Die Deutsche Beatbox

Geschrieben von messitschbyburns am 17. November 2009 | Deutscher Irrsinn


Wenn Sie, liebe Leser, sentimentale Kameradschaftsabende mögen, mit Bier und Rauch und Haselnuß, dann laden Sie dieses volkstümliche Duo zu sich nach Hause ein:

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Freya Klier und Stephan Krawczyk reisen als Deutsche Beatbox durch die Feierstuben unserer Landsmannschaften. Am Montag rührten sie das Herz des Vertriebenenkindes Horst Köhler, eines inzwischen erwachsenen Mannes mit erfrischend schlichtem Gemüt, der sich die naive Freude am gemeinsamen Singen aus seiner Jugendzeit im Generalgouvernement bewahren konnte.

Die Deutsche Beatbox sang, und alle weinten:

Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!

Wenn Sie 5 Euro in den offenen Hosenschlitz der Deutschen Beatbox stecken, singt sie auch das Panzerlied. “Die Fahne hoch! Die Reihen dicht geschlossen!” kostet 10 Euro extra — wer würde hier wohl knausern?

Buchen Sie die Deutsche Beatbox noch heute. Das Deutschlandlied mit allen drei Strophen, gesungen unter der schwarz-rot-gold geschmückten Nordmann-Tanne — da werden Ihre Nachbarn staunen!

12 Kommentare ↓

#1 g. haase am 17.11.09 um 14:42

Und wie froh waren wir alle, als diese zwei Heulbojen im Westen verschwanden wie die untergehende Sonne! Ein ärgerliches Phänomen der deutschen Einheit ist das Wiederauftauchen diverser Untoter ( … wenn in der Hölle nicht genug Platz für sie ist, kehren sie zurück …).
Eberhard Cohrs war auch so einer. Wenngleich beileibe nicht so unangenehm und penetrant wie diese beiden. Deren Gewinsel und Gegreine ist in der Tat unerträglich. Die sind ja noch schlimmer als Gerhard Schöne - und der ist ja nun wirklich …

Grüße vom Haasen

#2 admin am 17.11.09 um 15:19

Krawczyk wurde mal in Pfarrer Eppelmanns Kirche vom Publikum ausgelacht, als er sich als ganz harter Oppositioneller inszenieren wollte, aber nur gequirlten Unsinn vortrug. Da gingen selbst seine Sympathisanten vor die Kirche, um eine zu rauchen, bis Krawczyk mit seiner “Bürgert mich endlich aus!”-Kasperei zu Ende war.

#3 Andreas am 17.11.09 um 20:03

Schwarz Rot Gold???
Nicht wirklich, oder? ;-)

#4 admin am 17.11.09 um 20:56

Nur bei dem, der Weihnachten das Lied der Deutschen singen will :)

#5 Andreas am 17.11.09 um 22:02

Ich meinte eher, daß die Liebhaber der ersten Strophe des Toitonenliedes (die zweite mag wohl keiner so richtig) eher in Schwarz Weiß Rot flaggen dürften. Auch wenn das historisch nicht ganz korrekt ist. Aber mit historischen Fakten nehmen die es ja ohnhin nicht sehr genau.

#6 admin am 17.11.09 um 22:56

Ja, das stimmt.

Ursprünglich schrieb der Tagesspiegel übrigens, Krawczyk hätte beide Strophen gesungen und wäre von einem Angestellten des Bundespräsidenten darauf aufmerksam gemacht worden, was er da singt.

Der Artikel ist aber gelöscht. Unter der gleichen URL ist jetzt nur noch Krawczyks Entschuldigung zu lesen. Außerdem war es nun Freya Klier, die ihn unterbrach. Auch im Archiv gibt’s den Artikel nicht mehr:

http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Horst-Koehler-Stephan-Krawczyk;art122,2951641

Aber das muß so sein. Das ist der qualitativ hochwertige und deshalb teure Onlinejournalismus, den Kanzlerin Merkel in Zukunft steuerlich entlasten will:

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,661813,00.html

#7 Andreas am 17.11.09 um 23:00

BEIDE Strophen? Wie soll das bitteschön gehen?

Wenn ich das Szenario richtig verstanden habe, ist doch dort ganz offiziell die Hümmne angestimmt worden. Die hat aber nur eine Strope und wird auch instrumental nie mit mehreren gespielt. Es sei denn, das Stück nennt sich “Kaiserquintett”.

#8 admin am 17.11.09 um 23:24

Krawczyk sollte auf Köhlers Bitte die Nationalhymne singen und hat treudoof mit der ersten Strophe des Deutschlandlieds begonnen. So stand es jedenfalls im Tagesspiegel. Wie lange es dauerte, bis sich jemand traute, den Gesang zu stoppen, weiß ich nicht.

#9 Andreas am 17.11.09 um 23:54

Also eine versammelte Truppe von (aus Sicht der heutigen Machthaber) ehrungswürdigen DDR-Widerstandskämpfern plus unser Bundeshotte braucht bis zur Stelle “Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang…”, um zu merken, daß mit dieser Hymne irgendwas nicht hinhaut?

Das läßt tief blicken…

#10 admin am 18.11.09 um 01:36

Ja, so ungefähr. Da wird wohl keiner gewußt haben, wie in einem solchen Fall bei Hof die Etikette ist. Überspielt man die Peinlichkeit, schreitet man ein, muß man auf Köhlers Zeichen warten, wer darf wann was sagen?

#11 Andreas am 18.11.09 um 11:31

Daß das Ganze satirisch gemeint war, kann man wohl ausschließen?

Ich meine, bei einem so hochoffiziellen Anlaß hätte ich auch nicht übel Lust, die erste Strophe zu grölen, wenn schon de Nassenaalhümmne gegrölt werden muß. Ist ja schließlich nicht meine Schuld, wenn dieses Ding immer noch Verwendung findet.

Ist ja außerdem ein Treppenwitz der Geschichte. BEIDE deutschen Staaten schämen sich ihrer Hymnentexte und tabuisieren sie. Die BRD streicht die ersten zwei Strophen, die DDR den ganzen Text. Konsequent ist das nicht. Statt zu sagen: Das ist nicht zeigemäß und damit einer Hymne unwürdig, wir machen eine neue und laden alle Künstler zu einem Wettbewerb ein - behält man das ungeliebte Ding. Bloß keine öffentliche Diskussion über Inhalte!

Wobei die Gründe sicher in beiden Fällen verschieden waren. In der BRD behielt man das alte Stück, um es irgendwann, wenn Gras über diese dumme Sache gewachsen ist, oder das Großdeutschentum wieder erlaubt ist, einfach wieder 1-3 singen zu können. In der DDR störte man sich einfach an der Liedzeile “Deutschland, einig Vaterland”. Dabei war das ja durchaus mal Programm.

Ich kenne übrigens jemanden der (bzw. die) in den 60er Jahren in die DDR übersiedelte, weil sie den Text der Hymne so mochte und ihn als staatliche Verpflichtung der DDR begriff! Das ist kein Witz! Allerdings meinte sie eine andere Textstelle: “..daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint”…

#12 admin am 18.11.09 um 11:41

Satire ist Krawczyk fremd. Wie ich ihn einschätze, wollte er provozieren. Krawczyk ist ja niemand, den man als Linken bezeichnen würde. Der singt das Deutschlandlied ganz bestimmt nicht gegen seine Überzeugung.

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