Die Dresdner Künstlerin Erika Lust malte die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz nackt:

An dieser Stelle sollte eine Reproduktion des Bildes
“Frau Orosz wirbt für das Welterbe” zu sehen sein.
Am 3. Dezember 2009 ließ OB Orosz das Bild verbieten.
Bild ist empört, entsetzt und auch erschüttert: Skandal!
Das Fachblatt für Kunst und Kritik (”Und das bei einem Verein, der sogar mit öffentlichen Geldern gefördert wird”) nennt Erika Lust eine Pinslerin (die noch größere Abwertung Postkartenmalerin war aus historischen Gründen vergeben) und schreibt “Gemälde” in Anführungszeichen, wie früher “DDR”:
“Kritiker fragen besorgt: Aber hat diese Freiheit keine Grenzen? Schon gibt es Warnungen, dass dieses ‘Gemälde’ den Ruf der Kunststadt Dresden und seiner höchsten Repräsentantin beschädigen könnte.”
Der Ruf der Kunststadt Dresden und seiner höchsten Repräsentantin läßt sich nach der — auch von OB Orosz durchgedrückten — Entscheidung, die Waldschlößchenbrücke in die Elblandschaft zu rammen, noch mehr beschädigen?
Das hätten wir wirklich nicht vermutet. Danke, Bild. Wieder was gelernt.
Vielleicht erregt sich Frau Orosz deshalb, weil Erika Lust mit dem Gemälde gegen die Waldschlößchenbrücke protestiert. Sie läßt die OB als Fledermaus vor dem Monument der deutschen Betonindustrie posieren. Titel: Frau Orosz wirbt für das Welterbe. Ein anderes Bild zeigt Helma Orosz als Domina: Die Auspeitschung der Rathaus-Fürsten.
Die Künstlerin malt gern Persönlichkeiten der Geschichte nackt oder halbnackt, von Salome bis zu August dem Starken. Sicher auch mit dem Gespür für das Gratis-Marketing, das sie erfährt, wenn die Skandalmaschine anläuft. Nicht erfolglos: Die nackte und die dominante Helma wurden für je 1.500 Euro verkauft.
Vor dem Verkauf drohte Frau Orosz mit Klage. Wir möchten sie ermuntern, auch jetzt noch zu klagen. Unter Umständen würde die Oberbürgermeisterin vor Gericht diesen Satz kennenlernen: “Eine Zensur findet nicht statt.”
Auch nicht in der Kunststadt Dresden.
12 Kommentare ↓
Frau Orosz nackt. Hat was. Mehr als ihre sonstigen Auftritte in der Öffentlichkeit. Und irgendwie auch eine Erinnerung an DES KAISERS NEUE KLEIDER, denn “…die hat ja gar nichts an!”, weder drunter noch drüber.
Helma Orosz nackt, prima.
Angeblich darf das Gemälde ja nicht mehr gezeigt werden, schön das es hier doch noch zu finden ist und alle sich köstlich amüsieren dürfen.
Diese Frau Orosz ist eine Schande für die Stadt Dresden und ich hoffe sehr, das es bald noch mehr solche witzigen Karrikaturen geben wird.
Dankeschön Frau Erika Lust
@ CSD Freund: Nicht mehr. Orosz’ Rechtsanwälte graben sich zur Zeit durchs Netz, um mit Abmahnungen Knete zu machen. Wenn Erika Lust ihren Prozeß gegen Orosz gewinnt, geht das Bild wieder online. Bis dahin wollen wir niemand mit unserem Geld mästen.
Eine Zensur findet leider doch statt:
http://www.freitag.de/community/blogs/g-westerby/erikas-niederlage
@ G. Westerby: Ja, ich hab’s schon auf der Website von Erika Lust gelesen: http://www.erika-lust.de/malerei.htm
Ich glaube nicht, daß Orosz in höheren Instanzen damit durchkommt, aber die Klagen bis zum BVerfG sind teuer. Mal sehen, ob es ein Spendenkonto für Erika Lust gibt. Da würden wir uns auf jeden Fall beteiligen.
Gruß aus Dresden. Im Prozess ging es NUR darum ob Erika Lust das Bild noch zeigen darf. Sie wurde verurteilt, das Orginalbild (welches nicht mehr in ihrem Besitz ist) auszustellen und zu zeigen und kein Reproduktionen im Internet zu erstellen. Alle anderen können selbstverständlich das Bild zeigen, da das Urteil nur gegen Frau Lust geht. Auch das Orginalbild ist noch zu sehen (in einer Dresdner Pension im Frühstücksraum), da ja der Besitzer des Bildes nicht verurteilt wurde. Und es ist ein Verfahren im vorläufigen Rechtsschutz, kein Hauptsachseverfahren gewesen.
Noch vergessen http://www.zensurpirat.de/index.php/zensurfaelle/erika-lust-orosz-bildnis/der-fall
@ Micha: Danke für den Hinweis, das Bild ist wieder ungeschwärzt.
freunde, nehmt das mal zur kenntnis, das bild ist große kunst.
früher hat sie nur geübt, also, Mona Lisa oben ohne und so, aber für diesen akt kenne ich kein vorbild, vielleicht ein paar anklänge an die Geburt der Venus von Botticelli.
die modelle der großen akte von Tizian und Co waren die ersten damen der gesellschaft, damals kannte “jeder” deren identidät, und sie waren stolz darauf, für die nachwelt so abgebildet zu werden. nackte fürstinnen waren auch damals eher selten, also muss frau Orosz das nicht hinnehmen.
das bild könnte auch “ecce homo”
heißen, seht, ich widerspiegele dieses großartige nekrophile schwarzblaue stahlbeton monster, das die natur zur nebensache werden lässt.
die brücke ist quasi die um 90 grad gedrehte, abstrakt gemalte dame.
sie selbst sieht seltsam leblos aus, wie aus PLASTIK, künstlich, eine puppe, unerotisch, eine untote.
bei uns gibt es doch kunst am bau, also 1 oder2% der öffentliche Bausumme muss in kunst fließen.
also, genau diese dame, 15 meter hoch, muss vor die brückenauffahrt, so wie die liberty statue vor dem New Yorker hafen.
in diesem falle dürfte frau Orosz zustimmen.
1. Ich hoffe, das Urteil wird vom OLG aufgehoben. Eine Zensur sollte nicht stattfinden. Eine OBin muss so was aushalten. Die erforderliche und getroffene Abwägung zwischen Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht einer Prominenten ist nach meiner Ansicht misslungen.
2. Ich empfehle DRINGEND, das Bild sofort aus dem Netz zu nehmen oder ein Spendenkonto für hohe Orosz-Anwalts-Abmahnkosten oder gar den nächsten Prozess einzurichten. Natürlich gilt DIESE Entscheidung nur gegen Frau Lust. Aber dasselbe Gericht wird -ebenso natürlich- gegen jeden anderen genauso entscheiden. Und in der Regel ist in solchen Fällen das Verfügungsverfahren das einzige. Zu einem Hauptsacheverfahren kommt es meist nicht, weil sich die Parteien vorher einigen oder das Urteil akzeptieren.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Cordula Heß
Rechtsanwältin in Dresden
@ Dr. Cordula Heß: Vielen Dank, das klingt plausibel, wir haben Ihren Rat befolgt.
[…] Antwort durch die Künstler, Blogger und Journalisten bleiben und sie wird sicherlich mit viel Phantasie erfolgen. Und auch die Justiz täte gut daran, bei der Vernichtung der Kunstfreiheit nicht […]
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