Prefab Sprout
“Let’s Change The World With Music”
(p) 2009, Sony BMG

In der Liste der Flops der Frühjahrs-, Sommer- und Herbstsaison 2009 souverän auf Platz 7: Prefab Sprout.
Angeblich ist das schultergepolsterte Damensakko wieder en vogue. Sollte das der Wahrheit entsprechen, dann hätte Sony BMG den Soundtrack zur ästhetische Zumutung veröffentlicht: Prefab Sprout sind 20 Jahre zu spät.
Dabei ist es völlig egal, welchen Stellenwert Prefab Sprout in den 80er Jahren besaßen. Es ist egal, ob sie damals in einer Liga mit The Style Council und The Human League spielten. Es ist egal, welche Schicksalsschläge die Band und ihr letztes Mitglied Paddy McAloon erleiden mußten. Und es ist ebenfalls egal, daß die Plattenfirma 1992 entschied, diese Songs wegen möglicher kommerzieller Erfolglosigkeit nicht zu veröffentlichen.
Man muß das so deutlich sagen, weil die späte Heldenverehrung für Paddy McAloon grotesk anmutet. Let’s Change The World With Music ist keine glückliche Wiederentdeckung eines verschollenen, lange gesuchten Albums. Prefab Sprout spielen den Stutzersynthpop der 80er Jahre, als gegelte junge Männer mit eckigen Haartollen, vereistem Blick und Hängekeyboards vor dem Bauch im Ausfallschritt über die Bühnen hopsten. Und als Extrabestrafung zur 80er-Folter lud Paddy McAloon sein Album mit jungenhaft gewisperten religiösen Selbstverzückungen eines christlichen Schulterpolsterträgers auf: Glaube, und alles wird gut.
Das ist Musik von gestern. Langatmig, pastoral, klebrig und kühl.
Es ginge auch anders. 1988 entschlossen sich die Synthpopper und Prefab-Sprout-Kollegen Talk Talk, ihren Sound so grenzenlos zu erweitern, daß sie am Ende von ihrer eigenen Musik verschlungen wurden. Wären sie beim Synthpop geblieben, dann würden sie 1992 wohl ähnlich geklungen haben wie Prefab Sprout. Was für ein grauenvoller Gedanke. Und wie tröstlich, daß Talk Talk mit ihren Platten Spirit Of Eden und Laughing Stock und der Solo-CD Mark Hollis zeitlos bleiben werden.
Let’s Change The World With Music dagegen ist eine Warnung: So furchtbar war der Synthpop des vergangenen Jahrhunderts.

Paddy McAloon 2009
3 Kommentare ↓
“Talk Talk… am Ende von ihrer eigenen Musik verschlungen”
ein wunderbares bild!!! :)
Dafür gibt’s eine reale Vorlage:
Ich habe der Liebsten mal alle Talk Talk-CDs nacheinander vorgespielt. Zuerst “The Party’s Over” und “It’s My Life” mit den Hits aus der Schuldisco, die kennt man ja, aber ab “Spirit of Eden” wurde ihre Gesichtsfarbe aschfahl, und bei “Mark Hollis” war Schluß, da ging nichts mehr. Da lag sie wie ein bleiches Bündel auf dem Sofa, und ich dachte, gleich ist sie weg, gleich löst sie sich in der Musik auf. Da habe ich lieber abgebrochen :)
hahahaha! sehr gut! :)
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