Kings of Convenience: Declaration of Dependence

Geschrieben von messitschbyburns am 08. Oktober 2009 | Hörsturz


Kings of Convenience
“Declaration of Dependence”
(p) 2009, EMI

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Nach dem Krieg massierte der grinsende Stehgeiger Helmut Zacharias seinem Publikum sanft die Ohren blumig, in den 60er Jahren säuselten Simon and Garfunkel die letzten Hippies in den ewigen Schlaf, und seit 1978 gibt André Rieu den pomadisierten Seelentröster für alle Lebenslagen.

Das kann man konzentrieren, dachten sich die Norweger Eirik Glambek Bøe und Erlend Øye, und gründeten 1999 das Duo Kings of Convenience. Der Name The Return of Simon and Garfunkel hätte weniger romantisch geklungen, würde das Süßstoffmassaker der Kings of Convenience aber direkter beschreiben.

Zwei akustische Gitarren werden verträumt gezupft, zwei Handballen puckern sacht auf dem Korpus, gefühlte 100 Kaffeehausgeigen lassen kandierte Zuckerkristalle aus dem siebten Himmel schneien, ein Kontrabass schnurpst gutmütig, und auch die Harfe darf nicht fehlen.

Die aus tiefen Kehlen geraunten und gehauchten Jungmännerstimmen machen kleine Mädchen froh (und dürften kleinen Jungs zum frühen Coming Out verhelfen): “Whooo ooh-oh ooh-oh I could never belong to you …”

Ach ja.

Der Erfolg gibt Bøe und Øye recht: Ausverkaufte Hallen (richtige Hallen, keine verschämten Klubtouren), tolle Plattenverkäufe und himmlische Rezensionen dahinschmelzender alleinstehender Journalistinnen im nicht mehr taufrischen Alter.

Erlend Øye ist inzwischen nach Berlin gezogen und prüft mit seiner Zweitband The Whitest Boy Alive, ab wann im Publikum der Zuckerschock einsetzt. Die Rezensionen sind noch himmlischer, die Rezensentinnen immer noch alleinstehend.

Was den Schmus der Kings of Convenience, die wirklich schamlos Simon and Garfunkel mit schmalziger Kaffeehausmusik verquirlen, vor einem Ehrenplatz in unseren Flops der Saison bewahrt, ist ein einziger Pluspunkt: Man kann Declaration of Dependence auch am Sonntagnachmittag spielen, wenn die geliebte Verwandtschaft auf dem Sofa sitzt, und wird dafür mit Sätzen wie “Du hast aber schöne Musik!” belohnt. Bei Sunn O))) gäbe es wohl größere Akzeptanzprobleme.

Die Kings of Convenience sind also durchaus nützlich. Was fehlt ihnen noch zum großen Glück? Eine Welttournee mit André Rieu.

Für unsere jüngeren Leser, die bei Simon and Garfunkel bestenfalls an Opas Furunkel, aber nicht mehr an Musik denken, hier ein Song der unfreiwilligen Ideenspender: The Sound Of Silence aus dem Jahr 1966, also kurz nach Adam und Eva, mit einer winzigen Textmodifikation der Simpsons (”Lady Bouvier’s Lover”, Folge 1F21):

Hello Grampa, my old friend
Your busy day is at an end

Your exploits have been sad and boring
They tell a tale that’s worth ignoring

When you’re alone, the words of your story
Will echo down the rest-home hall

‘Cause no one at all can stand
The sound of Grampa.

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Eirik Glambek Bøe (links) und Erlend Øye

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