Gossip
“Music For Men”
(p) 2009, Columbia/Sony BMG

In der Liste der Flops der Frühjahrs-, Sommer- und Herbstsaison 2009 souverän auf Platz 3: Gossip.
Beth Ditto ist klein, dick und laut und lesbisch. Diese Kombination macht sie zum Star. Musik wird hier zur Nebensache.
Die Sängerin von Gossip wiegt 110 kg, bei einer Körpergröße von 1,57 Metern. Das ergibt einen Body Mass Index von 44. Für ihr Alter (28) wäre 20 bis 25 normal; ab 40 beginnt die Fettsucht dritten Grades.
Macht aber nichts. Beth Ditto inszeniert sich als lebenslustiger Mops. Über den Spruch “Zög’ ich Arm’ und Beine ein, könnt’ ich eine Kugel sein” würde sie vermutlich lachen. Sie propagiert den “Fat Pride”, entblößt sich auf der Bühne und zeigt, was sie hat. Sie sagt, sie sei mit ihrer Figur glücklich.
Zumindest bis gestern. Zwar stript sie noch immer auf der Bühne, hat aber inzwischen gestanden, unter Depressionen zu leiden und abnehmen zu wollen, vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Ihr Körper kann das Gewicht nicht dauerhaft schleppen. Soviel zu “Fat Pride”.
Zum Trio Gossip gehören neben Beth Ditto noch Brace Paine (g, b) und Hannah Blilie (dr, das Gesicht auf dem Cover). Beide Frauen wissen, daß sie in Dittos Schatten stehen. Dagegen sind sie machtlos, denn die Fokussierung der Medien auf die dicke Frontfrau ist unumkehrbar.
Beth Ditto wird herumgereicht wie die lebenden Neger in Hagenbecks Völkerschau 1876. Der Konzertbesucher glotzt auf ihre Fettleibigkeit, hofft insgeheim, daß sich dieses Ding entblößt, erstarrt vor den autoreifendicken Hüftkreisen, schüttelt sich erschrocken und kann doch den Blick nicht abwenden. So was sieht er nicht alle Tage. Für die Zukunft, denkt er, wäre ein handtellergroßer Ring in Dittos Nase nett, oder ein Schaschlikspieß durch ihre Wangen.
Daß Beth Ditto für das selbstbestimmte Leben der Lesben und Schwulen kämpft und sich gleichzeitig wie ein Nacktmull ausstellen läßt, ist ein Widerspruch, mit dem sie leben muß. Gehen wir davon aus, daß sie klug genug ist, ihre Halbwertszeit zu kennen und optimal zu nutzen. Die Sensationsgier von Presse und Publikum wird nicht endlos sein. Dann muß der nächste Neger durchs Medienzelt geführt werden.
Angenommen, Beth Ditto wäre eine unscheinbare, kleine, dünne, heterosexuelle Frau — kein Hahn würde nach ihr krähen. Denn die Musik allein trägt ihre Popularität nicht. Gossip spielen den gleichen Retromatsch aus Synthpop, Disco und New Wave wie CSS. Die wurden vor einem Jahr zum next big thing erklärt. Erinnern Sie sich noch?
Gleich im ersten Song stoßen Gossip das Tor zur Hölle auf. In Dimestore Diamond leihen sie sich den Rhythmus von New York Groove, dem 1975er Hit der Glamrocker Hello. Der nächste Titel Heavy Cross ist ein schamloses Remake ihres eigenen — bisher größten — Erfolgs Standing In The Way Of Control vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2006. Dann folgen neun weitere Postpunk-, Synth- und Plastikpop-Retortenstückchen. 80er-Jahre-Wegwerfmusik, mit Herzschlag-Baß, Funky Guitar und Electronic Handclap. Phillysound plus Wave plus Blondie, und für die Credibility ein paar schroffe Riffs. Aber nicht zu derb, man will ja niemand erschrecken.
Wenn Beth Ditto (deren Stimme wirklich beeindruckend sein kann) nicht schreit, klingt sie wie Debbie Harry oder Pat Benatar. Wir schreiben zwar nicht mehr 1981 oder 1983, tun aber so, als ob.
Rick Rubin hat die Platte produziert. Das wird oft und gern erwähnt, als kleiner Ritterschlag und großes Verkaufsargument. Möglicherweise wäre Music For Men ohne Rubins Hilfe noch eindimensionaler geworden. Allerdings ist Rick Rubin nicht nur das Genie, das Johnny Cash neues Leben einhauchte. Rubin produzierte auch Shakira, Linkin Park und Jacob Dylan. Sein musikalischer Geschmack ist wohl ambivalent, denn daß sich Rick Rubin mieten ließe, glauben wir nicht.
Karl Lagerfeld nannte Beth Ditto seine neue Muse. Der Mann hat sicher einen speziellen Humor. Auf seinen Laufsteg dürfen trotzdem nur die spindeldürren Hungerhaken. Wenn’s ums ganz große Geschäft geht, muß Beth Ditto draußen bleiben.

Beth Ditto
1 Kommentar ↓
einfach ekelhaft!
zum kotzen!
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