Vor einer Woche spuckte der Irre aus der Potsdamer Straße wieder Rotz und Galle. Malte Lehming (der übrigens keine Erfindung von uns, sondern tatsächlich Leitender Redakteur Meinung des Tagesspiegels ist) starrte zitternd auf die immer wackliger werdenden Umfragewerte seines Traumduos Merkel-Westerwelle, auf die sanft steigenden Prozente der SPD und vor allem auf die stabilen Zahlen der Linken.
Nach den Jahrhundertblamagen bei seinen verlorenen Kämpfen um Tempelhof, gegen Obama und für Pro Reli will das kleine braune Lehming endlich triumphieren. Schwarz-Gelb muß stehen!
Lehming zog die kotfarbene Kampfmontur über, stupste ein Staubkorn von der Schulterklappe, striegelte seine deutsche Kommissbürste, hielt mit der rechten Hand gedankenverloren den kleinen schwarzen Kamm unter die Nase und hackte mit der linken seinen Quartalsanfall in die Tastatur.
Wer ist schuld, wenn Westerwelle nicht Außenminister wird? Die Zonis. Denn über 20 Prozent von ihnen wählen die Partei Die Linke. Wer dagegen wählt nach Jahrzehnten der mentalen Umerziehung so treudoof wie der Westdeutsche? Die Migranten.
Lehmings Schlußfolgerung: Die Migranten sind vorbildlich integrierte gute Deutsche, die Zonis ein halbwilder Barbarenstamm. Für letztere benutzt er andere Worte, meint aber das gleiche.
Daß Lehming kein Ausbund an Intelligenz ist, wissen Sie, liebe Leser. Es gibt nun mal keine klugen Menschen am rechten Rand. Und weil Lehming zuweilen im Wochentakt austickt, wäre uns sein aktueller Anfall keine Zeile wert — wenn wir ihn nicht bei einer Lüge ertappt hätten.
Lehming schreibt:
“Interessant in diesem Zusammenhang ist die jüngste Studie des Sozialverbands ‘Volkssolidarität’ (’20 Jahre friedliche Revolution 1989 bis 2009 - Die Sicht der Bürger der neuen Bundesländer’). Ihr zufolge sind 40 Prozent der Ostdeutschen negativ gegenüber Ausländern eingestellt, eine Mehrheit fühlt sich nicht oder noch nicht hinreichend ‘als Bundesbürger integriert’ (nur 25 Prozent fühlen sich als ‘richtige Bundesbürger’), zehn Prozent wollen die Mauer wieder haben. Das Misstrauen gegenüber den politischen Parteien wächst, die Loyalität zum demokratischen freiheitlichen Rechtsstaat nimmt ab.”
Schauen wir zuerst auf die Statistik (Seite 7, hier als pdf).
Nur 25 Prozent fühlen sich als “richtige Bundesbürger”, sagt Lehming. Das stimmt — für das Jahr 2009. Was Lehming verschweigt, sind die Zahlen der Vorjahre:
1997: 16 Prozent, 2000: 21, 2002: 20, 2004: 17, 2006: 16, 2008: 22.
Das Gefühl, als Ostdeutscher ein richtiger Bundesbürger zu sein, hat sich also seit 1997 — und besonders nach dem Knick 2006 — verstärkt. Kein Wort darüber bei Lehming.
Zehn Prozent wollen die Mauer wiederhaben, sagt Lehming außerdem.
Zitieren wir zuerst die korrekte Auswahlantwort in der Umfrage der Volkssolidarität: “Als Ostdeutscher möchte ich am liebsten die DDR wiederhaben”. Nach der Mauer wurde nicht gefragt. Bekanntlich demonstrierten die Ostler im Oktober 1989 für eine DDR ohne Mauer (“Wir sind das Volk” — “Wir bleiben hier”), bis die Drückerkolonnen der CDU (West) ihre LKW-Ladungen voller “Wir sind ein Volk”-Propaganda auskippten.
Für Lehming ist das kein Detail, an das er auch nur eine Puseratze Grips verschwendet. Auch nicht an einen Vergleich mit den Vorjahreszahlen:
1997: 10 Prozent, 2000: 6, 2002: 10, 2004: 13, 2006: 14, 2008: 11.
Die Anzahl der Ostdeutschen, die die DDR wiederhaben wollen, ist demnach relativ konstant geblieben, mit einzelnen Ausschlägen nach oben und unten. Im Vergleich zur letzten Befragung ist sie sogar gesunken.
Auch davon kein Wort bei Lehming.
Kommen wir zur Lüge.
“[Der Studie] zufolge sind 40 Prozent der Ostdeutschen negativ gegenüber Ausländern eingestellt.”
Sie, liebe Leser, können die Studie Seite für Seite durcharbeiten, ausdrucken, wenden, auf den Kopf stellen, von links nach rechts, von oben nach unten oder von hinten nach vorn lesen — Sie werden diese Zahl nicht finden.
An keiner Stelle der Studie wird behauptet, 40 Prozent der Ostdeutschen seien negativ gegenüber Ausländern eingestellt. Nirgendwo, mit keiner Silbe und keiner Zahl. Auch nicht im Statement des Präsidenten des Bundesverbands der Volkssolidarität, Prof. Dr. Gunnar Winkler, auf der Pressekonferenz vom 20. Juli 2009 zur Vorstellung der Studie (hier als pdf).
Der Irre aus der Potsdamer hat gelogen. Wieder mal.
Wir haben uns bei der Volkssolidarität rückversichert. Wir haben nichts übersehen oder überlesen.
Erinnern Sie sich? Lehming ist Leitender Redakteur Meinung des Tagesspiegels.
Lehming, der Lügner.
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