Wolfmother
“Cosmic Egg”
(p) 2009, Universal

In der Liste der Flops der Frühjahrs-, Sommer- und Herbstsaison 2009 souverän auf Platz 2: Wolfmother.
Heiliger Tapetenkleister! Das sollen Wolfmother sein? DIE Wolfmother?
2004 sprangen Wolfmother mit ihrem exquisiten ersten Album auf die Bühnen der Welt. Die Band gab’s schon seit 2000, der Erfolg kam vier Jahre später. Doch mit welcher Wucht! Fans und Kritiker jubilierten, die Verkaufszahlen explodierten (1,3 Mio Einheiten weltweit — für eine außerhalb Australiens unbekannte Rockband!), nur die Charts reagierten verhalten.
Was war das für ein tolles Album! Kraftvoller, respektloser, lässig dahingerotzter Hard Rock im Geist der Dekade zwischen 1966 und 1976! (und kein Stoner, liebe Kritiker, die ihr voneinander abschreibt)
Glühende Vermächtnisse aus dem Erbe von Blue Cheer, Led Zeppelin, Black Sabbath, Jimi Hendrix und T.Rex. Melodramatisch geknödelter Gesang, wuchtige Riffs, röhrendes Uriah-Heep-Georgel und dezentes Doors-Geklimper. Eine Platte ohne Fehl und Tadel, ohne Füllmasse und Aussetzer, die man täglich hörte, wieder und wieder, noch die letzten Zehntelsekunde auskostend und verzückt dem Summen des elektrisch verstärkten Stroms lauschend, das — oh Wunder — am Ende der Songs nicht wegradiert wurde.
Wolfmother feierten Erfolg um Erfolg, doch 2008 stiegen Chris Ross (keyb, b) und Myles Heskett (dr) aus. Sie gründeten Palace Of Fire, und Andrew Stockdale (g, voc) war plötzlich solo. Über den Anlaß erfährt man wenig. Offizielle Sprachregelung: “unüberbrückbare Differenzen”.
Stockdale heuerte Ian Peres (b, keyb) und Dave Acosta (dr) an und erweiterte Wolfmother mit Aiden Nemeth als zweitem Gitarristen zum Quartett. Der Musik hat’s nicht geholfen.
Alles ist weg, wie ausgelöscht. Wolfmother sind jetzt eine Retroband unter Tausenden. Flaue Kopisten ihrer Vorbilder, glattgebügelt und pflegeleicht, ohne Übermut und Feuer, ohne große Fresse und anarchistische “Was kostet die Welt!”-Attitüde.
Vor fünf Jahren plünderten sie den Heiligen Schrein des Hard Rock und griffen völlig ungeniert nach den allergrößten Reliquien. Sie stöpselten die Stimme von Robert Plant, die Gitarren von Jimmy Page und Tony Iommi und die Orgel von Ken Hensley zusammen und hämmerten daraus ihr eigenes, ganz großes Ding. Sie tobten sich in ihrer Musik aus wie testosteronisierte Jungen, die zu Hause hemmungslos die Sau rauslassen, während Mama und Papa drei Wochen auf Mallorca in der Sonne brutzeln. Anschließend gibt’s ein Vierteljahr Ausgehverbot wegen der fälligen Komplettrenovierung, aber das war es wert.
Heute zirkeln sie wie Klassenstreber kühle, massenkompatible, mitklatschtaugliche Nettigkeiten. Die Räude ist raus. Die Charts könnten es ihnen danken.
Wo man früher staunend das wohlige Feeling der 70er inhalierte, hört man jetzt nur noch gelangweilt hin, wenn die Zitate zu aufdringlich werden: White Feather: Rolling Stones (Start Me Up), 10.000 Feet: Budgie (Guts), Cosmic Egg: ZZ Top (La Grange), Sundial: Black Sabbath (Electric Funeral), In The Morning: Beatles + Led Zeppelin (All My Love).
Zitate als Selbstzweck, nicht augenzwinkernd und verspielt wie 2004 oder bei den Kollegen von The Heavy und Bigelf. Als müsse man den Hörer, diesen musikalischen Volltrottel, wie einen Hund mit dem Maul in den Futternapf stoßen: Schau, was für ein leckerer Retro-Knochen!
Violence Of The Sun, ein zentrales, für die Band offenbar wichtiges Stück dieser Platte, beginnt pomadig leidend wie Oasis und kippt nach der Hälfte in eine schmalztöpfige Led-Zeppelin-Oper. Stockdale erzählt in Interviews, dieser Song klinge exakt so, wie er sich Wolfmother schon immer vorgestellt habe. Heilige Katastrophe!
Wolfmother sind jetzt Wetten-dass?-kompatibel.
Die Plattenfirma scheint den Braten gerochen zu haben. Als Single veröffentlichte sie vorab Back Round. Und das ist das einzige Stück, das den Spirit der alten Wolfmother atmet, so sehr, als sei es von den Sessions zur ersten Platte übriggeblieben. Es fällt derart aus dem Rahmen, daß man sich fragt, ob die Plattenfirma die alten Fans mit dieser Single anfüttern wollte, bevor sich herumspricht, was für uninspirierte Langweiler Wolfmother geworden sind.
Cosmic Egg ist ein Reinfall mit dem Potential zum Flop des Jahres. Es ist so substanzlos und flach, daß man es im Tagesprogramm von Hitradio Blablablub spielen könnte.
Oder in der Kaufhalle, wenn der Hausfunk die Senioren-Einkaufstips säuselt: Heute im Angebot: Kukident extrazäh. Musikalisch untermalt von Far Away.
2 Kommentare ↓
“Far far away” von SLADE war ein tolles Stück! Überhaupt bin ich der Meinung, daß SLADE geradezu sträflich unterbewertet sind.
Ja, ich weiß, das hat jetzt nichts mit WOLFMOTHER zu tun, mußte aber mal wieder gesagt werden …
Die wahre WOLFMOTHER ist ja sowieso die hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitolinische_Wölfin
Kichernde Grüße aus Leipzig
:))
Wo du recht hast, hast du recht.
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