Wir glaubten, eure aggressiven Drückerbanden seien damit ausgelastet, postfremde Produkte an ahnungslose Postkunden zu verticken. Das war leider ein Irrtum. Es wird noch schlimmer.
Zusätzlich zu euren ungebeten Offerten überrumpelt ihr neuerdings eure Kunden, die nach wie vor nur Briefmarken kaufen oder Pakete abholen möchten, mit diesen Fragen:
“Schon bei Vattenfall gekündigt?”
Und dann? Etwa zu Lichtblick wechseln, deren Faltblätter ihr ungefragt auf den Tisch knallt? Zu diesen Umwelthelden, die sogenanntes Ökogas aus Schweinegülle erzeugen, die in einer Großmästerei aus 15.200 Schweinen gezapft wird? Ihr möchtet also, daß eure Kunden nicht nur Briefmarken kaufen, sondern nebenbei diese elende Tierquälerei unterstützen?
“Schon gehört, daß BHW wieder eine Aktion startet?”
BHW? Ausgerechnet BHW? Die Postbanktochter, deren ekelhafte TV-Werbung kurz vor der Tagesschau dafür sorgt, daß man die Nachrichten erst 20:01 Uhr einschalten kann, um dem Anblick der sprücheklopfenden Yuppiefressen zu entgehen? Müssen eure Kunden auch noch mit Bausparverträgen geknebelt werden?
Und als sei das Maß noch nicht voll, sollen eure Schalterknechte in Zukunft Medikamente verhökern? Etwa, um die Dauer der Kundengespräche mit ungebetenem Geschwätz über Girokonten, Riesterrenten, Energieversorgerwechsel, Bausparverträge und Arzneimittelverkäufe richtig in die Länge zu ziehen? Sind die Schlangen in euren Filialen noch zu kurz?
Würde es euch sehr überraschen, wenn eines Tages ein Postkunde eure Faxen restlos satt hat und bei al-Qaida ein Dutzend Einweg-Männer mietet? Nicht, daß wir das begrüßen würden. Aber es wäre in sich schlüssig: Actio et reactio, drittes Newtonsches Axiom. Gilt in der Physik wie in der großen Weltpolitik. Und auch in der Deutschen Post.
P.S.:
Glückwunsch an euren geschaßten Großen Vorsitzenden. Der geständige Steuerhinterzieher Zumwinkel hat den fliegenden Wechsel geschafft: Vom Chef der Deutschen Post zum Aufsichtsrat von Arcandor, ehemals KarstadtQuelle.
Der Volksmund sagt dazu: Fett schwimmt immer oben.
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