The Heavy: The House That Dirt Built

Geschrieben von messitschbyburns am 14. Oktober 2009 | Hörsturz


The Heavy
“The House That Dirt Built”
(p) 2009, Counter Records

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The Heavy
“Great Vengeance and Furious Fire”
(p) 2007, Counter Records

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Great Vengeance and Furious Fire, das Debüt von The Heavy, lag bei uns wochenlang auf dem “Ganz wichtig”-Stapel. Dann rutschte die CD nach unten, bis sie hinter dem nächsten “Ganz wichtig”-Stapel verschwand. Dabei hatten wir uns fest vorgenommen, Ihnen, liebe Leser, dieses Wunderding köstlicher Musik zu empfehlen.

Inzwischen ist der Nachfolger The House That Dirt Built erschienen, und jetzt muß es passieren:

Damen und Herren! Dies ist die tolldreisteste Musik, die Ihr Plattenhändler in diesen Tagen für Sie reserviert hat.

Die vier Engländer Chris Ellul (dr), Spencer Page (b), Kelvin Swaby (voc) und Dan Taylor (g) erschienen 2007 wie ein greller Blitz in stockdunkler Nacht. Ob sie zuvor in anderen Bands musizierten oder sich vier Naturbegabungen spontan entluden, wissen wir nicht. Mit der famosen CD Great Vengeance and Furious Fire knallten sie jedenfalls eines der bemerkenswertesten Debüts auf den Markt, das man sich denken kann.

Wenn Sie Filme von Quentin Tarantino kennen, wissen Sie, was Ihnen bei The Heavy blüht. Falls Sie keine spritzenden Blutfontänen mögen, kaufen Sie sich einen Tarantino-Soundtrack (gibt’s für weniger als 7 Euro). The Heavy schreiben Songs, die allesamt bei Tarantino laufen könnten: knisternd, rauschend, nostalgisch, schräg, heiß, erotisch; inspiriert vom Sound der 50er und 60er und der Ex-, Blax- und Sexploitationfilme: Shaft, Richard Roundtree und Her Godlike Sexyness Pam Grier.

Gitarre, Schlagzeug und ein wummernder Bass, dazu Bläser, Streicher und das gute alte Plattenknistern; mehr braucht man nicht zum Glücklichsein. Manchmal sind Gitarre und Bass herrlich übersteuert, wie im Wüstenstudio von Kyuss aufgenommen. Dann kann man sein Glück kaum fassen.

Die heißere, soulige Stimme von Kelvin Swaby ist ein verblüffend universelles Instrument. Swaby kann singen wie Robert Plant, James Brown oder — es ist ja keine Schande — Tunde Adebimpe.

Ebenso universell ist der Inhalt des Nudeltopfs, aus dem The Heavy schöpfen. Ohne langes Nachdenken erkennt man Einflüsse von Led Zeppelin, James Brown, Curtis Mayfield, Otis Redding, Howlin’ Wolf, The Animals, Prince, The Parliaments, TV on the Radio, Dancehall, Dead Moon und den Stones in ihrer Memory-Hotel-Seelenquetscher-Periode.

Das dürften nur die offensichtlichsten Späße der Band sein. Je öfter man The Heavy hört, desto mehr Zitate, Verweise und Anspielungen rasen einem durch den Kopf. Wie bei Tarantino eben, dem one and only Großmeister der Zitate, Verweise und Anspielungen.

Screamin’ Jay Hawkins, The Animals, The Kinks und Ray Charles werden sogar unbekümmert angespielt. Wir verraten Ihnen nicht, auf welcher der beiden CDs und in welchen Songs. Wir nennen Ihnen aber die Originale, um Sie anzufixen: I Put a Spell on You, The House of the Rising Sun, All Day And All Of The Night und Hit the road Jack.

Great Vengeance and Furious Fire ist das zeppelineske, überdrehte, laute Einstandsgeschenk, The House That Dirt Built immer noch rau, aber mehr soulig (soulig, nicht schmusig).

Ein Genre für The Heavy gibt es nicht. Man müßte es Soul-Funk-Blues-Rock-Stoner-Hip Hop nennen, plus R’n'B. Oder Soulfood für hitzige Sommernächte, in denen die Kondome platzen. Oder ganz anders.

Egal. Die Musik von The Heavy ist ekstatisch und prickelnd. Wie die 1968er Sexy-Mini-Super-Flower-Pop-op-Cola. Alles ist in The Heavy.

Und jetzt kaufen, bitte.

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Spencer Page (b), Dan Taylor (g)

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Kelvin Swaby (voc), Chris Ellul (dr)

Fotos (c) by The Heavy

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