Da hat sich die taz aber gewaltig verrechnet: Die eigenen Leser revoltieren gegen das Blatt.
Im Schatten von SPON veröffentlichte die taz am 16. November eine Schmähschrift über Oskar Lafontaine und dessen angebliches Liebchen Sahra Wagenknecht.
Noch übler als der SPON-Artikel, noch gehässiger als die ohnehin gehässigen Pamphlete der taz über Lafontaine und Partei Die Linke. Geschrieben von Simone Schmollack, einer zur Grünen-Lobbyistin gewendeten Altlast der Jungen Welt.
Schmollack weidet sich an der Vorstellung, die Liebesgerüchte würden von der Linken gestreut und schlügen nun auf die Partei zurück:
“Der [politische Skandal] soll von der Linken selber kommen. Es heißt, Dietmar Bartsch soll an Lafontaines Stelle rutschen wollen. Bartsch selbst dementiert das gegenüber der taz: ‘Ich will Bundesgeschäftsführer bleiben.’
Ja, was soll ein Stratege wie er auch anderes sagen? Etwa so etwas wie: Die Causae Lafontaine und Wagenknecht beschäftigen uns schon länger, und das nicht erst seit Monaten und das vor allem politisch. Beide schlagen immer wieder quer, das nervt! […]
Mit einer Affäre könnte jetzt die Chance gekommen sein, beide Störenfriede mit einem Schlag loszuwerden.”
Erste Reaktion: Über 100 Leserkommentare, die meisten davon entsetzt und angewidert vom boulevardesken Niedergang der taz. Und viel mehr angedrohte Abo-Kündigungen als sonst.
Tags darauf sprach Lafontaine über seine Erkrankung. Die taz stand dumm da und reagierte mit einer kommentarlosen Meldung der Nachrichtenagentur AP:
“Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine geht nach Spekulationen in die Offensive: Er teilte mit, an Krebs erkrankt zu sein. Auch zu Berichten über eine angebliche Affäre äußerte er sich […] Hintergrund ist ein Spiegel-Bericht vom Wochenende. Das Hamburger Nachrichtenmagazin hatte behauptet, Lafontaines Rückzug habe private Gründe.”
Kein ergänzendes Wort zum eigenen Urinstrahl aufs Haupt von Lafontaine. Der Spiegel ist schuld, sonst niemand.
Wieder erzürnte Kommentare, in denen hartnäckig die Frage gestellt wurde, für wie blöd die Redaktion die eigenen Leser hält: Hat die taz ihre eigene Lafo & Sahra in Love-Story vergessen?
Noch einen Tag später: die Krönung vons janze. Die taz beauftragt einen Lohnschreiber, die unappetitliche Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Stefan Reinecke, ein wirklich mediokrer Geselle, nimmt den Job an und erfüllt die Erwartungen seiner Auftraggeber:
“Eine richtige Geschichte, die die Agenturen meldeten und die Provinzzeitungen druckten, wurde erst daraus, als sie der Spiegel am Montag groß herausbrachte […] Es ist unvorstellbar, dass der Spiegel so rüde die Privatsphäre eines ihm politisch genehmen Politikers ignorieren würde […] Lafontaine ist krebskrank, dies scheint der Schlüssel für seine halbe, zögerliche Rückkehr nach Saarbrücken zu sein. Für den Spiegel ist dies eine doppelte Blamage.”
Welche Provinzzeitungen? Meint er die taz? Will er sich im Namen der taz für die haßerfüllte Schmollack-Schmiere “Lafo und Sahra — Da geht doch was!” entschuldigen? Nein, über die taz kein Wort. Nur der Spiegel sei blamiert, und zwar doppelt. Die taz dagegen hat sich nie an Spekulationen über Oskar und Sahra beteiligt. Klappe zu, Affe tot.
Die Leserproteste (zum dritten Mal in Folge) werden veröffentlicht, man möchte ja kein Zensor sein. Ansonsten schweigt die Redaktion zum eigenen Eklat.
Reinecke hat seine Schuldigkeit getan, er kann das Honorar in Rechnung stellen. Die taz — besonders ihre neue Chefredakteurin Ines Pohl, die den Wandel der taz zum pseudopolitischen Boulevardblatt forciert, weil nur die verkaufte Auflage zählt — wird mit ihm zufrieden sein.
Für die taz sind ohnehin andere Dinge wichtiger. Ein 16 Meter hoher Pimmel z.B., montiert an der Fassade des taz-Gebäudes, als Fortsetzung des publicityträchtigen Schäkerns mit Kai Diekmann. Oder das narzistische Sandförmchenwerfen in Richtung Jack Wolfskin, weil die taz 1979 zu dämlich war, ihre Tatze als Marke anzumelden, was Jack Wolfskin 1982 entdeckte. Die taz ward ihre Tatze los und schmollt seit 17 Jahren.
Bild-Chef Diekmann ist übrigens wohl gelittener Genossenschafter der tageszeitung. Pecunia non olet.

Der Pimmelträger sieht Kai Diekmann sehr ähnlich.
Der echte Diekmann ist vom Relief begeistert:
“Der Penisstreit von 2002 scheint für die ‘taz’ allmählich
zum Gründungsmythos zu werden – was ich mit Freuden sehe,
weil es die Boulevardisierung der ‘taz’ weiter vorantreibt.”
5 Kommentare ↓
[…] Simone Schmollack von der „taz“, Lafontaine, Ramelow und mehr In einem Artikel für die „taz“ fabulierte Simone Schmollack, Mitarbeiterin der Heinrich-Böll-Stiftung (BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN), über Oskar Lafontaines angebliches Verhältnis mit Sahra Wagenknecht. Seit klar wurde, dass Lafontaine sich wegen einer Krebs-Erkrankung temporär zurückgezogen hat, schweigt die „taz“. Ausführlich beleuchtet wird diese unschöne Geschichte von „Der Spiegelfechter“ (steht der Partei „Die Linke“ nahe) und von „Messitsch by Burns“. […]
“Spiegelfechter” steht der Partei “Die Linke” nah?
Du kannst die Artikel, vor allem aber die Kommentare von Jens Berger in den anschließenden Diskussionen nicht oft gelesen haben. Berger ist ein Verfechter des “guten Kapitalismus” mit erkennbarem BWL/VWL-Background.
Der würde in der aktuellen SPD vielleicht noch gerade so als “links” durchgehen. Aber mehr auch nicht.
Das war mir auch neu. Vielleicht sieht das rotstehtunsgut anders :)
Oh, oh,oh, wo bin ich denn hier hingeraten! Rein zufällig
lese ich die Kommentare der einzelnen Zeitungen zu
diesem Thema. Ich vermisse Anteilname und Achtung
den entsprechenden Personen gegenüber. Ist es nicht
vielmehr so, dass sich das politische Berlin samt seiner Zeitungen diebisch darüber freut, dass Menschen, Menschen sind, mit all ihren Fehlern und Schwächen, die
es gilt zu beschädigen, um somit der Arbeit der Linken zu schaden?? Max
Eigentlich wollte ich der taz einen empörten Leserbrief schreiben und habe überlegt, wie eine Kritik zwischen den Zeilen ausgedrückt werden kann. Warum? Ich muss bei der taz auf der schwarzen Liste stehen. Ich habe versucht, drei unterschiedliche Kommentare zu diesem Schmuddelkommentar einzubringen. Zwei sind davon erst gar nicht veröffentlicht worden, einer wurde wieder herausgenommen. Kritik kann sie offensichtlich nicht vertragen und eine Selbstkritik ist dann auch leider nicht zu erwarten.
Nachdem ich diesen Beitrag gelesen habe, schwindet meine Absicht, der taz zu schreiben. Darin ist alles gesagt.
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