The Devil’s Blood
“The Time Of No Time Evermore”
(p) 2009, Ván Records

In der Liste der Flops der Frühjahrs-, Sommer- und Herbstsaison 2009 souverän auf den Plätzen 5-6: The Devil’s Blood.
Beim Augenlicht unserer Lieblinge Bigelf: Wir sind Retrorock, Postrock oder sonstigen Wiederbelebungen populärer Musik versunkener Dekaden gewiß nicht abgeneigt. Aber alles hat seine Grenzen.
Die holländischen Geschwister Selim und Farida Lemouchi pflegen in ihrer Band The Devil’s Blood angeblich einen satanischen Kult. Als gehorsame Sataniker ist es ihnen Pflicht und Freude, sich vor jeder Show mit einem ordentlichen Schwapp aufgetauten Schweinebluts zu übergießen (das unter der Hitze der Scheinwerfer wie Toter Igel in der Mittagssonne riechen dürfte, was die Schweineblutstory nicht gerade glaubhaft macht).
Solche Macken kennt man, und wer sonst nichts zu lachen hat, der soll sich eben mit Schweineblut bestreichen. Wenn’s die Musik beflügelt, warum nicht.
Doch The Devil’s Blood bleiben unbeflügelt. Käsig und breiig schleppt sich Song auf Song. Gefälliges Allerweltsgemucke fürs Springfielder Altenheim. Da wackeln nur noch Grampa, Jasper und Hans Moleman mit den Köpfen. Alle anderen fliehen, so weit sie können.
Satanisch ist hier nichts. Auch Florian Silbereisen könnte seiner gerontologischen Klatschmasse The Devil’s Blood präsentieren: “Meine Damen und Herren, ein ganz herzlicher Applaus für des Teufels volkstümliche Musikanten!”
Bis auf den letzten Song The Anti-Kosmik Magick (der dafür — vielleicht zur Entschädigung — 11:11 Minuten lang ist) quillt eine scheinbar endlose, quälend verschnarchte 70er-Jahre-Pampe aus den Boxen. Wie im Märchen Der süße Brei kämpft man sich durch dieses fade Geleier, mit festgetackerten Augenlidern gegen das vorzeitige Einschlafen. Denn bei allem, was Satan heilig ist: Jede Kirmes-, Cover- oder Revival-Band ist witziger, inspirierter und technisch versierter als dieses okkulte Geschepper für sturzbesoffene Dorfdeppen.
Mit drei Gitarren soll an die legendären Gitarrenläufe großer Bands erinnert werden. Ach ja. Thin Lizzy und Uriah Heep, die offensichtlichsten Ideenspender von The Devil’s Blood, kamen mit weniger Manpower aus. Drei Gitarren sind eher im Southernrock üblich, wo die Gitarristen wegen zu dicker Eier die Oberschenkel nicht schließen können. Für den seichten Kastratenpop von The Devil’s Blood würde eine Gitarre genügen.
Farida Lemouchis Stimmumfang ist extrem beschränkt. Sie müht sich rührend um ein Uriah-Heep-Vibrato, das aber klingt, als hätte sich ein schwuler David Byron im post-pubertären Stimmbruch verfangen. Es schmachtet und haucht wie bei Céline Dion — und genau so schwanzlos (pardon, liebe Feministinnen, wir reden hier über 70er-Jahre-Cockrock) ist die Musik.
Damals, als Uriah Heep groß und bedeutend waren, gab es tausende Trittbrettfahrer; im besten Fall One Hit Wonder, deren einer Hit heute auf den üblichen Party-Samplern verramscht wird. Hier knüpfen The Devil’s Blood an. Sie sind Trittbrettfahrer der Retrowelle. Mit viel Glück landen sie in zehn Jahren auf “Fetenhits Vol. XXXV” und touren mit Suzy Quatro und Karat. Wir drücken die Daumen.

Singen mit offener Wunde.
Ach nein, ist nur Schweineblut.
2 Kommentare ↓
Sich mit Schweineblut zu übergießen muss halt sein, wenn eine Band auf der Bühne nicht musikalisch überzeugen kann. Das Bild von Farida sagt eigentlich schon alles ;)
Der größte Quatsch, den ich je gelesen habe.
“The Time Of No Time Evermore” ist jetzt schon ein Klassiker, eine zeitlose Platte.
Und die Show sollte man einfach nur auf sich wirken lassen.
Auf jeden Fall ein einmaliger Abend, den ich im Turock in Essen erlebt habe.
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