Der Avon-Berater für Haßpolemik gegen Links, Frank Jansen, kennt weder Rast noch Ruh. Im Tagesspiegel schürt er unermüdlich sein Feuerchen, um die Leser zu erschrecken und nach Herzenslust gegen Links anzustacheln. Brennt in Berlin ein Auto, weiß Jansen sofort Bescheid: Linksextreme! Segeln auf einer Demo Gegenstände durch die Luft: Linksextreme! (und nicht etwa Bundespolizisten in Zivil). Fällt in China ein Fahrrad um: Linksextreme!
Das kennt man von Jansen. Mit seinen abstrusen antilinken Verschwörungstheorien besetzt er in Berlin jenen Platz, den im Mittelalter der Dorfblöde ausfüllte, der verdreckt und verkrustet am Anger stand, um mit rudernden Armen und rollenden Augen die baldige Ankunft Satans zu verkünden.
Am 1. Dezember 2009 jedoch unterbot Jansen seine legendäre Beschränktheit. Dieses Datum wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem sich Jansen unsterblich lächerlich machte.
Unter der reißerischen Überschrift Nahkampf und linke Agitation im Zeltlager glaubte Jansen, ein höchst konspiratives Trainingscamp für gewaltbereiten Linksextreme enttarnt zu haben.
Ein paar Zeilen aus Jansens atemberaubender Investigativrecherche:
“Das, was sich im Sommer in Hessen abgespielt hat, war selbst für lang gediente Fachleute eine Überraschung.
In einem Wald- und Wiesengelände im Vogelsbergkreis, nahe der Kleinstadt Homberg (Ohm), versammelten sich vom 19. bis zum 23. August etwa 100 hessische Autonome – ein Viertel der gewaltbereiten Linksextremisten in Hessen. Harter Kern waren Frankfurter Autonome. Die Männer und Frauen errichteten auf dem Areal, das einer Pfadfindergruppe gehört, ein Zeltlager und schirmten es mit großen Planen ab. Patrouillen waren unterwegs, um das Lager vor Polizei und Neonazis zu sichern […] Im Camp ging es zur Sache, in Theorie und handfester Praxis.
Mit Tonfas und anderen Schlagstöcken wurde Nahkampf geübt. Die Autonomen wandten Angriffs- und Verteidigungstechniken an, gegen die Judo nahezu kindlich wirkt […]
Nach den fünf Tagen endete das konspirative Camp, als sei nichts geschehen. Es gab keine Nachbereitung auf linken Websites, keine Diskussionsveranstaltungen, nichts. Das Treffen sollte geheim bleiben.”
Jansens Schlußfolgerung: Das Extremistencamp war kreuzgefährlich! Die hessischen Autonomen würden womöglich noch härter zulangen, gegen Rechtsextremisten und die Polizei. Ein Albtraum für Jansen.
Um auch dem bravsten Leser das Kreuzgefährliche unter die Nase zu reiben, gibt sich Jansen sehr geheimnisvoll. Andeutungen werden geraunt, Quellen verschwiegen. Kein Wunder, denkt der entsetzte Leser: Das Camp war ja konspirativ und sollte streng geheim bleiben. Doch unserer Fleißnudel Jansen gelang es, die verschlagenen Linksextremisten zu enttarnen und ihnen die Maske der Biederkeit von der wutverzerrten Fratze zu reißen. Danke, Tagesspiegel! Danke, Frank Jansen!
Auf lobende Leserreaktionen dieser Art wird Jansen gehofft haben. Immerhin 3 Stunden und 45 Minuten hielt er seine Camouflage aufrecht.
Dann postete ein Leser diese URL: http://bash.antifa.net/camp
Das konspirative Camp besitzt eine unverschlüsselte Webadresse. Die Website ist bis heute online. Dort konnte man sich im Sommer problemlos als Camp-Teilnehmer anmelden. Programm und Konzept sind noch immer einsehbar:

Unter anderem wurde am 21. August zwischen 20:00 und 22:00 Uhr ein Selbstverteidigungs-Workshop angeboten. Jansen macht aus diesem Workshop ein Killertraining für Nahkampf und Angriffs- und Verteidigungstechniken, gegen die Judo nahezu kindlich wirkt.
Niemand weiß, was Jansen damit meint — doch es klingt verdammt gefährlich, nicht wahr? Und nun stellen Sie sich vor, liebe Leser, sie wollten sich in dieser phänomenalen Technik üben, gegen die Judo nahezu kindlich wirkt. Was glauben Sie, wie lange Sie trainieren müßten, um das Super-Judo anwenden zu können? Sicher länger als zwei Stunden, oder?
Selbst, wenn man zwei andere Programmpunkte des Camps (praktische Tipps zum Verhalten bei Demos, Aktionen, bei den Bullen oder bei Hausdurchsuchungen) zum getarnten Judotraining erklärt, kommt man auf maximal sechs Stunden. Bißchen wenig für Jansens Killer-Judo.
Was für eine Farce. Aber das ist noch nicht alles.
Um zu erfahren, wer das konspirative Camp und geheime Treffen organisierte, muß man auf der Website nur den Button Vorstellung anklicken. Der Organisator ist so geheim, daß er seinen Namen nennt: Bündnis antifaschistischer Gruppen Hessen (BASH).
Was für eine Blamage für Jansen und den Tagesspiegel.
Im Grunde genügt es, Jansens Satz “Das Treffen sollte geheim bleiben” zu wiederholen und auf die Website des Camps (mit der öffentlichen Kontaktadresse camp@bash.antifa.net) zu verweisen, um den angeblichen Linksextremismusexperten des Tagesspiegels in seiner sackerten Dämlichkeit der Lächerlichkeit preiszugeben.
Ja, das genügt.
3 Kommentare ↓
Die “Neue Rechte” ist kampagnenfähig.
Äh, vergessen: So z.B. auch hier:
http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_03_12/brennende_autos_in.html
Haben die Berliner Türken etwa Aufkleber auf ihren Autos “Hallo, ich bin ein Türke.” ??
By the way: Ich bin kein Freund von Brandanschlägen. Nur um Missverständnissen vorzubeugen. ;-)
Vielleicht behaupten solche Linksextremismusexperten wie Jansen demnächst, Linke würden am Auspuffrohr schnüffeln, ob die Limousine türkisch riecht.
Interessant ist hierbei, daß jetzt auch die Türken für den Kampf gegen Links instrumentalisiert werden. Das lenkt wunderbar von den gehätschelten Rechten ab. Die können inzwischen ganz beruhigt Linke klatschen:
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,664740,00.html
Dazu schweigt Jansen.
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