Der äußerst sensible Herr Bommarius

Geschrieben von messitschbyburns am 08. Dezember 2009 | BILD, Bommarius


Wie Sie wissen, liebe Leser, schätzen wir die Bild-Zeitung so sehr wie einen Pickel auf der Nase. Wir kaufen sie nicht, lesen sie nicht, nutzen sie bestenfalls als Online-Drittquelle für Zitate und sind stolz darauf, engste Verwandte mittels eines geschenkten Jahres-Abos einer um 50 Gramm seriöseren Zeitung von der Bild-Sucht geheilt zu haben.

Wie Sie ebenfalls wissen, scheuen wir keine offenen Worte, sofern uns etwas oder jemand mißfällt. Zwar mangelt es hier, in diesem Blog, aus Gründen des Desinteresses an einer gepflegten Rundum-Polemik gegen Bild; doch hätten wir keine Einwände erhoben, wären die folgenden Grobrhetoriken contra Bild in unserem Blog veröffentlicht worden:

“Das Ausscheidungsorgan des deutschen Journalismus”

“Offenbar muss das Hirn von Bild-Redakteuren jede Feier zwanghaft mit Bordell-Plüsch ausstaffieren und kann sich selbst den Staats-Akt kaum anders denn in der Missionarsstellung denken, um gut zu funktionieren, also hinreichend erbärmlich.”

“‘Bild’ ist keine Tageszeitung, sondern der tägliche Missbrauch der Pressefreiheit. Die Lüge ist ihre Geschäftsgrundlage, der Rufmord ihr Kapital, und das entblößte Schamhaar der lukrative Inbegriff der Aufklärung, wie sie die ‘Bild’-Zeitung betreibt – als Befreiung der Leser aus ihrer selbstverschuldeten Mündigkeit.”

“Geboten wäre ein gemeinsamer Protest aller Organe der Rechtspflege gegen das Ausscheidungsorgan der Presse: ‘Bild’ lügt.”

“In der Tat sind milde Richter vermutlich der einzige Grund, warum die ‘Bild’-Chefredaktion sich auf freiem Fuß befindet.”

“Wer ‘Bild’ liest, ohne nach der Kotztüte zu rufen, hat sein Recht auf Teilnahme an der Werte-Debatte verwirkt.”

“Kein Tag vergeht, an dem nicht ein Politiker, eingebettet zwischen ‘naturgeilen Nymphen’ und ‘megaheißen Citymäusen’, eine Position einnimmt, allen voran Helmut Kohl und Gerhard Schröder.”

“Kein deutsches Medium versteht sich besser auf das Geschäft mit der Lüge, der Heuchelei, dem Rufmord und der Zuhälterei mittels ‘Bumskontakten’ als die Bild-Zeitung. Der Blick des Voyeurs ist ihre Perspektive, die Umwidmung der Welt zur Jauchegrube ihr heiligstes Anliegen.”

“Es ist unmöglich, diese Sammlung der Rufmorde, üblen Nachreden, Verunglimpfungen und Beschmutzungs-Orgien zu betrachten, die Tag für Tag zwölf Millionen Leser in die Gosse tunken, ohne die Versicherung des Grundgesetzes ‘Die Würde des Menschen ist unantastbar’ zur evidenten Lüge zu erklären.”

“Das Geschäft, das Kai Diekmann, Springer-Vorstands-Chef Mathias Döpfner und die Verlegerin Friede Springer betreiben, verletzt nicht nur die Menschenwürde - die Bild-Zeitung ist deren Negation.”

Wie gesagt, uns hätten diese gesammelten Bild-Watschen aus dem Fundus von Christian Bommarius, einem von vielen Redakteuren der Berliner Zeitung, nicht gejuckt, und den von ihm im letzten Satz namentlich angesprochenen Kai Diekmann juckten sie wohl auch nicht.

Obwohl — man weiß es nicht. Vielleicht sehnt sich Bild-Chef Diekmann insgeheim nach Liebe und Zuneigung, nicht nur von Ehefrau Katja Kessler und den vier Kindern. Möglicherweise nagt die kollegiale Häme doch tiefer und schmerzhafter in Diekmanns Brust, als er es sich eingestehen mochte. Und dann muß der Druck einfach raus.

Denn ohne Grund wird Kai Diekmann nicht Jahre später reagiert haben. Bommarius schrieb seine Anmerkungen zur Bild-Zeitung zwischen 2004 und 2006. Doch erst jetzt, im November 2009, erinnerte sich Diekmann im Zusammenhang mit dem taz-Pimmel an Bommarius.

Die Süddeutsche Zeitung zitiert aus Diekmanns Blog:

“Wer ist Phall? …bleiben nach meinem Dafürhalten nur noch …Christian Bommarius, Sexexperte der Berliner Zeitung, der sich so gerne in einschlägigen Kleinanzeigen (,naturgeile Nymphen’, ,megaheiße Citymäuse’) vertieft.”

Im Blog kann man diese Zeilen nicht mehr lesen. Bommarius erwirkte beim Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung. Diekmann mußte seinen Schmunzeltext löschen. In der Antragsschrift, schreibt die SZ, heißt es u.a.: Es sei offensichtlich, dass Diekmann sich an Bommarius ‘abarbeitet, weil er es gewagt hat, vor einigen Jahren einen Artikel zu den Methoden der Bild-Zeitung’ zu veröffentlichen.

Ist das nicht lustig, liebe Leser?

Jahrelang kübelt Bommarius seine Verachtung über Bild und Diekmann aus, ungehindert und ohne juristische Konsequenzen. Kann man machen, ist okay.

Kaum reagiert aber der bekübelte Kai Diekman mit einer winzig kleinen, satirisch formulierten Spitze, bemüht das Sensibelchen Bommarius die deutsche Justiz. Den Axel Springer Verlag will er auch noch verklagen, schreibt die SZ, weil im Impressum die Axel Springer AG eingetragen ist.

Bommarius nimmt also übel. Er teilt aus, ohne einstecken zu können. Er ist der Prototyp des verkniffenen deutschen Anscheißers. Der Diederich Heßling der Berliner Zeitung.

Doch, das ist lustig. Und typisch deutsch.

4 Kommentare ↓

#1 kira am 16.12.09 um 19:24

Sonst nix zu tun?

#2 admin am 16.12.09 um 20:21

War keine Mühe, danke der Nachfrage.

#3 träger am 25.01.10 um 06:37

Finde ich gut. Ich glaub ja immer noch, dass Herr Diekmann nicht der übelste ist/ ganz in Ordnung ist.
Die Entgegung, dass ich auf seine PR-Maschinie reingefallen bin (*gähn*), kann man sich sparen, da ich sie bereits zu Genüge kenne.
Ich glaube nicht, dass ich darauf reingefallen bin.
Ich finde ihn irgendwie sympathisch.

#4 träger am 25.01.10 um 06:39

Herr Diekmann hat zum Beisspiel alle Kommentare auf www.diekmann.de freischalten lassen…….
Davor habe ich Respekt.

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