnis! Festgelegt im Artikel 10/1 GG.
NOCH zumindest!
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