Obwohl die Berliner Krawallblätter vor dem 1. Mai tagelang pumpten, um bis zum Feiertag ordentlich Benzin zu verschütten, das zur Party nur noch angezündet werden mußte, entlud sich nur ein mäßiger Krawall. Die Enttäuschung, daß Kreuzberg nicht komplett in Flammen stand, war besonders im Tagesspiegel groß.
Lorenz Maroldt, der als Chefredakteur unmittelbar für die verbalen Entgleisungen seiner Scharfmacher verantwortlich ist, beschwor in einem Kommentar am 2. Mai noch einmal den ganz großen Knall:
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Man hätte darauf wetten sollen: Der Tagesspiegel, der sich für Tempelhof, CDU und FDP zum Gespött Berlins machte, kann seine Niederlage nach dem Volksbegehren nicht verwinden. Zwar läßt sich das Ergebnis nicht mehr zu Gunsten Tempelhofs drehen, und nach einigen wütenden Beiträgen über das blöde Wahlvolk mußte auch der hartleibigste Redakteur beim Tagesspiegel einsehen, daß diese Schwarte gebraten ist.
Aber da ist ja noch Tegel, Gott sei’s gedankt. Eine Lehre aus der Niederlage im ideologischen Krieg um Tempelhof bestand darin, die Kampagne nicht überfallartig zu inszenieren und mit ihr nicht wie ein Tornado über Berlin zu fegen, sondern die Propaganda Tröpfchen für Tröpfchen ins Hirn der Berliner zu spritzen.
Das braucht Zeit — doch bis zur geplanten Schließung von Tegel gehen noch einige Jahre ins Land. Die will der Tagesspiegel offenbar nutzen, um seine Leser kontinuierlich für das nächste Volksbegehren zu mobilisieren: Weiterlesen →