Wer Piraten wählt, hilft auch den Nazis

Geschrieben von messitschbyburns am 22. September 2009 | Piratenpartei, taz


Neuer Glücksmoment für die taz. Im unermüdlichen Kampf gegen die Piraten, jener plötzlich auf der Bildfläche erschienenen Konkurrenz zur einzigen von der taz erlaubten Partei, den kriegsbegeisterten Grünen, durfte ein Herr namens Julian Weber den Depp vom Dienst geben:

“Einer der Ihren [= der Piratenpartei], der Filmrechteanwalt Patrick Jacobshagen, forderte etwa dazu auf, das Urheberrecht zeitlich stark zu begrenzen und das Zitatrecht auszuweiten. Wer also sein Kreuz für die Piraten macht, muss sich darüber im Klaren sein, dass dann in Zukunft zum Beispiel Songs von Die Ärzte unbehelligt auf Nazidemos gespielt werden dürfen.”

Nazis spielen schon seit Jahren Ärzte-Songs auf ihren Demos. Sie okkupieren linke Losungen und Parolen. Manche verkleiden sich im Antifa-Dresscode und lassen sich die Haare wachsen. Shit happens.

Julian Weber muß das nicht wissen. Für einen Hieb gegen die Piraten sind Fakten irrelevant. Die Nazikeule hat zu krachen. Nur das zählt.

Immerhin — eine Frage wurde von Julian Weber beantwortet: Gibt es dümmere Menschen als Jörg Sundermeier?

Nachtrag:

Am 21. September wurde Webers kleines Piraten-Bashing auf taz.de online gestellt — ohne Kommentarfunktion. Im Laufe des Tages schaltete ein mutiger Admin die Kommentarfunktion frei, womöglich in der Hoffnung, die Leserschaft der taz übersehe Webers Denkübung.

Das war ein Irrtum. Bis zum Abend stapelten sich teils erboste, teil ironische Kommentare über den ebenso brachialen wie lächerlichen Anti-Piraten-Kurs der taz. Das schlug der sensiblen Redaktion derart aufs Gemüt, daß sie zur bewährten Praxis griff: Abschaltung der Kommentarfunktion. Denn was man nicht sieht, existiert nicht. Keine Kommentare = keine Kritik. Das Böse soll verborgen bleiben. Die taz hat von Frau von der Leyen viel gelernt.

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