Sodomie und Geschwisterliebe

Geschrieben von messitschbyburns am 14. März 2008 | Deutscher Irrsinn, Geschichte


Das Bundesverfassungsgericht verurteilte Patrick S. zu einer Gefängnisstrafe, weil er mit seiner Schwester, die getrennt von ihm aufwuchs und zu der er keine geschwisterliche Beziehung aufbauen konnte, vier Kinder zeugte. Die Urteilsbegründung liest sich wie ein Timetunnel in die 50er Jahre:

“Das Inzestverbot sei zur ‘Bewahrung der familiären Ordnung‘ notwendig (…) Die ‘lebenswichtige Funktion der Familie für die menschliche Gemeinschaft’ werde entscheidend gestört, wenn ihre Ordnung ‘durch inzestuöse Beziehungen ins Wanken gerät’.”

Über die Lebenswelten der Richter, die dieses Urteil mehrheitlich fällten, muß man sich keine Illusionen machen: Der Mann schafft, die Frau ist daheim, und mittwochs ist Stichtag. So kann man wohl nur noch in der mundgeruchigen westdeutschen Provinz vor sich hin schnarchen, wo der Blockwart mit schnarrender Stimme die Kehrwoche kontrolliert und der Pascha in den Wohnstuben das Adenauer’sche Weltbild konserviert — die nahtlose Fortsetzung der Familienpolitik des Dritten Reiches.

Denn die Familie als übersteigerter Mythos, als Idealbild zur Brut und Aufzucht des deutschen Stammes, ist kaum mehr als ein Phantom in verbeamteten Richterköpfen; eine Erinnerung an ihre Studienzeit, als in den Burschenschaften das Deutschlandlied mit allen Strophen geschmettert wurde.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2008. Die Freiheit, den Partner zu wählen oder zu verlassen, Kinder zu zeugen, allein zu erziehen oder abzutreiben, in Lebensgemeinschaften oder Singlehaushalten zu leben und auf die staatlich gewünschte Eheschließung zu verzichten, ist bis in die westdeutschen Großstädte vorgedrungen — nachdem der Osten auch hier die Pionierrolle übernehmen mußte. Denn das Leben orientiert sich nicht an konservativen Richtern.

Zumal sie mit den Grundlagen ihrer eigenen Anschauungen kollidieren. Die bundesdeutsche Staatsmacht behauptet bis heute, moralisch und ethisch im Christentum zu wurzeln. Jeder Plümpel, der Kanzler oder Minister werden möchte, wird gebeten, seinen Eid auf die Bibel zu schwören. Zwar darf er diesen Mummenschanz ablehnen, aber spätestens, wenn ein sogenannter “Altkanzler” stirbt, sitzt auch der angeblich aufklärte Sozialdemokrat in irgendeinem Dom und faltet die Hände zum Gebet. Der Aberglaube ist eben nicht so einfach zu überwinden.

Und nun schlagen wir in der Bibel nach, diesem Fundament des westdeutschen Staates, und lesen erstaunt, wie relaxt einer ihrer Autoren das Thema “Inzest” abhandelte:

1. Moses 19, 30:

“Und Lot zog aus Zoar und blieb auf dem Berge mit seinen beiden Töchtern; denn er fürchtete sich, zu Zoar zu bleiben; und blieb also in einer Höhle mit seinen beiden Töchtern. Da sprach die ältere zu der jüngeren: Unser Vater ist alt, und ist kein Mann mehr auf Erden der zu uns eingehen möge nach aller Welt Weise; so komm, laß uns unserm Vater Wein zu trinken geben und bei ihm schlafen, daß wir Samen von unserm Vater erhalten.

Also gaben sie ihrem Vater Wein zu trinken in derselben Nacht. Und die erste ging hinein und legte sich zu ihrem Vater; und der ward’s nicht gewahr, da sie sich legte noch da sie aufstand. Des Morgens sprach die ältere zu der jüngeren: Siehe, ich habe gestern bei meinem Vater gelegen. Laß uns ihm diese Nacht auch Wein zu trinken geben, daß du hineingehst und legst dich zu ihm, daß wir Samen von unserm Vater erhalten. Also gaben sie ihrem Vater die Nacht auch Wein zu trinken.

Und die jüngere machte sich auf und legte sich zu ihm; und er ward’s nicht gewahr, da sie sich legte noch da sie aufstand. Also wurden beide Töchter Lots schwanger von ihrem Vater. Und die ältere gebar einen Sohn, den nannte sie Moab. Von dem kommen her die Moabiter bis auf den heutigen Tag. Und die jüngere gebar auch einen Sohn, den hieß sie das Kind Ammi. Von dem kommen die Kinder Ammon bis auf den heutigen Tag.”

Demnach ist der Stamm der Moabiter ein inzestuöses Gewurzel. Daran stört sich aber kein Katholik. Im Gegenteil: Die Leibesfrucht Moab wird mit der Benennung ganzer Stadtteile geehrt. Zum Beispiel in Berlin-Moabit. Dort steht passenderweise das größte europäische Kriminalgericht. Damit dessen Staatsdienern nicht langweilig wird, dürfen sie an dieser Stelle einen indizierten Text lesen:

Wir haben zusammen im Sandkasten gesessen,
beim Doktorspielen wollt’ ich nur dein Fieber messen.
Jetzt bist du 14, und du bist soweit,
wir warten keine Ewigkeit.
Sind unsere Eltern auch dagegen,
ich würd dich gerne mal flachlegen.

Ich hoffe, daß du keine Kinder kriegst,
weil du doch schließlich meine Schwester bist.
Die Eltern, die sind weggefahren, Hahahahaaaa.
Auf die Gelegenheit warte ich seit 14 Jahren.
Noch sitzen wir hier und spielen Schach,
aber gleich leg ich dich flach.

Der grosse Augenblick ist da,
ich liege auf dir, du schreist “Jaaaaaaaaaaaaaaaaa”.
Du bist so eng, das macht mich geil,
und morgen nehme ich dein Hinterteil.
Noch Stunden später bist du sehr erregt,
ich hab dich schließlich gerade flach gelegt.

Das befriedigt meine Triebe,
Geschwisterliebe, Geschwisterliebe.

Das befriedigt meine Triebe,
Geschwisterliebe, Geschwisterliebe.

Das befriedigt meine Triebe,
Geschwisterliebe, Geschwisterliebe.

Die Melodie können sich die Sesselwärmer im Gericht auf ihren Dienstrechnern herunterladen. Einfach “Geschwisterliebe Ärzte 1986″ eingeben, und ab geht die Luzi. Als Abwechslung zu den Inzestpornos, die sonst in der Mittagspause gesaugt werden.

Lot_s.jpg

Lots Töchter befingern ihren Vater.
In Deutschland kämen sie dafür in den Knast.

Lot stammte aus Sodom. Dort ging es bekanntlich drunter und drüber. Jeder begrapschte jeden — gleich, ob Mann, Frau oder Tier. Dieser Schock sitzt rechtgläubigen Politikern auch nach über zweitausend Jahren noch in den Knochen. Denn nicht nur Deutschland macht die Rolle rückwärts. Die holländische Regierung scheut sich nicht einmal, alttestamentarisch geprägten Irrsinn in Gesetzesform zu gießen:

“Nach zweijähriger Debatte hat das niederländische Parlament ein Sodomieverbot beschlossen. Das einstimmig angenommene Gesetz ahndet den Sexualverkehr mit Tieren und die Herstellung pornografischer Darstellungen davon mit bis zu sechs Monaten Gefängnis.”

Dazu fallen uns spontan zwei Fragen ein: Angenommen, ein Holländer findet Gefallen am Geschlechtsverkehr mit Ziege, Pferd und Dackel: Bringt das die holländische Gesellschaft ins Wanken? Und zweitens: Wie oft wird denn in Holland ein Tier penetriert, daß die Gesetzgebung zu dessen Schutz bemüht werden muß?

Es mag ja sein, daß der Drang der holländischen Regierung, die belgische, dänische und deutsche in puncto scheinheiliger Frömmelei und administrativem Roll Back zu überholen, besonders ausgeprägt ist. Dann muß man ihr eindeutig zum Punktsieg gratulieren. Sich mit einer gesellschaftlichen Nichtigkeit zu befassen, sie zum Politikum aufzublähen und wichtigtuerisch ein Gesetz zu beschließen, um den Popanz im Nachhinein zur Gefahr umzudeuten, der dringend Einhalt geboten werden mußte, geschieht selbst in Deutschland nicht alle Tage.

Deshalb möchten wir der holländischen Regierung mit diesem Ständchen gratulieren:

Claudia hat ‘nen Schäferhund,
und den hat sie nicht ohne Grund.

Aha!

Claudia sieht spitze aus.
Auf Claudia sind alle scharf.
Ist es da nicht hundsgemein,
dass bei Claudia keiner darf.

Denn Claudia hat ‘nen Schäferhund,
und den hat sie nicht ohne Grund.
Abends springt er in ihr Bett,
und dann geht es rund.

Claudia mag keine Jungs.
Doch sie ist auch nicht lesbisch (lesbisch).
Am allerliebsten mag sie es,
mit ihrem Hundchen unterm Esstisch.

Denn Claudia hat ‘nen Schäferhund,
und den hat sie nicht ohne Grund.
Abends springt er in ihr Bett,
und dann geht es rund.

Neulich musste Claudia,
dringend mal zum Arzt,
und er riet ihr aufzuhören,
denn sie war total verharzt.

Denn Claudia hat ‘nen Schäferhund,
und den hat sie nicht ohne Grund.
Abends springt er in ihr Bett,
und dann geht es rund.

Claudia hat ‘nen Schäferhund,
und den hat sie nicht ohne Grund.
Abends springt er in ihr Bett,
und dann geht es rund.

Der Song erschien 1984 auf der Ärzte-LP Debil und wurde prompt verboten. Das ist nicht tragisch; man kann ihn problemlos anderweitig besorgen.

Aber was, geschätzte holländische Politiker, geht euch durch den Kopf, wenn ihr das Wort “Debil” hört? Etwa das gleiche wie uns?

claudia_s.jpg

In Holland wär’ das nicht passiert.

Keine Kommentare ↓

Es gibt noch keine Kommentare. Sie können das ändern. Schreiben Sie einen Kommentar in das Formular.

Mein Kommentar: