Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) hat die Leipziger Games Convention gekillt, um ab 2009 in Köln die Messe GAMESCom zu starten.
Köln? Warum Köln? Who the fuck is Köln? Man weiß es nicht und wird es nie erfahren. Außerhalb der Stadtgrenze wurde nur zweimal über Köln gesprochen:
Zuerst, als die Unfähigkeit seiner Einwohner, den Dom fertigzustellen, unter preußischer Fürsorge ein Ende nahm und der protestantische Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1880 — nach über 600 Jahren vergeblichen rheinischen Mühens — das sakrale katholische Bauwerk in Gänze übergeben konnte.
Zuletzt, weil Köln offenbar ein idealer Brutkasten für rechtsradikale und ausländerfeindliche Spacken ist, die sich in der Bürgerbewegung pro Köln organisieren. Der Verfassungsschutz von NRW listete diese Bewegung wegen des “Verdachts einer rechtsextremistischen Bestrebung” in seinen Berichten 2004, 2005 und 2006 auf.
Dort fühlt sich der BIU wohler als in Leipzig. Jedenfalls die Mehrheit seiner 12 Mitglieder, denn die Entscheidung fiel nicht einstimmig.
Als offizielle Gründe wurden die bessere Verkehrsanbindung Kölns, das größere Einzugsgebiet für Besucher und das umfangreichere Angebot von Hotelbetten der Luxusklasse vorgeschoben. Letzteres Argument sollte man sich notieren, um die Publisher daran zu erinnern, wenn sie wieder wegen Garantiebeträgen und Lizenzhöhen feilschen. Wer seinen Hintern in Luxus bettet, wird auch bei der Vergütung der Spieleentwickler nicht kleinlich sein. Ganz bestimmt nicht.
Daß sich die Deutschlandzentrale von Electronic Arts in Köln befindet, deren US-Chefs wiederum einen Direktflug von Kalifornien zum deutschen Messestandort als gottgegeben voraussetzen, dürfte der wahre Grund für die Verabschiedung von Leipzig sein. Gegen EA muckt schließlich niemand auf.
Ansonsten hätte der BIU den Mut aufbringen und einfach ein Zitat von Konrad Adenauer in seine Pressemitteilung schreiben sollen:
“Bis Braunschweig geht das immer noch. Dann wird es langweilig, da beginnt für mich die Steppe.”
Das käme — neben EA’s Druck — den realen Befindlichkeiten der Entscheidungsträger wesentlich näher. Die Ressentiments vieler westdeutsch sozialisierter Branchenvertreter gegen das ostdeutsche Leipzig war auch im Jahr 5 der Games Convention unübersehbar.
Doch nun hat ja die liebe Seele Ruh’.
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