Bundespräsident Horst Köhler behängte zwölf Menschen mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Einer von ihnen ist unser Held Knabe:

Das präsidiale Pressebüro bedachte ihn und die anderen Preisträger mit folgenden Worten:
“Mit den Auszeichnungen würdigt der Bundespräsident den Mut und erinnert an die Leiden derjenigen, die als Regimekritiker in der DDR unter hohem persönlichem Risiko für Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit eintraten und die sich mit beispielhaftem Engagement um die Aufarbeitung der SED-Diktatur besonders verdient gemacht haben.”
Die im Pressetext etwas mißverständlich plazierte Konjunktion “und” bedeutet sicher nicht, daß Präsident Köhler den Knaben Hubertus nachträglich zum Regimekritiker in der DDR adeln möchte. Der Hubertus hätte das gewiß nicht nötig.
Denn wer außer ihm sollte wissen, wie die DDR funktionierte? Und knirscht es mal im knabekianischen Weltbild, hilft der Meister persönlich nach. Dann läßt er im Dr.-Hubertus-Knabe-Schrein in Berlin-Hohenschönhausen nachträglich eine Wasserzelle einbauen, um zu zeigen, wie man in der DDR Häftlinge mürbe machen wollte, indem ihnen aus einer Schüssel stetig Wasser auf den Kopf tropfte. Wenn’s schon nicht stimmt, so ist’s doch gut gelogen.
Wir gratulieren dem ehrlichen Makler der DDR-Geschichte von ganzem Herzen. Dem würdigen Anlaß angemessen, haben wir ein kleines Präsent vorbereitet. Wir schenken dem Jubilar einen brandneuen Downloadlink, mit dem er die Geschichte seines Lebens herunterladen kann. Aufgeschrieben von Paul Kaiser, veröffentlicht in der Berliner Zeitung vom 12./13. Januar 2008.
Glückwunsch, lieber Hubsi!
10 Kommentare ↓
Endlich habt Ihr reagiert und dieses bundespolitische Großereignis (mit all seinen lächerlichen Pannen:Krawczyk und die Hymne…) in Euren Blog aufgenommen.
Aber ich traute meinen Ohren nicht , als am Montagabend in den RBB-Regionalnachrichten offen verkündet und gezeigt wurde:”…Bundespräsident Horst Köhler zeichnete heute 12 ehemalige DDR-Oppsitionelle , unter ihnen den Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hubertus Knabe,mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik aus.” Punkt.
Nachdem ich vergeblich ca. 5 Minuten nach dieser Verkündung vor der Glotze in leichter Schockstarre verharrte (in der Hoffnung,daß hier schleunigst was korrigiert wird),kam mir die Erleuchtung.
Vielleicht wissen wir nicht alles aus dem Leben des Helden Knabe.Vielleicht war er in der DDR rührig am Werk,ohne das wir es ahnten.
Es gibt aber noch eine andere Erklärung:
Vielleicht ist es schwierig , dem ostzonalen Pöbel nahezubringen , dass ein Wessi was mit DDR-Opposition zu tun hat.Zumal “unser Held Knabe” auch nicht jedermann bekannt ist, aber auf diese Art dann bekannter wird (als “Ossi”).
Aber ob ihm das so paßt?Da fällt mir immer wieder sein sonntäglicher Auftritt im Frühjahr 2009 bei Tante Will ein.Demzufolge dürfte ihm das nicht passen, mit den Ost-Oppositionellen in ein “Töpfchen” geworfen zu werden.
Vielleicht gibts dazu noch Nachschlag in unseren Gazetten. Warten wirs mal ab!
Den Nachrichtentext, den der RBB verbreitet hat, habe ich auch im Radio gehört. Ich dachte erst, das muß ein Irrtum des Nachrichtensprechers sein. Aber dann fiel mir ein, daß die Rundfunksender ihre Meldungen von Agenturen beziehen und als Nachricht nur noch vorlesen, eventuell leicht gekürzt. Da reicht es dann, wenn eine Agentur Unsinn schreibt, um diesen Unsinn bundesweit zu verbreiten.
Und für diesen gequirlten Unsinn bezahle ich dann auch noch die allseits beliebte GEZ-Gebühr.
Würde man alles , was an politischem Schwachfug über die öffentlich-rechtlichen Sender im Zuge der November-”revolution” in den letzten Wochen so über uns schwappte,müßte man eigentlich für den November 2009 KEINE GEZ zahlen müssen…
Nicht zu vergessen, die DDR muß immer “ehemalig” sein.
Kein Regime der Welt, sei es das Römische Reich, irgendwelche Kaiserreiche oder auch Hitler-Deutschland bekommt dieses Prädikat mit dieser Konsequenz verpaßt!
Es macht ja auch in den meisten Fällen überhaupt keinen Sinn! Nero war nunmal nicht der Kaiser des ehemaligen Römischen Reiches. Schließlich GAB es das Reich während seiner Regentschaft. Er könnte also allenfalls der ehemalige Herrscher des Römischen Reiches sein. Das Adverb kann sich also höchstens auf die Person beziehen, nicht auf den Staat. Allerdings bliebe dann die Frage, warum man diese Eigenschaft so betont? Die einzige Erklärung wäre eine Abgrenzung zu AKTUELLEN Herrschern. Denn die Ehemaligen sind ja alle ehemalig.Ob sie nun früher oder später gelebt haben. Deshalb wird man im Bezug auf ein vergangenes Herrschaftssystem auch nie mit dieser Bezeichnung konfrontiert.
Nicht so, wenn es um die DDR geht. Da wird dann Honecker auch mal zum ehemaligen Staats- und Parteichef der ehemaligen DDR ernannt. Wozu eigentlich? Der Satz wäre auch dann vollkommen richtig, wenn gar kein “ehemals/ig” darin vorkäme. Daß die DDR nicht mehr ist, sollte bekannt sein. Verwechslungen mit einer aktuell bestehenden DDR sind damit also ausgeschlossen.
Auch DDR-Widerstandskämpfer müssen nicht als ehemalig abgestempelt werden. Oder hat man Angst, sie könnten auch ganz aktuell Widerstand leisten?
Vielleicht ist es ja das…?
Daran hat sich schon Bastian Sick die Zähne ausgebissen:
“Eine Aussage wie ‘In der ehemaligen DDR gab es keine Freiheit’ ist unsinnig, denn ‘ehemalig’ wurde die DDR erst durch ihre Auflösung. Es muss heißen ‘In der DDR gabe es keine Freiheit’. Wer von der ‘ehemaligen DDR’ spricht, meint damit das heutige Gebiet, das einst die DDR gewesen ist, und auf diesem ist das Nichtvorhandensein von Freiheit längst kein Thema mehr.”
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Folge 2, Seite 104
Ja, Sick ist nicht schlecht. Nur als Entertainer taugt er nicht so sehr viel. Er sollte beim Schreiben bleiben.
Und er hat völlig recht - was die Sprache und Grammatik anbelangt. Allerdings spart er die politische Komponente aus. Denn im Gegensatz zu vielen anderen groben Fehlern, die inzwischen drohen, zum Allgemeingut zu werden, und so über kurz oder lang über den Duden tatsächlich Gültigkeit erlangen könnten, ist der “Ehemaligen”-Quatsch ein rein politisches Phänomen und keines der allgemeinen Sprachverschluderung.
Wie schon gesagt: Nur die DDR ist so konsequent “ehemalig”. Und dafür gibt es Gründe, die jenseits der verkommenen Alltagssprache zu suchen sind.
;-)
Sick kann es sich ja nicht mit dem Spiegel verderben. Da verlöre er auf einen Schlag eine gewaltige Werbemaschine für sich. Also bleibt er weitgehend unpolitisch :)
Stimmt, fällt mir auch erst jetzt auf…eine ehemalige DDR setzt ja eine Gegenwärtige vorraus, insinnuiert also gewissermaßen den Fortbestand der Selbigen und die Andersartigkeit des Landes und der Leute da “Drüben”. Ich habs eben auf die Spitze getrieben,
mensch Leute, tut man sich mit solchen Überempfindlichkeiten wirklich einen Gefallen? Muss man manchmal nicht ein bisschen Größe zeigen und derlei Sachen einfach Ignorieren?
Die Überempfindlichkeit kommt sicher daher, daß sich solche Worthülsen ausschließlich auf die DDR beziehen. Wie Andreas schon schrieb, benutzt kein Mensch diesen Bullshit in Bezug auf das Römische Reich oder das Dritte Reich.
Wobei ich aber den Eindruck habe, daß zumindest die Heilige Nachrichtenmesse der ARD ihre Vorleser nicht mehr so oft von der Ehemaligen sprechen läßt. Das fällt dann sofort auf, wenn sie DDR ohne den Zusatz “ehemalige” sagen. Man kann sich ja mal bei der ARD beschweren, daß etwas fehlt :)
Um mal ein bischen Humor in die Sache zu bringen: die Worthülse “ehemalige DDR” ist vielleicht eine Art Trostpflaster und Ersatz für die Gänsefüßchen, in die “DDR” von gewissen, rechten und tonangebenden BRD-Medien bis weit in die 80er hinein gesetzt wurde.
Aus der “sogenannten” DDR wurde nach der Kehre die “ehemalige”. Nur ‘DDR’, das ist der Wessi nicht gewohnt, da fehlt ihm was. :-D
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