Shrinebuilder: Shrinebuilder

Geschrieben von messitschbyburns am 02. Dezember 2009 | Hörsturz, Neurosis, Shrinebuilder


Shrinebuilder
“Shrinebuilder”
(p) 2009, Neurot Recordings

shrinebuilder_cover_s.jpg

Mit Supergroups ist das so eine Sache. Mal spielen sie phänomenale Musik, gehen sich an die Gurgel und werden zur Legende (Cream), mal spielen sie irgendwas, gehen sich auch an die Gurgel und sind bald vergessen (die meisten anderen).

Shrinebuilder könnten als Zwischending funktionieren. Sie spielen passable Musik, gehen sich nicht an die Gurgel und werden trotzdem nicht zur Legende.

Die Supergroup Shrinebuilder wird als Nonplusultra des Doom gefeiert. Verständlich, wenn man die Namen der Musiker liest: Scott Kelly (voc, g), Scott Weinrich (voc, g), Al Cisneros (voc, b), Dale Crover (dr). Noch verständlicher, wenn man ihre wichtigsten Bands ergänzt:

  • Scott Kelly: Neurosis
  • Al Cisneros: Sleep
  • Dale Crover: Melvins
  • Scott “Wino” Weinrich: Saint Vitus

Nur Scott Kelly und Dale Crover sind noch in ihren Bands aktiv. Saint Vitus wurden 1995 aufgelöst (von glücklosen Reunions abgesehen), Sleep 1997. Beide Bands waren zu ihrer Zeit die gewaltigsten, wichtigsten, größten und besten Doom- und Stoner-Walzen des Universums. Das ist 15 Jahre her.

Seitdem schlägt sich Al Cisneros mit seinem Sleep-Kollegen Chris Hakius (der 2008 ausstieg und von Emil Amos ersetzt wurde) als Experimentalduo OM durch die Welt (im Februar 2010 wieder in Berlin). Scott Weinrich entfernte sich — nach einem letzten Zwischenzucken bei Place Of Skulls (With Vision, 2003) — mit seiner letzten Band The Hidden Hand und dem Soloalbum Punctuated Equilibrium (2009) immer weiter vom klassischen Doom. Man kann Wino nicht übelnehmen, daß er sich musikalisch verändern möchte. Es läßt sich aber schlecht ignorieren, daß er den Living-Backwards-Doom glorreicher Tage auf seinem langen Weg seit den frühen 80er Jahren, seit The Obsessed und Saint Vitus, vollständig ausgelöscht hat.

Was soll man von dieser Konstellation erwarten? Nicht viel.

Ketzerisch gesagt: Die ersten drei Sekunden sind die besten. Dale Crover zeigt, warum er auf dem Olymp der Schlagzeuger thront.

Dann singt Scott Weinrich, und Berg der Götter schrumpft zum Hügel.

Natürlich gibt es nette Momente. Scott Kelly kann nichts falsch machen, weder als Gitarrist noch als Sänger. Aber seine dröhnende, grollende Stimme und sein stilprägender Neurosis-Sound, den er auf ewig mit sich tragen wird, beißen sich mit Weinrichs quäkligem Gesang, mit dessen nicht mehr taufrischen Black-Sabbath-Riffs und mit Al Cisneros zugedröhntem Sleep-Kosmos.

Al Cisneros wiederum sorgt für berührend sentimentale Momente, wenn er in Pyramid Of The Moon und Science Of Anger vor sich hin meditiert wie einst auf Dopesmoker, dem fettesten, bekifftesten und glücklichmachendsten Stoneralbum aller Zeiten.

Doch was nützt es, wenn man jeden der fünf Songs in seine Bestandteile zerlegen kann: The Hidden Hand, Neurosis, Sleep und wieder von vorn. Nur Dale Crover hält die Fraktionen zusammen. Ein Schlagzeuggott eben.

Blind All To See ist der einzige Song, in dem das Teamplay funktioniert. 7:28 Minuten lang wird ein Riff stoisch durchgeschleppt, abwechselnd von beiden Gitarristen mit kleinen Soli umflochten und von der Rhythmussektion Crover/Cisneros sicher geleitet. Dann fiel den Beteiligten nichts mehr ein, und der Song hört plötzlich auf.

Scott Kelly beteuert, Shrinebuilder sei ein langlebiges Projekt. Das würde Konzerte einschließen. Vielleicht brennt ja live tatsächlich die Luft. Bei einer Gesamtspielzeit der CD von 39 Minuten müßte zwar jeder Supergruppensuperstar ein paar Songs aus seinem eigenen Repertoire beisteuern, aber das könnte der wirklich interessante Teil des Abends werden. Für Born Too Late, Dying Inside, Patra (Petra) und Jack Frost (alle von Saint Vitus) wäre uns kein Weg zu weit. Für Dopesmoker sowieso nicht.

shrinebuilder_band.jpg

Dale Crover, Scott Kelly, Scott Weinrich, Al Cisneros

Keine Kommentare ↓

Es gibt noch keine Kommentare. Sie können das ändern. Schreiben Sie einen Kommentar in das Formular.

Mein Kommentar: