Der dümmste Satz der Woche

Geschrieben von admin am 11. März 2011 | Guttenberg, Tagesspiegel, Tönnies


Sybille Tönnies ist über die Guttenberg-Kritiker und deren Fokussierung auf seine plagiierte Doktorarbeit erbost. In einer wüsten Polemik reduziert sie den akademischen Grad “Doktor” auf einen besseren Faschingsorden und meiert den gesamten wissenschaftlichen Betrieb ab:

“Doktorväter und -mütter müssen zugeben, dass sie die umfangreichen und langweiligen Dissertationen ihrer Doktoranden im Normalfall gar nicht lesen und ihre Gutachten anhand der Inhaltsverzeichnisse anfertigen.”

Das ist dummes Zeug.

Wir kennen nicht viele Doktorväter, aber von denen, die wir kennen, wissen wir, dass sie die Dissertationen ihrer Doktoranden selbstverständlich lesen. Anders ist die Bewertung der Doktorarbeit gar nicht möglich.

Mit ihrer Verachtung für die Wissenschaft bedient Dr. jur. Sybille Tönnies alle Klischees der Kleinbürger: Es gilt nur der Arbeitsmann, der mit verschwitztem Nacken für seine Familie schafft. Die Damen und Herren Doktoren, die tagsüber am Schreibtisch sitzen und abends in die Oper gehen, braucht kein Mensch.

Aus dieser intellektuellenfeindlichen Masse rekrutierte die SA ihre Mitglieder. Sybille Tönnies wird das wissen. Ihr Hang zu extremen rechten Rüpeleien ist uns schon im Januar 2009 aufgefallen.

9 Kommentare ↓

#1 g.haase am 11.03.11 um 13:44

Auch anderen fiel sie auf, u.a. wegen ihrer Amerika-Anbetung:

http://beer7.wordpress.com/2009/04/13/kopfschuetteln-ueber-eine-professorin/

Die Kommentare sind vielsagend …

GvH

#2 admin am 11.03.11 um 13:57

Besonders peinlich ist die Causa Tönnies für die Stadt Potsdam. Dass Tönnies als Lehrbeauftragte für Soziologie an der Uni Potsdam arbeitet, kann man als Symbol für den Rückfall der Stadt in jene konservativen Strukturen sehen, die Potsdam jahrhundertelang prägten. Nicht ohne Grund fühlen sich rechtskonservative Hardliner wie Günther Jauch in Potsdam sehr wohl.

#3 Frank Fischer am 11.03.11 um 16:29

Was wirklich schlimm ist: die “McDonaldisierung” des Hochschulsystems via “Bologna”. Dipl.-Ing., Dr., Professor - vorbei. Alles nur noch Konkursmasse, Ramschtisch, Grabbelware für den Ausverkauf. Aber “Fachakademien”, “Institute”, “Zentren” an jeder Ecke. Bald wird sich jeder Fahrlehrer “Professor” nennen dürfen… Nur der nicht, der ehrlich promoviert, habilitiert und sich halb zu Tode publiziert hat.

#4 Nemi am 11.03.11 um 17:36

Äh,Jauch ist ein rechtskonservativer Hardliner?
Das würde ich doch gern genauer wissen wollen!

#5 Andreas am 11.03.11 um 19:45

Nach diesem öffentlichen Bekenntnis müßte man eigentlich allen ehemaligen Student(inn)en von Frau Tönnies ihre Diplome und Titel aberkennen…

#6 admin am 11.03.11 um 20:50

@ Nemi: Jauch ist einer derjenigen, die in Potsdam den Neubau der Garnisonkirche (”Tag von Potsdam”, 21.3.1933) und des Stadtschlosses vorantreiben, was die Stadt in einen konservativen Vorkriegszustand zurückversetzt. Jauch setzte die Stadtverwaltung mit seinem Spendengeld unter Druck und schuf Fakten, indem er z.B. das Fortunaportal des Schlosses mitfinanzierte, bevor der Schloss-Neubau parlamentarisch beschlossen wurde.

In der Bildungspolitik tritt Jauch für die Beibehaltung des deutschen Sonderweges ein. Das Gymnasium steht für ihn nicht zur Debatte. Die durch das mehrgliedrige Schulsystem bedingte gesellschaftliche Auslese ist für Jauch kein Grund, das Schulsystem grundlegend zu verändern.

Als Gast in Talkshows von Sabine Christiansen fiel Jauch immer wieder durch seine erschreckenden, sehr konservativen Diskussionsbeiträge auf, die man politisch eher bei CDU und CSU vermutet hätte. Der Mann ist keineswegs der eloquente, weltoffene Moderator, als der er bei “Wer wird Millionär” auftritt. Im Privatleben ist er sehr prozessfreudig und schottet sich so sehr vom Pöbel ab, dass vor Jahren das Gerücht die Runde machte, er und seine Nachbarn würden die Straße, an der ihre Villen stehen, für den Normal-Potsdamer sperren lassen.

Die Idee gab es wohl wirklich, und ob sie von Jauch ausging, ist nicht sicher. Doch nach den Erfahrungen mit Jauch in Potsdam und seinem arroganten Umgang mit der Stadtverwaltung (als steuerzahlender Millionär verlangte er vom Denkmalschutz eine weniger penible Genehmigungspraxis für seine Mietshäuser, was ihm auch gewährt wurde) hat man es ihm durchaus zugetrat.

#7 Nemi am 12.03.11 um 15:08

@Admin

Na ja , die Garnisonskirche wurde wohl von Ulbricht veranlaßt.Daß u.a. Steuergelder , die auch für den Wiederaufbau verschwendet werden, spricht für die
momentane Politik im “Land-der-Bescheuerten-und-Bekloppten”.
Denn die wären bei der Schulbildung mehr vonnöten.

Sicherlich kann es Jauch sich leisten, so zu handeln.
Seine Auffassung zur Bildungspolitik kannte ich bis heute noch nicht,macht mich aber doch erstaunt.
Dort wo Jauch in Potsdam wohnt,gibts auch noch mehr zugezogene Prominenz.Deswegen mußte dort das Dach eines Lidl-Marktes extra begrünt werden , da für die tagsüber beschäftigungslosen Ehegattinnen der Promis der Blickfang auf das unbegrünte Lidl-Dach
unpassend war.

Übrigens:in Sachsen-Anhalt denkt man über die (Wieder-)Einführung der Berufsausbildung mit Abitur
nach.
Es ist schon lächerlich , wie manche heute die DDR neu erfinden,und es dann als ihr “Produkt” verkaufen.
Prinz Platzeck hat das vor ein paar jahren auch versucht.
Nach einem Finnland-Besuch äußerte er sich voll des Lobes über das dortige Schulbildungssystem.
Anschließend erhielt er dann hinter vorgehaltener Hand den Hinweis , daß die Finnen in den 80ern genau die Grundzüge ihres Bildungssystems bei einem Besuch in
der DDR übernommen haben.

#8 admin am 12.03.11 um 19:34

@ Nemi: “Übrigens:in Sachsen-Anhalt denkt man über die (Wieder-)Einführung der Berufsausbildung mit Abitur
nach.”

Das habe ich auch gehört. Und die Gemeindeschwester soll zurückkehren, weil die Ärzte in manchen Dörfern wegsterben und sich kein Nachfolger findet. Das hätte man schon vor 20 Jahren haben können. Da kann man nur noch laut lachen.

#9 meerschweinchen am 23.03.11 um 10:53

daß die dächer in potsdam begrünt werden,weil die promi-gattinnen sonst die krise bekommen,finde ich gut (also den 1.teil vom satz),ist allerdings frauenfeindlicher jargon,dennoch,manchmal fällt für alle was ab,auch wenn die promifrauen einfach als erste drauf kommen,vielleicht weil sie nicht an der aldi-kasse sitzen.jauch hat seinen seeweg gesperrt und das ist einfach scheiße.
eigentlich wollte ich hier gar nicht rein,wie kann ich mich für be berlin international anmelden,habe einen superspruch. frage und gruß das meerschweinchen

Mein Kommentar: