Them Crooked Vultures: Them Crooked Vultures

Geschrieben von messitschbyburns am 03. Dezember 2009 | Hörsturz, Kyuss/QOTSA/Them Crooked Vultures


Them Crooked Vultures
“Them Crooked Vultures”
(p) 2009, Sony BMG

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Mit Supergroups ist das so eine Sache. Besonders, wenn eines ihrer Mitglieder erzählt, dies wäre die beste Rockband, in der er je gespielt habe. Das sagt Dave Grohl, der immerhin als Schlagzeuger von Nirvana — im Schatten Kurt Cobains — zur Legende wurde.

Inzwischen spielt Dave Grohl Gitarre bei den Foo Fighters. Der als hyperaktiv geltende Grohl hat zwar wenig Zeit, aber immer Kraft für Nebenprojekte. Josh Homme ebenfalls. Nur John Paul Jones muß nicht lange nach freien Terminen suchen. Er lebt seit 1980 im Vorruhestand, aufgelockert durch sporadische Plattenaufnahmen fürs Taschengeld, wenn der Led-Zeppelin-Scheck mal wieder länger unterwegs ist.

Them Crooked Vultures bilden also ein Helden-Trio aus Dave Grohl (dr), Josh Homme (g, voc) und John Paul Jones (b). Oder klangvoller: Foo Fighters, Queens of the Stone Age und Led Zeppelin.

Das könnte passen. Grohl und Homme sind dicke Kumpels, die schon lange miteinander jammen. Josh Homme ist Projekte aller Art gewohnt. Seine Fleißliste als Mitglied diverser Bands ist lang und respekteinflößend (Kyuss, Mondo Generator, Eagles of Death Metal und seine großartigen Desert Sessions). John Paul Jones schließlich ist auch abseitigen musikalischen Interessen zugeneigt. Er fand selbst Extremjodlerin Diamanda Galás knorke und versenkte mit ihr einen kleinen Batzen Geld.

Das könnte also passen — doch es paßt nicht. Man muß die Platte nicht zwanghaft zum Weltereignis aufpumpen, weil sich drei Superstars im Studio trafen. Sie ist weder die CD des Jahres noch des Monats. Das Resultat ist wesentlich nüchterner. Them Crooked Vultures sind Queens of the Stone Age als Wüstenschweinerock, straff durchgeknüppelt und mit zeppelinesken Breaks aufgehübscht. Mal überwiegt QOTSA (Elephants), mal Led Zeppelin (Reptiles), und zwischendurch besinnt sich Josh Homme auf seine Stoner-Wurzeln (Dead End Friends, Gunman, Spinning In Daffodils).

Josh Hommes helles Timbre erinnert des öfteren an Cream, und für ostdeutsche Hörer gibt’s ein Kuriosum. In Scumbag Blues schraubt sich Josh Homme so hoch wie Christian Kunert in Renfts Gelbe Straßenbahnballade.

Das ist schlichter Rock, der keinem weh tut. Zum psychedelischen Warsaw kann Mutti bügeln und Papa die Schuhe putzen. Beschwingte Musik, familientauglich und kinderfreundlich.

Daraus sollte man Them Crooked Vultures keinen Vorwurf machen. Wenn’s ihnen behagt, mögen sie schrammeln, bis die Wade glüht. Aber für eine Superband — die beste Rockband, in der Dave Grohl je gespielt hat — ist diese Platte viel zu dürr.

Man könnte sagen, das sei zu streng geurteilt. Zehntausend andere Bands produzieren in ihrer gesamten musikalischen Karriere keine Platte wie diese. Das stimmt, aber: Them Crooked Vultures sind nicht das Paul-Kasuppke-Trio. Wo, wenn nicht hier, sollte man höchste Maßstäbe anlegen?

Das Potential der drei Stars verläppert sich unter der QOTSA-Knute. Zwar ist Dave Grohl kein irre begabter Schlagzeuger, und John Paul Jones wird wohl nicht mehr der virtuoseste Bassist aller Zeiten, aber mit Josh Homme als kreativem Anführer und ihrer 150jährigen Erfahrung an der Spitze des Musikgeschäfts hätte man mehr als gediegenen QOTSA-Bierbums für Bikertreffen erwartet. Warum Them Crooked Vultures gegründet werden mußte, weiß man auch nach dem -zigsten Hören nicht. So klingt auch fröhlicher Schweden-Stoner.

Wir werden trotzdem ins Konzert gehen. Ein Viertel Led Zeppelin sieht man nicht alle Tage. Für uns war das der einzige Grund, Tickets zu kaufen. Sollte die Show unerwartet zur akustischen Bombe werden, lassen wir es Sie wissen. Im Fall des großen Gähnens haben wir Them Crooked Vultures schon auf dem Weg zur U-Bahn vergessen.

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John Paul Jones, Josh Homme, Dave Grohl

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