Ilya E. Monosov
“Seven Lucky Plays, Or How To Fix Songs For A Broken Heart”
(p) 2008, Language Of Stone/Drag City

Können diese Augen lügen? Wenn nicht, dann möchten sie uns folgendes erzählen: Ilya E. Monosov ist Exilrusse, lebt in den USA und nennt sich selbst Multiartist.
An dieser Stelle schaltet man normalerweise ab. Eine nette Legende ist schnell gestrickt, und musizierende Exilrussen stehen jede Woche auf dem Alexanderplatz. Die CD mit dem verquasten Namen ist auch keine Sensation, sondern lediglich eine Sammlung von 10 Songs, die Monosov zwischen 2002 und 2007 schrieb.
Monosov komponiert minimalistische Lieder, zu denen er manchmal singt, häufiger aber ein sprechsingendes Raunen pflegt, wie man es von Leonard Cohen oder Chris Rea kennt. Dabei begleitet er sich selbst auf der Gitarre; seine Freunde unterstützen ihn u.a. mit Cello, Mandoline, Harfe und E-Piano. Man zupft russophile Folklore, knarzt auf dem Cello wie eine Hörspieltür und schlägt sehr gern den immer gleichen Ton auf der Gitarrensaite an. Und die Spieluhr spielt dazu.
Das klingt nach Eigentherapie im Singkreis, und möglicherweise ist es das auch. Die Songs sind trotzdem zu etwas nütze. Man kann mit ihnen Besucher jeder Art unaufdringlich beschallen oder bei Kerzenlicht und rotem Wein der Liebsten tief in die Augen schauen. Nach 34 Minuten hat Monosov ausgeraunt. Wenn der BH bis dahin noch nicht geöffnet sein sollte, einfach auf Replay drücken. Die Musik ist absolut unauffällig; daß sie sich wiederholt, merkt man erst viel später.
Einige Stücke Monosovs ähneln verblüffend denen von Devendra Banhart. Mal sehen, wie lange es dauert, bis sich jemand findet, der Ilya E. Monosov zur nächsten großen Hoffnung des New Folk ausruft. An diesem Tag darf ganz laut gelacht werden.
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