Am 16. November suhlten sich die Spiegel-Autoren Stefan Berg und Markus Deggerich in einer angeblichen Lovestory:
“Lafontaine und Wagenknecht, so heißt es, seien sich in der Vergangenheit nicht nur inhaltlich nahegekommen. Von einer Affäre ist die Rede, von einer Beziehung mit konkreten Folgen für die Politik.”
Angenommen, dem wäre so: Wen ginge es etwas an? Wer recherchierte und publizierte jemals, ob Helmut Kohl und seine ewige Büroleiterin mehr als ein Arbeitsrechtsverhältnis verband?
Niemand, denn:
“Es ist eine Geschichte, in der es um die Privatsphäre von drei Politikern geht, und die ist normalerweise für die Öffentlichkeit tabu.”
Das gilt für jeden Politiker. Berg und Deggerich schrieben diesen Satz über Oskar Lafontaine, seine Ehefrau Christa Müller und Sahra Wagenknecht — fügten aber scheinheilig hinzu:
“Doch in diesem Fall muss sie erzählt werden, weil hier das Private höchst politische Folgen hat.”
Was Berg und Deggerich als höchst politische Folgen zum Skandal aufblasen, hat seine Ursachen in Lafontaines allmählichen Rückzug aus dem Politikerleben. Er tritt nicht mehr zur Wahl als Fraktionschef der Linken im Bundestag an.
Als sich Franz Müntefering um seine kranke Frau kümmerte, flocht ihm der Spiegel Kränze. Dem 66jährige Lafontaine dagegen gönnt man keine Pause. Tritt er kürzer, ist es Verrat, Wählerbetrug oder Flucht vor der Verantwortung.
Einen Tag später mußte sich der Spiegel-Verlag, der sich sonst seiner exzellenten Quellen brüstet, korrigieren:
Oskar Lafontaine ist an Krebs erkrankt.
Den wesentlich knapperen Artikel über Lafontaines Erkrankung und seine bevorstehende Operation bebilderte SPON mit einem so düsteren Foto, daß er einem schwach kaschierten Nachruf zu Lebzeiten gleichkommt. Die Botschaft ist klar: Lafontaine soll als abgemeldet gelten, ein körperliches Wrack, politisch am Ende — Lafontaine als Metapher für die Linkspartei. Es wird nicht lange dauern, bis die ersten Kommentatoren die Krebserkrankung Lafontaines auf den Zustand seiner Partei übertragen.
Und SPON tritt übel nach. Auf das von SPON gestreute Gerücht, der promiskuitive Lafo wolle sich wegen der Liebschaft zu einer 26 Jahre jüngeren Buhle vom Acker machen, wird in jedem neuen Artikel hingewiesen (hier und hier), mit farbig unterlegtem Direktlink zum publizistischen Dunghaufen von Deggerich und Berg.
Allein, um diesen beiden Speerspitzen des deutschen Gossenjournalismus zu zeigen, wer zuletzt lacht, sollte man Lafontaine eine erfolgreiche Operation wünschen. Und wenn er anschließend Kraft für eine flotte Dreierbeziehung hat, ist und bleibt es sein Vergnügen. Uns kann das völlig egal sein.
3 Kommentare ↓
Das ist wirklich unterste Schublade.
Ich habs heute aus der “Märkischen Allgemeinen”,daß Lafontaine an Krebs erkrankt ist, und sich deshalb aus dem politischen Leben (vorläufig) zurückzieht.
Auf diesem Wege gute Besserung an ihn.
————————————————–
Vom “Spiegel” habe ich mal eine Menge gehalten,aber daß diese herren “Journalisten”,die für den Spiegel schreiben,sich auf das Wagnersche “Bild”-Niveau herablassen, ist das Allerletzte.
Aber wenns gegen links geht , dann sind in diesem Lande alle Mittel heilig.
Pfui Deibel!
In der Nachbearbeitung des redaktionellen Teil nutzt SPON übrigens auch noch seine angebliche Spaß-Ecke “SPAM” um das Thema endgültig auszulatschen, und versucht dabei auch gleich noch zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.:
http://www.spiegel.de/img/0,1020,1982616,00.jpg
So ein bischen Hetze gegen Gysi kommt halt immer gut. Und wenn Lafontaine in Zukunft als Haßobjekt keine Projektionsfläche mehr bieten sollte (zB. indem er sich für Monate ins Private zurückzieht, um sich auszukurieren), braucht man ja neue, altebekannte Feindbilder.
Einfach nur noch zum Kotzen. In dem Stil führt sich ja nicht mal BILD auf…
Mich würde mal die Zugriffsstatistik von SPAM interessieren. Ich kann mir nicht vorstellen, daß dieser unlustige Schmarrn oft angeklickt wird, aber vielleicht ist gerade dieser Teil bei der Leserschaft sehr beliebt. Die Psychologie des durchschnittlichen SPON-Lesers muß ja nicht mit meiner übereinstimmen :)
Mein Kommentar: