KYPCK
“Cherno”
(p) 2008, Century Media Records

Zwar schon 2008 erschienen, aber erst 2009 bei unserem Plattenhändler einsortiert und deshalb auf unserer Liste der Flops der Frühjahrs-, Sommer- und Herbstsaison 2009 souverän auf den Plätzen 9-10: KYPCK.
Der russischkundige Teil unserer Leser wird sofort registriert haben: Ah, kyrillisch! KYPCK bedeutet schlicht Kursk und ist der Name jener russischen Stadt, an deren Bogen die deutsche Wehrmacht im Sommer 1943 die letzte Großoffensive auf dem Territorium der Sowjetunion begann. Von da an ging’s bergab (mit der Wehrmacht).
Ein paar Jahre zuvor bekriegten sich Finnland und die UdSSR. Seither mögen sich Finnen und Russen so innig wie Türken und Griechen, Bayern und Franken oder Schwaben und Berliner. Was läge also für eine finnische Metal-Band näher, als sich nach dem Ort der größten Panzerschlacht in der Geschichte der Menschheit zu benennen, der auf dem Boden des geliebten Nachbarn stattfand, und dabei konsequent russisch zu singen?
KYPCK bezeichnen ihre Musik als “Fast Russian Doom Metal from Finland”. Sehr frei übersetzt: “Metal aus Finnland, der fast russischer Doom ist” (’tschuldigung, das mußte sein).
Wir nennen es finnischen Stumpfmetal. Mehr dumm als Doom.
Schleppende Riffs zu kehlig-bösem Gesang über alles Schlechte dieser Welt — das gibt’s seit der Erfindung des Hard Rock. Jaulend hochgezogene Gitarren und hämmernde Marschrhythmen, die irgend eine Bedrohung simulieren sollen, ebenfalls. Nur die Themenwahl ist notgedrungen russifiziert: 1917, Stalingrad, Rozhdestvo v Murmanske (Weihnacht in Murmansk) oder Odin den iz zhizni Yegora Kuznetsova (Ein Tag im Leben von Jegor Kuznetsow).
Erkki Seppänen (voc), Sami Lopakka (g), J. T. Ylä-Rautio (b) und Kai Hiilesmaa (dr) verweisen als Reputation gern auf Sentenced, die frühere Band von Lopakka. Das ist putzig, weil Sentenced in den Jahren vor ihrer Auflösung (2005) einen käsigen Melodic-Brei für Hobbygrufties und Grabsteinküsser spielten.
Bei KYPCK ist Lopakka aber wirklich böse. Deshalb ließ er sein Instrument vom finnischen Gitarrenbauer Amfisound in Form einer Kalaschnikow bauen:

Sich eine Doom-Band zu nennen, gleichzeitig eine lächerliche Kalaschnikow-Gitarre zu spielen und sich dann auch noch auf den Schnullergothic von Sentenced zu berufen, bestärkt unsere Vermutung, daß der häufige nächtliche Aufenthalt auf Friedhöfen dem eigenen Gehirn eher abträglich ist.
Warum KYPCK unbedingt russisch singen müssen, wissen sie wohl selbst nicht. Eine Marktlücke für russischsprachigen Uffta-Rock dürfte es nur in Russland geben. Wir wollten wissen, ob Seppänen wirklich russisch singt, und spielten die endböse Musik gebürtigen Russen vor. Die Antwort war schepperndes Gelächter: “Dieser Typ singt russisch so perfekt wie euer Dieter Bohlen englisch.” Also Cheri Cheri Lady, nur langsamer.
2008 versprach sich Century Media Records ein Geschäft mit dieser Musik. Inzwischen haben sie KYPCK wieder aussortiert. Auf www.centurymedia.com gibt’s keine Infos mehr zu diesen Künstlern, sie sind zur Zeit labellos. Das hätten wir nun wirklich nicht vermutet.

So stellen sich Finnen vor, wie Russen aussehen:
Böse Männer in knittrigen Mänteln mit zu kurzen Ärmeln.
Nur der Chefkoch trägt ‘ne Mütze.
2 Kommentare ↓
Ich glaube ja eher, daß das “KYPCK” eher an das gesunkene U-Boot erinnern soll (eine Niederlage für Rußland) als an die Panzerschlacht (die ja ein Sieg für Rußland war). Nicht ALLES hat einen Bezug zum 2. WK, die Jungs sehen ja auch gar nicht sooo alt aus (optisch jetzt, musikalisch ja offenbar schon …).
Unversenkbare Grüße aus Leipzig
Mit dem U-Boot hat das nichts zu tun, mit dem 2. Weltkrieg nur bedingt. Die Band suchte einen kurzen, maskulin klingenden Namen (jedenfalls sagen sie das in Interviews). So ähnlich, wie Prominente ihre Kinder Paris oder Lourdes nennen.
Die einleitenden Sätze über das historische Kursk waren mehr für Leser gedacht, denen die Stadt nichts sagt.
Die Bühnenmaskerade um den Namen herum ist dann allerdings doch wieder eine Mischung aus Oktoberrevolution und 2. Weltkrieg. Sie treten ja in historischen Uniformmänteln (mit Jeans drunter), T-Shirts mit rotem Stern und dieser Kalaschnikow auf.
Mein Kommentar: