Kategorie "Hörsturz" ↓
Geschrieben von messitschbyburns am 20. Mai 2008 — Hörsturz, TV On The Radio
Scarlett Johansson
“Anywhere I Lay My Head”
(p) 2008, Rhino Records

Kaufen Sie diese CD. Erwarten Sie nichts. Legen Sie die CD in den Player. Drücken Sie auf Start. Überleben Sie die ersten Durchläufe.
Machen Sie einen Tag Pause. Duschen Sie kalt. Gehen Sie spazieren. Schlafen Sie sich aus.
Legen Sie die CD wieder in den Player. Drücken Sie auf Start. Weiterlesen →
Geschrieben von messitschbyburns am 20. Mai 2008 — Hörsturz
Mudcrutch
“Mudcrutch”
(p) 2008, Warner Music

Wenn sich alte Männer langweilen, werden sie kindisch. Sie sitzen auf der Veranda, blinzeln in die Sonne und hauen der Briefträgerin auf den Hintern.
Wenn sich alte Musiker langweilen, rufen sie ihre Kumpel an. Die Kumpel kennen sich aus jenen prähistorischen Tagen, als die Saurier noch durch Gondwana trampelten.
Weiterlesen →
Geschrieben von messitschbyburns am 13. Mai 2008 — Hörsturz, RBB
18th Dye
“Amorine Queen”
(p) 2008, Crunchy Frog Recordings

Hjertelig velkommen, 18th Dye! Sie sind wieder da!
1992 segelte ihr Debüt Done in unseren Briefkasten, und vom ersten Ton an waren 18th Dye die Lieblinge der Redaktion. Wie eine Brise frischer, kühler Luft aus Dänemark wehte Done damals durch die Räume und versüßte jede Stunde. 1993 folgte die EP Crayon, 1995 die CD Tribute To A Bus, und dann waren sie plötzlich weg (die Redaktion, der Player und die CDs ebenfalls, aber das, liebe Kinder, ist eine andere Geschichte). 1999 lasen wir in einem Berliner Stadtmagazin eine kurze Meldung über die Auflösung der Band.
Weiterlesen →
Geschrieben von messitschbyburns am 13. Mai 2008 — Hörsturz, The Last Shadow Puppets
The Last Shadow Puppets
“The Age Of Understatement”
(p) 2008, Domino Records

Estraden-Pop. Ein schreckliches Wort. Es klingt wie Bratislavska Lyra, Alla Pugatschowa und Goldener Orpheus. The Last Shadow Puppets spielen Estraden-Pop.
Das läßt sich überraschend gut an. Völlig überdreht und durchgeknallt beginnt The Age Of Understatement mit einem Galopp, der wie ein Soundtrack für einen Spaghetti-Western im Stil der großvolumigen bulgarischen Estrade klingt. Zum pulsierenden Schlagzeug geigt, streicht und bläst alles, was seit Phil Spector geigen, streichen und blasen darf. Spectors Markenzeichen Wall Of Sound wird hier radikal ausgelebt. Wobei die Mehrzahl angebrachter wäre: Nicht eine, sondern dutzende Wände werden hochgezogen und vor-, neben- und übereinander gestapelt. Und noch eine Decke obendrauf. Und noch eine Decke auf die Decke. The Last Shadow Puppets packen die Dekade zwischen 1964 und 1974 in Butterkrokant, mit Marzipan gefüllt und einem Klecks Schlagsahne obendrauf. Am Ende steht ein bizarres Soundhaus, ganz wie im Märchen: Ein Häuslein aus Brot gebaut und mit Kuchen gedeckt; aber die Fenster waren von hellem Zucker.
Weiterlesen →
Geschrieben von messitschbyburns am 07. Mai 2008 — Hörsturz, Mark Lanegan
The Gutter Twins
“Saturnalia”
(p) 2008, Sub Pop Records

Zwei große Ex auf einer großartigen CD: Mark Lanegan (ex-Screaming Trees, ex-Soulsavers, ex-QOTSA) und Greg Dulli (ex-Afghan Whigs, ex-Twilight Singers, ex-Afterhours) setzen sich in der kalifornischen Wüste auf eine Bank unter dem Joshua Tree und musizieren. Mit sehr viel Kraft und einem phänomenalen Gespür fürs Breitwand-Drama.
Lanegan und Dulli sind seit 1989 befreundet. Sie kennen sich aus diversen Sideprojects. Sie eint das Schicksal ihrer eigenen Bands — ewige Insidertipps ohne wirkliche kommerzielle Erfolge. Das schweißt zusammen. Man hat alle Prophezeiungen der Journaille hinter sich. Alle todsicheren Next Big Thing-Verheißungen, die sich in Rauch auflösen, weil die Karawane drei Wochen später zum Next Big Thing weiterzieht. Sehr konsequent nennen sie sich The Gutter Twins; auf Deutsch: Die Gossen-Zwillinge. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Weiterlesen →
Geschrieben von messitschbyburns am 07. Mai 2008 — Hörsturz
The Great Crusades
“Keep Them Entertained”
(p) 2007, Glitterhouse Records

Liebling, laß uns reiten! Hinaus in die Prärie, bis zum Horizont! Aber laß das Pferd im Stall und nimm die Harley. Knattern und rattern soll es!
Glitterhouse sei laut gepriesen für diese formidable Veröffentlichung. Harter, country-infizierter Rock von bösen Männern für böse Mädchen — mit einem weichen Herz für die gute Schnulze (Forgiven For An Hour Or Two), die dann verdammt nach Dr. Hook & the Medicine Show klingt. Ach, wie schön (schluchz).
Weiterlesen →
Geschrieben von messitschbyburns am 19. April 2008 — Hörsturz
Portishead
“Third”
(p) 2008, Island/Universal Records

Was für ein Rummel. Vorschußlorbeeren und Superlative ohne Ende. Ellenlange Interviews. Rezensionen im Ton religiöser Verzückung. Mehrspaltige Besprechungen eines fast zuschauer- und völlig bedeutungslosen Radio-Konzerts in Berlin. Wow.
Portishead veröffentlichten gestern ihre dritte CD. Die labeleigene Marketingwalze stampft seit Wochen durch Deutschland. Käme Jesus am gleichen Tag auf die Erde zurück, die Heilserwartungen könnten nicht größer sein.
Weiterlesen →
Geschrieben von messitschbyburns am 17. April 2008 — Hörsturz, Rummelsnuff
Rummelsnuff
“Halt durch!”
(p) 2008, Zick Zack/Indigo

Es ist an der Zeit, einen Mann zu feiern, wie es ihn so gebaut in Deutschland nirgendwo ein zweites Mal gibt. Rummelsnuff sprengt jeden Rahmen. Ästhetisch, stimmlich und musikalisch.
Der Mann hinter der Kunstfigur Rummelsnuff heißt Roger Baptist. Ältere Musikliebhaber werden sich erinnern: Roger Baptist war Keyboarder der fabelhaften, grandiosen und 1992 leider aufgelösten Dresdner Band Freunde der italienischen Oper.
Weiterlesen →
Geschrieben von messitschbyburns am 01. April 2008 — Hörsturz
The Steepwater Band
“Revelation Sunday”
(p) 2006, Diamond Day Records

The Steepwater Band sind eine traumhafte Kombination aus Southern, Bluesrock und Bands wie Cactus und Free, die seit Jahrzehnten im Orkus des Rock verdämmern. Das klingt vermutlich wie die Androhung einer Klassenfahrt ins Rockmuseum, aber keine Angst: Die Band knallt vom ersten Ton an.
Man legt die CD in den Player und bekommt ohne Vorwarnung ein gepflegtes Trommelstaccato um die Ohren gepfeffert, gefolgt von einer Gitarre, die stampft, rollt und rumpelt wie eine schwere Dampflok der Union Pacific, an deren Bullenfänger die Flagge der Südstaaten geknotet ist. Trommelwirbel, knarzende Gitarre, Trommelwirbel, und zwischendurch bittet der Sänger leicht spöttisch um Gnade. “Immer weiter! Immer weiter!” würde Oliver Kahn wohl schreien, stünde er vor dem CD-Player.
Weiterlesen →
Geschrieben von messitschbyburns am 01. April 2008 — Hörsturz
Witchcraft
“The Alchemist”
(2007) Rise Above Records

Dank Ozzys diverser Stürze und seines kränklichen Gesamtzustands wird es wohl nichts mehr mit einer Black-Sabbath-Tour in originaler Besetzung. Ein kleiner Trost sind Bands wie die schwedischen Witchcraft, die sich für ein Leben in der Sabbath-Gruft entschieden haben. Die wollen sie nicht mehr verlassen. Jedenfalls nicht lebend.
The Alchemist ist nach Witchcraft (2004) und Firewood (2005) ihre dritte CD, und abgesehen davon, daß ihnen jemand ein paar Euro für ein besseres Studio spendierte, klingt sie wie die erste und die zweite. Beharrliche Konstanz im Dienst der Tradition.
Weiterlesen →