So bekämpfen wir die Wohnungsnot

Geschrieben von admin am 25. März 2011 | Berlin, DDR, Sarrazin


Wer in Berlin vom Durchschnittslohn oder von Hartz IV lebt, findet in den Innenstadtbezirken kaum noch freie Wohnungen. Hier gilt seit Jahren: Wer arm ist, muss weichen. Der Bevölkerungsaustausch ist rekordverdächtig.

Würde Berlin von der FDP regiert, könnte man mit den Achseln zucken und sagen: “War klar.” In Berlin koalieren aber seit 2002 SPD und PDS/Linke. Die haben in neun Jahren gemeinsamen Regierens einiges erreicht:

Anstieg der durchschnittlichen Bruttokaltmieten auf 6,35 Euro pro Quadratmeter, Anstieg der Neuvermietungsmieten um 17 Prozent, Anstieg der Mietbelastungsquote (Anteil des Einkommens für die Miete) auf durchschnittlich 23,6 Prozent je Haushalt (bei Geringverdienern sogar auf 40 Prozent).

Die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), versteht die Aufregung nicht: “Es gibt keinen Grund, in absehbarer Zeit von einem Wohnungsmangel zu sprechen.”

Wer trotzdem das Pech hat, eine Mieterhöhung von 150 Euro im Monat nicht mehr bezahlen zu können, der findet Trost bei Thilo Sarrazin (SPD): “Es ist keine Beleidigung, in Hellersdorf-Nord zu wohnen.”

Das wird die Hellersdorfer freuen.

Muss aber wirklich jeder in seiner Wohnung wohnen? Frank Bielka (SPD) glaubt das nicht. Das Vorstandsmitglied der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft degewo erklärte auf einer Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung: “Dass jeder seine eigene Wohnung erhalten muss, ist kein Naturgesetz. Darüber muss diskutiert werden.”

Ein großes Wort, gelassen ausgesprochen. Allein — es ist nicht neu.

Knapp 30 Jahre nach dem Krieg herrschte in der DDR Wohnungsnot. Mehrere Generationen lebten noch immer in zwei oder drei Zimmern zusammen. Die Zustände waren teilweise nicht sehr verschieden von denen der Zille-Zeit. Das sollte sich ändern.

1973 beschloss das ZK der SED das Wohnungsbauprogramm der DDR. Damit sollte bis 1990 das Wohnungsproblem gelöst werden. Um den Neubau von Wohnungen reduzieren zu können, erfand die Partei den listigen Slogan: “Nicht jedem eine Wohnung, sondern jedem seine Wohnung”.

Damit waren vor allem Rentner gemeint, die nach dem Tod des letzten Angehörigen allein in ihren Wohnungen lebten, von der Partei aber nicht zwangsweise umgetopft werden konnten. Auf diese Generation sollte sanfter Druck ausgeübt werden, damit die Oma freiwillig ins Heim geht und ihre Wohnung für die Kinder und Enkel frei macht.

Das Volk reagierte mit einem sarkastischen Kurzgedicht:

“Jugend, schlagt die Rentner tot,
das beseitigt die Wohnungsnot.”

Darüber sollte diskutiert werden. Ihr Auftritt, Herr Bielka.

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