Wir haben uns die Mühe gemacht, Sarrazins Buch »Deutschland schafft sich ab« zu lesen. Die Mühe war sehr groß, denn Sarrazin pflegt ein extrem hölzernes Amtsdeutsch. Er wiederholt sich, mäandert dröge vor sich hin, verliert den Faden und wiederholt sich gleich noch mal.
Sarrazin hat zwei Ängste: Arbeitslose und Moslems. Beide bilden für ihn die Unterschicht, die sich rasend schnell vermehrt und dabei dumme Kinder zeugt, denn die intelligenten Kinder werden meist in der Oberschicht geboren. Wie Sarrazin die Zeugung kluger Kinder fördern, die Moslemisierung Deutschlands verhindern und die Arbeitslosen zur Arbeit zwingen will, ist der Inhalt seines Buches.
Was uns auf den 408 Seiten Text (ohne Tabellenanhang) auffiel, haben wir notiert und zum Teil mit eigenen Anmerkungen versehen. Die Sarrazin-Zitate sind wörtlich und unverändert, auch die Zeichensetzung stammt von ihm. Auslassungen haben wir mit einer Klammer kenntlich gemacht.
Kochen Sie sich vor dem Lesen zwei Kannen Rondo. Dies ist der längste Text, der je im Blog veröffentlicht wurde, und Sie werden mehrmals schlucken müssen, wenn Sie Sarrazins Empfehlungen lesen. So ungefähr stellen wir uns die Gedanken eines Verwaltungsbeamten im Dritten Reich vor.
Einleitung
Seite 10:
Welch einen Sturm der Empörung löste ich als Berliner Finanzsenator aus mit dem detaillierten Nachweis, dass man sich mit dem Betrag für Essen und Getränke in der staatlichen Grundsicherung sehr wohl gesund und abwechslungsreich ernähren kann.
Anmerkung: Die von Sarrazin berechneten Rationen für eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung enthielten exakt so viele Kalorien wie die Rationen für Häftlinge im KZ Auschwitz.
Seite 13:
Die spezifischen deutschen Stärken – ein hoher Standard in Wissenschaft, Bildung und Ausbildung, eine leistungsfähige Wirtschaft und eine qualifizierte Bürokratie – waren durch die Katastrophe des Krieges und die Zerstörung der Infrastruktur erstaunlich wenig beeinträchtigt worden. Die Angehörigen der Führungsschichten und der Bürokratie waren zu 90 Prozent willige Helfer der Nazidiktatur gewesen; das wirkte sich aber keineswegs auf ihre Effizienz beim Wiederaufbau aus.
Ganz und gar ungebrochen und durch die Katastrophe und die Chance zum Wiederaufbau sogar noch angestachelt waren der traditionelle deutsche Fleiß und der Hang zum Tüfteln und Verbessern.
Anmerkung: Ist demnach die massenhafte Entfernung der Angehörigen der Führungsschichten und der Bürokratie der DDR nach 1990 darauf zurückzuführen, dass ihre Effizienz, ihr Fleiß und ihr Hang zum Tüfteln weniger ausgeprägt waren als bei den Eliten des Dritten Reichs?
Kapitel 1: Staat und Gesellschaft
Ein historischer Abriss
Seite 23:
In Schwaben wird es immer mehr Maschinenbau und mehr Unternehmertum geben als in der Uckermark – und damit auch deutlich mehr Wohlstand. Dieser Wohlstand hat Wanderungsbewegungen ausgelöst und dazu geführt, dass die in Schwaben lebenden Menschen durchschnittlich einen höheren Intelligenzquotienten haben als jene in der Uckermark – wenn man glauben kann, was die Tests der Bundeswehr an ihren Rekruten ergeben haben.
Anmerkung: siehe Seite 99
Kapitel 2: Ein Blick in die Zukunft
Realitäten und Wunschvorstellungen
Seite 38:
In den letzten zwei Jahrzehnten hat Ostdeutschland im wiederverinigten Deutschland stark aufgeholt, aber das gesamtdeutsche Wohlstandsniveau hat – gemessen am realen Volkseinkommen pro Kopf – 20 Jahre nach der Wiedervereinigung gerade mal das westdeutsche Niveau von 1990 erreicht. Dieser statistische Befund passt gut zu den konkreten Erfahrungen der westdeutschen Bevölkerung. Generell sind die Realeinkommen breiter Schichten in den letzten 20 Jahren eher gefallen als gestiegen. Zur wohlstandssenkenden Umverteilung von West nach Ost trat zudem der wachsende Lohndruck infolge der Globalisierung […]
Anmerkung: Ohne Ost-Bashing geht es nicht.
Kapitel 3: Zeichen des Verfalls
Eine Bestandsaufnahme
Seite 52:
Wir müssen ständig neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen, und diese müssen nicht nur unter Lohnkostenaspekten wettbewerbsfähig sein, denn die Produktion von lohnkostenintensiven Produkten haben wir schon weitgehend abgegeben.
Anmerkung: Die These, ständig neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen zu müssen, beruht auf einem Kapitalismusmodell, das u.a. die aktuelle Finanzkrise verursacht hat.
Seite 57:
All die Volkswirte, Betriebswirte, Juristen, Germanisten, Politologen, Soziologen und Philosophen, die unsere Universitäten verlassen, tragen durchaus zum allgemeinen Bildungsniveau bei, ihr Beitrag zum wissenschaftlich-technischen Fortschritt geht jedoch gegen null. Es gibt in den Kultur- und Sozialwissenschaften eben keinen systematischen Fortschritt, ebenso wenig wie es einen solchen bei der Dichtkunst oder den bildenen Künstlern gibt.
Anmerkung: Dass es in den Kultur- und Sozialwissenschaften keinen systematischen Fortschritt geben soll, ist eine steile Behauptung – siehe Seite 143.
Seite 58:
Die USA ziehen Spitzenintelligenz aus der ganzen Welt an ihre Universitäten und Forschungseinrichtungen.
Anmerkung: Was geschieht mit jenen Ländern, deren Spitzenintelligenz abwandert?
Seite 64:
Die Gruppen mit der höchsten Bevölkerungsdynamik haben die niedrigste Bildung und weisen auch die niedrigsten Bildungszuwächse in der Generation der hier Geborenen auf. Damit stellen sie nicht ein Teil der demografischen Lösung, sondern des demografischen Problems dar. Es ist nämlich zu befürchten, dass sie zur überdurchschnittlichen Vermehrung jener bildungsfernen und von Transfers abhängigen Unterschicht beitragen, welche die Entwicklungsaussichten Deutschlands verdüstert.
Seite 80:
Während die Tüchtigen aufsteigen und die Unterschicht oder untere Mittelschicht verlassen, wurden und werden in einer arbeitsorientierten Leistungsgesellschaft nach »unten« vor allem jene abgegeben, die weniger tüchtig, weniger robust oder ganz schlicht ein bisschen dümmer und fauler sind.
Anmerkung: Diese Charakterisierung der Unterschicht ist bemerkenswert.
Seite 82:
Der relativ geringe Anteil von Arbeiter- und Unterschichtkindern unter den Abiturienten und Studierenden in Deutschland wird häufig – unter anderem auch von der OECD – als Indiz für eine mangelhafte Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems gewertet. Man kann aber auch zu anderen Schlüssen gelangen: Von Anfang des 19. Jahrhunderts bis vor wenigen Jahrzehnten war das deutsche Bildungssystem weltweit führend und bot zumindest den Spitzenbegabungen der unteren und mittleren Schichten erhebliche Aufstiegschancen. Das passt, so scheint es, nicht zum ideologischen Mainstream.
Anmerkung: Und was ist mit den letzten Jahrzehnten?
Seite 82:
Je besser die Durchlässigkeit eines Bildungssystems ist, umso eher und umso nachhaltiger erschöpft sich das Potential an Höchst- und Hochbegabten aus den unteren Schichten. Ein besonders paradoxes – und schlagendes – Beispiel dafür liefert die DDR, wo man Wert darauf legte, einen möglichst großen Teil der Studenten aus der sogenannten Arbeiterklasse zu gewinnen. Zahlreiche Aufstiegsmöglichkeiten wurden geschaffen mit dem Ergebnis, dass das akademische Potential der Arbeiter in der DDR schrumpfte.
Anmerkung: Das akademische Potential der unteren und mittleren Schichten Deutschlands brauchte 150 Jahre, um auf den heutigen Stand zu schrumpfen, das akademische Potential der Arbeiter in der DDR dagegen nur 40 Jahre?
Seite 83:
Es ist also gar nicht gesagt, dass der geringe Anteil von Arbeiter- und Unterschichtenkindern in den deutschen Gymnasien und Hochschulen Ausdruck einer im Vergleich mit anderen Staaten überdurchschnittlichen sozialen Benachteiligung ist. Ebenso gut kann er auch die Folge von bereits vollzogenen Aufstiegen sein.
Seite 84:
Egal wie durchlässig ein Bildungssystem ist, immer und überall gilt die Logik: Je durchlässiger das System, desto schneller und desto eher blutet die Unterschicht aus. Übrig bleiben diejenigen, die nur einfache und mittlere Qualifikationen erwerben, und die sind am Arbeitsmarkt immer weniger gefragt […]
Insofern ist es durchaus fraglich, ob die vielfach geäußerte Hoffnung berechtigt ist, dass eine höhere Durchlässigkeit innerhalb der Gesellschaft den Unterschichtenanteil verringert. Erhöhte Durchlässigkeit bedeutet nämlich nicht nur, dass die Tüchtigen von unten verstärkt aufsteigen, sondern auch, dass die Untüchtigen von oben verstärkt absteigen.
Anmerkung: Die deutsche Unterschicht ist intellektuell komplett leergefegt? Da wächst nichts mehr nach? Alles Dumme, außer Mutti? Oder ist Mutti auch dumm?
Seite 86:
Wenn eine ausgebildete Verkäuferin etwa 1200 Euro netto im Monat bekommt und die Arbeitslosengrundsicherung für einen Alleinstehenden bei rund 700 Euro liegt, dann arbeitet die Verkäuferin – berechnet auf das Nettoeinkommen über der Grundsicherung, die sie bekäme, wenn sie nicht arbeitet – für einen Stundenlohn von 3 Euro. Wenn man aber das Nettoeinkommen der Verkäuferin anhebt, gerät die gesamte Einkommenspyramide aus dem Gleichgewicht. Wenn ein junger, alleinstehender Arzt im Krankenhaus inklusive Bereitschaftsdienst etwa 2100 Euro im Monat nach Hause bringt, erscheint das Einkommen der Verkäuferin nämlich gar nicht mehr so niedrig. Was also sollte einen rational denkenden Bezieher des staatlich garantierten Mindesteinkommens veranlassen, sich auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt wirklich anzustrengen? Wenn er die Möglichkeit hat, gelegentlich durch Schwarzarbeit Geld zu verdienen, wird er – solange er sich darauf verlassen kann, dass das staatlich garantierte Mindesteinkommen weder gekürzt noch gestrichen wird – erst recht keinen Sinn in solcher Anstrengung sehen, es sei denn, er verfügt über ein ungewöhnliches Maß an intrinsischer Motivation.
Anmerkung: Und wenn man dem Arzt das Gehalt zahlen würde, das er verdient?
Seite 88:
Dass ein höheres leistungsloses Mindesteinkommen Initiative, Fleiß und Anstrengungsbereichtschaft nicht fördert, davon kann man wohl ausgehen.
Anmerkung: Mit »leistungslosem Mindesteinkommen« meint Sarrazin die Arbeitslosengrundsicherung.
Seite 91:
Frauen, die nicht so gut oder gar nicht in den Arbeitsmarkt integriert sind, [tendieren] stärker dazu, Kinder zu bekommen oder die Schar ihrer Kinder noch zu vergrößern.
Seite 91:
Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent erblich. Deshalb bedeutet ein schichtabhängig unterschiedliches generatives Verhalten leider auch, dass sich das vererbte intellektuelle Potential der Bevölkerung kontinuierlich verdünnt.
Seite 93:
Die Schichtabhängigkeit des generativen Verhaltens in Deutschland ist als stabiler Trend empirisch belegt, belegt ist auch, dass zwischen Schichtzugehörigkeit und Intelligenzleistung ein recht enger Zusammenhang besteht […]
Ein Beispiel dafür liefert die evangelische Kirche. Seit der Reformation hat sie die intelligentesten Knaben für die geistliche Laufbahn ausgewählt. Evangelische Pfarrersfamilien waren traditionell sehr kinderreich, und diese Kinder hatten in geräumigen Pfarrhäusern bei guter Ernährung auch überdurchschnittliche Überlebenschancen.
Anmerkung: Dann sind die armen Landpfarrer, die ohne den Abgabenzwang der Bauern nicht überlebt hätten und die sich nebenher als Dorfschullehrer verdingen mussten, eine neuzeitliche Erfindung?
Seite 93:
Bereits die frühe Intelligenzmessung hat bei Juden europäischer Provenienz einen um 15 Punkt höheren IQ festgestellt als bei den anderen Mitgliedern euopäischer Völker und deren Nachfahren in Nordamerika.
Seite 95:
Im Mittelalter waren die Juden aus England und Frankreich vollständig und aus Deutschland zum größten Teil vertrieben worden und hatten sich meistenteils in Polen, in der Ukraine und im Baltikum angesiedelt. Dort entwickelten sie das typische Jiddisch mit den slawischen Elementen und vor allem eine besondere Kultur. Die spezifische Kultur der osteuropäischen Juden und der hohe Status, den Intellektuelle und Gelehrte in ihren Gemeinwesen besaßen, führten zu einer überdurchschnittlichen Vermehrung der besonders Intelligenten. Wiederholt überstanden sie Pogrome.
Anmerkung: Die Juden überstanden Pogrome, weil sie intelligent waren? Oder überstanden nur die besonders intelligenten Juden die Pogrome?
Seite 95:
Erklärt wird die durchschnittlich höhere Intelligenz der Juden mit dem außerordentlichen Selektionsdruck, dem sie sich im christlichen Abendland ausgesetzt sahen.
Anmerkung: Heißt das, dass die überlebenden Juden in deutschen KZs die intelligentesten Juden waren?
Seite 98:
Bei höherer relativer Fruchtbarkeit der weniger Intelligenten sinkt die durchschnittliche Intelligenz der Grundgesamtheit.
Seite 99:
Die Studentinnen bekamen [in der DDR] ihre Kinder früh, und bis auf eine kleine Minderheit bekamen fast alle welche. Das wirkte sich positiv aus auf die durchschnittliche Intelligenz der dort geborenen Kinder.
Anmerkung: Außer in der Uckermark, siehe Seite 23
Kapitel 4: Armut und Ungleichheit
Viele gute Absichten, wenig Mut zur Wahrheit
Seite 110:
Ein Konzept, das auf mehr Teilhabe- und Verwirklichungschancen setzt, muss nicht norwendig als Forderung nach mehr Umverteilung interpretiert werden, denn diese kann auch zu Passivierung führen und das Gegenteil bewirken. Die beste Chancenmehrung findet daher durch Aktivierung jedes einzelnen Menschen und seiner Kräfte statt.
Seite 112:
Je mehr sich die Transferleistungen […] dem unteren Bereich der durch Arbeit erzielten Einkommen annähern, desto mehr sieht der Arbeitende seine Leistung entwertet und sich in seinem sozialen Rang abgestuft. Das Lohnabstandsgebot hat nicht nur die Aufgabe, die Arbeitsanreize für den Empfänger von Tranferleistungen ausreichend hoch zu halten, es ist auch eine wichtige Voraussetzung für den Stolz der Arbeitenden auf die eigene Leistung.
Anmerkung: Sarrazin ließ sich seinen vorzeitigen Abgang bei der Bundesbank mit einem monatlichen Zuschlag von 1000 Euro vergüten. Sein finanzieller Abstand zur Unterschicht bleibt gewahrt, sein Stolz auf die eigene Leistung ebenfalls.
Seite 112:
In der deutschen Armutsdiskussion wird immer wieder unterstellt, das materielle Niveau der Absicherung sei zu gering und verursache erscheinungen der sozialen Exklusion, weil den Erwachsenen das Geld für Resataurantbesuche fehle, den Kindern Geld für die Klassenfahrt und so weiter. Das Klassenfahrtproblem ist mittlerweile an allen Schulen Deutschlands gelöst, und für ein gelegentliches Bier etwa auf einem Straßenfest reicht das Arbeitslosengeld II allemal.
Anmerkung: Was »gelegentlich« ist, entscheiden dann die Sozialgerichte.
Seite 113:
In der geltenden Armutsdefinition der EU heißt es: Als arm gelten Personen, Haushalte und Familien, »die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist« […]
Verfügung über »kulturelle und soziale Mittel« ist ein verschleiernder Ausdruck. Auf gut Deutsch müsste es heißen: Wer nur über »geringe kulturelle und soziale Mittel« verfügt (politisch korrekter EU-Sprech), ist nicht intelligent, nicht gebildet und nicht verhaltensstabil genug […]
Die in der EU-Definition umschriebene Armut im Geiste und im Verhalten ist grundsätzlich nicht durch ein zu niedriges Transfereinkommen verursacht und kann deshalb auch grundsätzlich nicht durch ein höheres Transfereinkommen geheilt werden.
Seite 118:
Nach allen Erhebungen verfügt der Empfänger von Arbeitslosengeld II, soweit er der Unterschicht angehört, über eine überdurchschnittliche Ausstattung an elektronischen Medien.
Seite 123:
Nicht die materielle, sondern die geistige und moralische Armut ist das Problem. Das wirkt sich auf das Verhalten aus und das wiederum auf die Gesundheit.
Anmerkung: Wovon bezahlen Hartz-IV-Empfänger ärztliche Leistungen, die nicht von ihren Krankenkassen übernommen werden?
Seite 132:
Bekämpft werden muss die «Armut im Geiste«, das heißt jene Kombination aus Bildungsferne, Sozialisationsdefiziten sowie Mangel an Gestaltungsehrgeiz und Lebensenergie, der große Teile der Unterschicht in Deutschland prägt.
Seite 142:
Befürworter des Bürgergeldes finden es würdelos, dass man Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe beantragen muss, begründen aber nicht, weshalb dies würdeloser sein soll als einen Bauantrag zu stellen oder einen Antrag auf Gewährung einer Steuervergünstigung.
Anmerkung: Ist das noch zynisch oder schon dumm?
Seite 143:
Die Bedingungsfreiheit des Anspruchs [auf Bürgergeld] stütze dagegen die Menschenwürde, behaupten sie. Hegel sah das ganz anders: »[…] als das direkteste Mittel gegen Armut […] und gegen die Faulheit und Verschwendung usf., woraus der Pöbel hervorgeht, [hat sich] erprobt, die Armen ihrem Schicksal zu überlassen und sie auf den öffentlichen Bettel anzuweisen.«
Anmerkung: Hegel lebte von 1770 bis 1831 – siehe Seite 57.
Seite 149:
Nicht Kinder produzieren Armut, sondern Transferempfänger produzieren Kinder.
Kapitel 5: Arbeit und Politik
Über Leistungsbereitschaft und Arbeitsanreize
Seite 152:
Weder moralisch noch funktional ist es richtig, dass jemand, der einen eigenen Beitrag leisten kann, von der Arbeit anderer ohne Gegenleistung lebt.
Seite 157:
Es kommt darauf an, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sich Erwerbsarbeit für möglichst viele Menschen lohnt. Dieses Ziel verträgt sich in Deutschland aber nicht mit dem durch die Grundsicherung gesetzten impliziten Mindestlohn am Arbeitsmarkt, dessen Höhe durch das garantierte sozioökonomische Existenzminimum definiert wird.
Seite 158:
Ein Problem stellt […] jene Gruppe dar, die aufgrund von Sozialisationsdefiziten oder aus anderen Gründen nicht in der Lage und nicht willens ist, die Anforderungen zu erfüllen, die auch die einfachste persönliche Dienstleistung voraussetzt: Pünktlichkeit, Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit.
Anmerkung: Was machen Leute, die diese Anforderungen nicht erfüllen? Dürfen sie sich in der Spree ersäufen, ohne ihre Nachkommen mit Bergungs- und Bestattungskosten zu ruinieren?
Seite 159:
Arbeitnehmer [haben] selbst bei niedrigen Bruttolöhnen aufgrund des Zusammenwirkens mit dem Transfersystem netto deutlich mehr als die Grundsicherung zur Verfügung. Zudem ist es immer noch besser, zu einem niedrigen Lohn zu arbeiten als gar nicht zu arbeiten – und zwar für die Volkswirtschaft wie für die Betroffenen.
Anmerkung: Vor allem aber für den Unternehmer.
Seite 162:
Auf Dauer schafft sich jedes Arbeitsangebot grundsätzlich seine Nachfrage, solange es sich tatsächlich um ein Arbeitsangebot handelt, bei dem der Grenznutzen für den Nachfrager höher ist als der Lohnsatz.
Anmerkung: Wer keine Arbeit findet, hat also nur zu hohe Lohnansprüche.
Seite 166:
Niemand muss arbeiten, um in Deutschland 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zu erzielen, dafür sorgt die staatliche Grundsicherung.
Seite 167:
Der implizierte Mindestlohn ist unrentabel hoch.
Anmerkung: »Implizierter Mindestlohn« heißt staatliche Grundsicherung, »unrentabel hoch« heißt, die Unternehmer müssen mehr als 1,50 Euro zahlen, um Leute zu finden, die für sie arbeiten.
Seite 174:
Die Annahme, Chancengleichheit könne Ungleichheiten aufheben, ist ein großer Irrtum. In Wirklichkeit wirkt die Chancengleichheit verschärfend in einem bitteren Sinne: In einer wirklich chancengleichen Gesellschaft ist jemand nur noch aus Gründen »unten«, die in seiner Person liegen.
Anmerkung: Auf Seite 80 las sich das noch anders. Oder herrscht in der BRD Chancengleichheit?
Seite 175:
Carola Götze, 46 Jahre, ist seit vielen Jahren arbeirslos, ebenso ihr Mann […] Bekämen Carola Götze und ihre Kleinfamilie nicht monatlich 1400 Euro vom Staat, würde sie wohl längst einer bezahlten Arbeit nachgehen.
Anmerkung: Gestern Florida-Rolf und Viagra-Kalle, heute Carola Götze und ihre Kleinfamilie.
Seite 178:
Dieser Vorschlag [»Aktivierende Sozialhilfe«, vorgeschlagen vom Ifo-Institut] läuft darauf hinaus, den erwerbsfähigen Empfängern von Grundsicherung diese bis auf die Kosten der Unterkunft ganz zu streichen, für Erwerbsarbeit die Anrechnungsmöglichkeiten deutlich attraktiver zu gestalten und für alle erwerbsfähigen Bezieher von Grundsicherung, die am freien Markt nichts finden, verbindliche Beschäftigungsangebote im kommunalen Bereich zu schaffen […] Das Modell der »Aktivierenden Sozialhilfe« ist so, wie es vorgelegt wurde, utopisch und undurchführbar, aber es ist in seiner konsequenten Radikalität von einer Frische, die sympathisch berührt.
Anmerkung: Der Chef des Ifo-Instituts heißt Hanns-Werner Sinn. Keine weiteren Fragen.
Seite 182:
Nach dem Empfinden der meisten Menschen sollte jemand, der Leistungen der Allgemeinheit in Anspruch nimmt, das ihm Mögliche tun, eine Gegenleistung zu erbringen.
Anmerkung: Früher sagte man: »Nach dem gesunden deutschen Volksempfinden …«.
Seite 182:
Es kann nicht ungerecht sein, alle erwerbsfähigen Empfänger von Grundsicherung zu einer Gegenleistung zu verpflichten. Dabei kann zunächst dahingestellt bleiben, wie produktiv diese Gegenleistung ist und ob sie überhaupt produktiv ist. Entscheidend ist, dass sie ausnahmslos eingefordert wird und die Anforderungen in Bezug auf Pünktlichkeit, Disziplin und Arbeitsbereitschaft dem regulären Arbeitsleben möglichst nahe kommen. Wer seinen Pflichten gar nicht nachkommt oder nur unpünktlich und unzuverlässig, dem würde die Grundsicherung gekürzt oder gestrichen. Dies müsste allerdings konsequent und schnell und nach sehr strengen Maßstäben erfolgen.
Seite 183:
Ferner würde die Schwarzarbeit durch die Arbeitspflicht erschwert beziehungsweise schon rein zeitlich unmöglich gemacht […] Der Arbeitszwang würde allmählich große Teile des informellen Arbeitsmarkts austrocknen und so die kaufkräftige Nachfrage am regulären Markt erhöhen, denn für alle Dienste, die bisher informell erbracht wurden, bestünde ja weiterhin grundsätzlich eine kaufkräftige Nachfrage, die dann anders befriedigt werden müsste.
Anmerkung: »Informeller Arbeitsmarkt« ist Sarrazins Bezeichnung für Schwarzarbeit.
Seite 183:
All diese wohltätigen Wirkungen werden jedoch nur eintreten, wenn der Arbeitszwang konsequent durchgesetzt wird, wobei die wirksamste Sanktion stets der sofortige Transferentzug ist.
Seite 184:
Es wird sehr schwierig werden, für die erwerbsfähigen Empfänger von Grundsicherung eine ausreichende Zahl von Arbeitsgelegenheiten zu organisieren. Dabei kommt es nicht in erster Linie auf den produktiven Output dieser Arbeitsgelegenheiten an, sondern auf das den Transferempfängern abgeforderte Anforderungsprofil: Wer gar nicht oder unregelmäßig erscheint, wer nicht pünktlich ist, wer eine zumutbare Leistung nicht erbringt, der fällt aus dem Transferbezug heraus.
Anmerkung: Wenn es nicht auf den produktiven Output der Arbeitsgelegenheiten ankommt, genügt es, die Arbeitslosen zum Steineklopfen zu verpflichten.
Seite 185:
Das Entgelt für die Arbeitsleistung muss die Grundsicherung selber sein und die Konsequenz von Nicht-Arbeit der Leistungsentzug.
Anmerkung: Steineklopfen für 359 Euro.
Seite 185:
Fortbildung und Umschulung [sollten] nicht mehr im Mittelpunkt der Ertüchtigungsbemühungen für Empfänger von Grundsicherung stehen. Alle Untersuchungen weisen nämlich darauf hin, dass solche Maßnahmen bei dieser Zielgruppe keine belegbaren nennenswertwn Beschäftigungseffekte auslösen. Hier gilt leider das alte Sprichwort: »Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr«. Grundlagen, die bis zum Abschluss der Berufsausbildung nicht gelegt wurden, könne später nicht mehr erworben werden.
Anmerkung: Das gilt aber nur für die Unterschicht. Der Oberschicht gesteht Sarrazin ein lebenslanges Lernen zu.
Kapitel 6: Bildung und Gerechtigkeit
Über den Unterschied von gut und gut gemeint
Seite 228:
Die zumindest teilweise Erblichkeit von Intelligenz und anderen Persönlichkeitsmerkmalen hat zusammen mit der wachsenden Durchlässigkeit der Gesellschaft zur Folge, dass der Anteil derer sinkt, die aufgrund ihrer persönlichen Fähigkeiten aus unteren Schichten aufsteigen. Darum ist es sachlich folgerichtig und keineswegs Ausdruck fehlender Gerechtigkeit, wenn sich das Führungspersonal mehrheitlich aus den oberen Schichten rekrutiert.
Seite 231:
Das staatliche Angebot für die Kinder aus bildungsfernen Schichten (und damit für alle Kinder) sollte umfassend sein und früh beginnen. Die typische Begleitung eines Kindes aus bildungsfernem Hause müsste wie folgt aussehen:
[…]
- Fernsehen und Computerspiele gibt es in der Schule nicht.
- Schuluniformen sollten obligatorisch sein. Sie verwischen soziale Unterschiede, lösen für weniger Bemittelte das Textilproblem und schaffen eine klare Abgrenzung zwischen Schulbereich und privatem Bereich […]
- Mit fortschreitender Schullaufbahn werden für die leistungsschwächeren Kinder zunehmend praktische Fächer angeboten: Hauswirtschaftskunde, Kochen, Handarbeit, Werken. Wer mit der Grundschulmathematik im sechsten Schuljahr noch Schwierigkeiten hat, an dem ist höhere Mathematik sowieso verschwendet […]
- Zumindest für die größeren Kinder muss die Ganztagsschule so aufgebaut sein, dass sie zu Hause neben dem Wochenende nur den Feierabend verbringen. Das ist die beste Methode, jenes Übermaß an Medienkonsum zu begrenzen, das für zusätzliche Benachteiligungen der Kinder aus bildungsfernen Schichten sorgt.
- Auf den Erwerb und die Einübung von Sekundärtugenden – Pünktlichkeit, Fleiß, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit – wird besonderer Wert gelegt. Schulschwänzen wird nicht geduldet. Über jedes unentschuldigte Fehlen wird exakt Buch geführt. Die Eltern werden für jede unentschuldigte Fehlzeit mit empfindlichen Geldbußen belegt. Diese werden mit den Transferzahlungen auch dann verrechnet, wenn dadurch das sozioökonomische Existenzminimum unterschritten wird.
Seite 244:
Wer bis zum Ende der Schulpflicht nicht die Grundqualifikation für eine Lehrstelle erworben hat, für den ist grundsätzlich die Erziehung durch den Arbeitsmarkt, an dem er gezwungen ist, sich den Lebensunterhalt selbst zu erwerben, die bessere Lösung. Viele Sozialisationsdefizite und Motivationsprobleme lösen sich durch den Druck der Umstände von selbst auf. Zudem gibt es heutzutage vor allem wegen der rückläufigen Absolventenzahlen keinen generellen Lehrstellenmangel mehr. Wer ausbildungswillig und fähig ist, bekommt auch eine Lehrstelle, selbst in Berlin mit seiner hohen Arbeitslosigkeit […]
Erwerbsfähige Jugendliche, die das Schulsystem verlassen haben, sollten auch nicht indirekt, als Mitglied der Bedarfsgemeinschaft ihrer Eltern, einen Grundsicherungsanspruch erwerben können, solange sie keine Ausbildung durchlaufen.
Seite 245:
Forderungen wurden laut, den Beruf des Erziehers an ein Hochschulstudium zu binden. Damit wäre der Gipfel einer verqueren Logik erreicht, die durch folgende Überspitzung auf den Punkt gebracht wird: Kinderlose beziehungsweise kinderarme akademisch ausgebildete Erzieherinnen verzichten auf eigenen, möglicherweise intelligenten Nachwuchs, um sich der frühkindlichen Erziehung von Kindern aus der deutschen Unterschicht und aus bildungsfernem migrantischen Milieu zu widmen, die im Durchschnitt weder intellektuell noch sozial das Potential mitbringen, das ihre eigenen Kinder hätten haben können. Ist das die Zukunft der Bildungsrepublik Deutschland?
Anmerkung: Hä?
Kapitel 7: Zuwanderung und Integration
Mehr erwarten, weniger bieten
Seite 280:
1000 Jahre lang war die Geschichte des Islam von der gewaltsamen Eroberung christlicher Staaten begleitet, nur kurzzeitig unterbrochen durch die militärisch letztlich erfolglose Gegenbewegung der Kreuzzüge.
Anmerkung: Die Kreuzzüge waren eine Gegenbewegung zur Eroberung christlicher Staaten?
Seite 309:
Assimilation und Integration werden gern gegeneinander ausgespielt. Eigentlich ist es ein Scheingegensatz und ein Streit um Worte. Denn wer integriert ist, ist auch immer ein Stück weit assimiliert, und assimiliert kann man sowieso nicht sein, ohne integriert zu sein.
Anmerkung: Sind DDR-Bürger in der Bundesrepublik seit 1990 assimiliert oder integriert?
Seite 312:
Die Türkei Erdogans passt kulturell nicht nach Europa […]
Seite 317:
Bleibt die Fertilitätsrate der deutschen autochthonen Bevölkerung dort, wo sie seit 40 Jahren liegt, dann wird im Verlauf der nächsten drei Generationen die Zahl der Deutschen auf 20 Millionen sinken. Im Übrigen ist es absolut realistisch, dass die muslimische Bevölkerung durch eine Komnbination von hoher Geburtenrate und fortgesetzter Einwanderung bis 2100 auf 35 Millionen wachsen kann.
Seite 317:
Der Bremer Soziologe Gunnar Heinsohn hat folgende Rechnung aufgemacht: Hätte die deutsche Bevölkerung seit dem 8. Mai 1945 dieselbe Geburtenrate gehabt wie die damalige Bevölkerung von Palästina, so gäbe es heute in Mitteleuropa 600 Millionen Deutsche.
Seite 321:
Wer […] etwas geschenkt bekommt, ist höchstens oberflächlich und zumeist gar nicht dankbar. Der Beschenkte fühlt sich nicht respektiert und nicht ausreichend ernst genommen. Um sein Ego zu stützen, entwickelt er eine Abneigung gegen den Wohltäter […] Das erklärt beispielsweise auch zum Teil den nagenden Missmut, den das wiedervereinte Deutschland bei vielen Ostdeutschen hervorruft.
Anmerkung: Endlich sagt’s mal einer.
Seite 326:
Wir wollen keine nationalen Minderheiten.
Anmerkungen: Was machen wir dann mit den Sorben und den Dänen?
Seite 327:
Hilfsangebote müssen sein […] Dort, wo sie nicht angenommen werden, wo vielleicht sogar gesetzliche Pflichten verletzt werden, müssen die finanziellen Folgen schnell und eindeutig sein:
- Jeder Arbeitsfähige [muslimische Migrant in der Grundsicherung] muss sich an gesetzlichen Arbeitstagen zur festgesetzten Uhrzeit einfinden, wo er eingeteilt ist. An die Stelle gemeinnütziger Arbeit treten bei jenen Migranten, die der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind, Sprachkurse […]
- Für Kinder ab dem dritten Lebensjahr besteht Kindergartenpflicht. Der Ganztagskindergarten wird zur Regelleistung […] Bei unentschuldigtem Fehlen wird die Grundsicherung für das Kind auf den anteiligen Regelsatz für Lebensmittel abgesenkt, abzüglich des Gegenwertes der Mahlzeiten im Kindergarten. Diese Abzüge werden tagesscharf berechnet. Ebenso wird an Schulen verfahren […]
- Zuzug ist nur möglich, wenn der in Deutschland lebende Ehegatte in den vorangegangenen drei Jahren seinen Lebensunterhalt ohne Inanspruchnahme von Grundsicherung bestreiten konnte. Der zuziehende Ehegatte hat für zehn Jahre keinen Anspruch auf Grundsicherung.
- Für die weitere Zuwanderung gelten äußerst restriktive Bedingungen, die im Prinzip nur noch Spezialisten am oberen Ende der Qualifikationsskala erfüllen […] Ein fälschungssicherer biometrischer Ausweis hält den Aufenthaltsstatus fest. Für alle, die nicht deutsche Staatsbürger sind, wird eine zentrale bundesweite Datenbank eingerichtet.
Kapitel 8: Demografie und Bevölkerungspolitik
Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist
Seite 375:
Die im Verhältnis zur alten Bundesrepublik höhere Fruchtbarkeit der Gebildeten und niedrigere Fruchtbarkeit der Unterschicht wirkten sich günstig auf die durchschnittliche Intelligenz in der DDR aus. Der Intelligenzforscher Volkmar Weiss schätzt den Durchschnitts-IQ der zuletzt in der DDR geborenen Kinder wegen der Zusammensetzung der Elternschaft auf 102, für die heute in Gesamtdeutschland Geborenen schätzt er wegen des hohen Unterschichtanteils die durchschnittliche Intelligenz auf 95 Punkte.
Anmerkung: In der DDR gab es keine große Unterschicht? Es war wohl doch nicht alles schlecht?
Seite 377:
Vorsicht ist geboten bei der eilfertigen Aufzählung aller Hindernisse, die der Zeugung und Erziehung von Kindern in der modernen Welt entgegenstehen: Noch nie wurden Familien in Deutschland so breit unterstützt wie heute, noch nie waren sowohl die materiellen Hilfen als auch die Betreuungs- und Bildungsangebote so umfangreich.
Anmerkung: Aber nur bis zu den Seiten 382 und 386.
Seite 377:
Die unterschiedlichen Gegenmaßnahmen [zur rückläufigen Geburtenrate] werden hier unter zwei Aspekten diskutiert: Was ist geeignet, die Geburtenrate zu heben, und was ist geeignet, eine dysgenisch wirkende Geburtenstruktur zu verhindern? […] Sie werden nicht danach bewertet, ob sie deutschen verfassungsrechtlichen Grundsätzen genügen. Besteht der politische Wille, eine vernünftige Maßnahme durchzusetzen, so wird sich ein Weg finden, sie verfassungsgerecht zu gestalten – notfalls, indem man die Verfassung ändert.
Anmerkung: Sarrazins Eingeständnis, dass seine Vorschläge verfassungswidrig sind.
Seite 379:
Der einzige Sinn einer Privilegierung der Ehe besteht darin, sie als bevorzugten Ort der Zeugung von Kindern zu schützen. Wo Kinder nicht gezeugt werden können, ist die Privilegierung von Partnerschaften aber generell sinnlos. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind eine Angelegenheit sui generis und haben mit einer Ehe höchstens in dem Sinne zu tun, dass zwei Menschen zusammenleben und vielleicht auch sexuelle Beziehungen haben. Kinder, um die es beim Schutz der Ehe ganz wesentlich geht, sind hier allerdings nicht zu erwarten.
Anmerkung: Aber nur, solange das Adoptivrecht nicht geändert wird.
Seite 382:
Beim Elterngeld lässt sich der erhoffte Effekt auf die Gesamtzahl der Geburten bislang nicht beobachten, und es ist aus den bisherigen Daten nicht ersichtlich, dass die soziale Struktur der Elternschaft sich wie erhofft verbessert. Die Intention der Maßnahme wurde allerdings auch beschädigt, indem nicht erwerbstätige Eltern oder Eltern mit niedrigem Einkommen ein Mindestsatz an Elterngeld zuerkannt wurde.
Seite 382:
Die Umstellung der gesetzlichen Rentenversicherung auf das Umlageverfahren […] beraubte die Zeugung und Aufzucht von Kindern um ein weiteres rationales Motiv: Wer Kinder aufzog, hatte künftig materielle Nachteile durch die entstandenen Kosten und Mühen und die entgangenen Verdienstmöglichkeiten, er hatte aber keine Vorteile mehr bei seiner Altersversorgung, die war nämlich kinderunabhängig.
Anmerkung: Auf Seite 377 schreibt Sarrazin das Gegenteil.
Seite 384:
Ein arbeitsloses Ehepaar mit fünf Kindern erreicht ein Nettoeinkommen von 2700 Euro, mit ein wenig Schwarzarbeit zusätzlich kommen leicht 3500 Euro und mehr zusammen.
Anmerkung: Und mit sechs, sieben oder acht Kindern?
Seite 385:
Man kann für seine Kinder auch weniger ausgeben als der Durchschnitt, ohne dass diese hungern müssten […] Allein das Kindergeld ist heute schon so hoch, dass es die durchschnittlichen Mehrausgaben für Kinder nahezu abdeckt, bei kleineren Kindern sogar mehr als das.
Seite 386:
In gesunden Lebenszusammenhängen ist es normal, dass der Lebensstandard und die Konsummöglichkeiten von Erwachsenen sinken, wenn sie von ihrem Einkommen auch Kinder zu versorgen haben. Diese Normalität muss grundsätzlich auch für Eltern gelten, die Grundsicherung beziehen, ansonsten entstehen falsche Anreizstrukturen, was sich in der überdurchschnittlichen Geburtenrate dieser Personengruppe widerspiegelt.
Anmerkung: Auf Seite 377 schreibt Sarrazin das Gegenteil.
1 Kommentar ↓
Eine etwas kürzere Zusammenfassung hier:
http://www.jens-kassner.de/politik/brechen-ja-aber-keine-tabus/
GvH
Mein Kommentar: