Mit diesem Satz eröffnete Oliver Schwenzer, Justiziar und Senior Vice President der EMI Music Publishing Europe, im Tagesspiegel eine Polemik gegen YouTube. Er antwortet damit auf einen Beitrag des Rechtsanwalts Martin von Albrecht, der am 30. November 2009 dramatisch fragte: Killt die Gema die Video-Portale?
Lassen wir die Kinder spielen. Ob Videoportale wie YouTube demnächst 0,1 Cent (von Albrecht), einen Cent oder eine deutlich höhere Basisvergütung pro Song (Schwenzer) an die Gema zahlen müssen, ist für den Freund populärer Musik unerheblich. Wer unbedingt das Video XY des Künstlers YX sehen möchte, findet es auch ohne YouTube. Und sollte die Bundesregierung — dem Wunsch der Musikindustrie entsprechend — eines Tages alle Videos per Bundeszensurfilter sperren lassen, dreht sich die Welt trotzdem weiter.
Uns hat die dramatisch umwölkte Schlagzeile interessiert. Der Satz Was nichts kostet, taugt auch nichts ist eigentlich ein Mottenkistendauerbewohner. So dumm, den Wert eines Gegenstandes vom willkürlich festgelegten Preis abhängig zu machen, kann doch heutzutage niemand mehr sein, dachten wir.
Der Justiziar der siechen EMI ist es scheinbar doch. Ein Fossil, das noch atmet, aber schon verknöchert ist.
Abgesehen von den kaum noch übersehbaren Mengen freier Software und freier Musik, die mit Einverständnis der Produzenten kostenlos verfügbar sind und die von Schwenzer im Vorübergehen als untauglicher Murks abgemeiert werden, tritt der EMI-Justiziar mit seiner verwesten These einer für ihn nicht unwichtigen Instanz vors Schienbein: der Bundesregierung.
Koalitionsvertrag, Seite 94:
“Die Informationstechnik des Bundes bedarf der Konzentration, Standardisierung und Effizienzsteigerung sowie Bündelung vorhandener Ressourcen. Wir werden hierzu den Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik stärken. Wir prüfen, wie die IT des Bundes sich zukünftig an offenen Standards orientieren und dabei auch Open-Source-Lösungen berücksichtigen kann.”
Aus dem Beamtendeutsch übersetzt: Die Bundesregierung unterstützt freie Software wie Linux und offene Dokumentenstandards wie ODF.
Linux wird in immer mehr Bundesbehörden und kommunalen Verwaltungen eingesetzt. Es kostet nichts. Also taugt es nichts.
Hier ist der Beweis:
Die letzten Bundesregierungen waren bekanntlich Blindgänger und Rohrkrepierer. Nähme sich Oliver Schwenzer selbst beim Wort, müßte er sagen: Mit Windows wär das nicht passiert.
Wir würden antworten: Nimm deinen Fisch.
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